Konzepte für Friesenheim Schüler wollen Vandalismus stoppen

Christine Bohnert-Seidel
Gemeinderätin Charlotte Schubnell erarbeitet mit Schülern Präventivmaßnahmen gegen Vandalismus. Foto: Bohnert-Seidel

Wie soll das Vandalismus-Problem in Friesenheim bekämpft werden? Bei einem "Jugendhearing" mit den Gemeinderäten und dem Bürgermeister stellten Schüler Konzepte vor. Diese reichten von Alkoholverbot bis hin zu einer Art "Kopfgeld".

Friesenheim - Vandalismus hat in Friesenheim viele Facetten: zerstörte Fenster- und Glasscheiben, verschmierte Bushaltestellen, vermüllte öffentliche Plätze, Graffiti oder Schmierereien. Am Montagmorgen haben Klassensprecher in der Aula gemeinsam mit Gemeinderäten, Bürgermeister Erik Weide, Matthias Reitter, Präventionsbeauftragter der Polizei, Roland Gutbrod von der Gemeinde sowie Lehrern mögliche Präventionsmaßnahmen erarbeitet.

Schulleiterin Angelika Philipzen sprach die Schüler direkt an und erklärte: "Wenn Klos beschmiert werden, Sachen kaputt gemacht werden, leiden alle 710 Schüler an der Schule." Die Klassensprecher sollen die Ergebnisse aus dem Jugendhearing in die Klassen tragen. Bürgermeister Erik Weide betonte: "Es soll keine Klageveranstaltung werden." Aber wer Bilder von Zerstörung sehe und bei klarem Verstand sei, sollte erkennen, dass das so nicht gehe.

Bevor sich die Schüler dem Thema näherten, liefen im Hintergrund Fotos von Orten, an denen in Friesenheim Vandalismus geschehen ist und immer wieder geschieht. Gutbrod erklärte: "In den vergangenen vier Jahren sind im Durchschnitt jährlich allein an der Schule durch Vandalismus Schäden in Höhe von bis zu 5000 Euro entstanden." Hinzu kämen Schäden an Sporthallen, Wanderhütten, der Sternenberghalle oder auch auf den Friedhöfen. Nicht zu vergessen die vielen Glasscherben und der Müll, den letztlich die Mitarbeiter des Bauhofs regelmäßig entsorgen müssten.

Vorschläge haben die Schüler in kleineren Gruppen erarbeitet: Sie empfahlen beispielsweise Therapieschulungen bei Aggressionsproblemen oder ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Mehr Mülleimer und vor allem mehr Orte für Graffiti – bislang gibt es nur die Wand an der Tennishalle in Oberweier – seien eine weitere Lösung. Wer einen Schaden verursacht, sollte diesen auch öffentlichkeitswirksam selbst entfernen, lautete eine andere Idee.

Mehr Ansporn wäre auch eine Art "Kopfgeld" für die Ergreifung von Tätern. Außerdem seien vor allem die Eltern gefragt und müssten noch stärker in die Pflicht genommen werden. "Eltern müssen auf ihre Jugend aufpassen", lautet eine Empfehlung. Eine Schülerin wünscht sich mehr Schulfreizeitangebote, sodass die Jugendlichen erst gar nicht auf dumme Ideen kämen. Vorgeschlagen wurde auch die Produktion eines Präventionsvideos, das die Thematik in ihrer Fülle nochmals aufgreife. Eine Gruppe erarbeitete für sich den Wunsch nach Kameras im öffentlichen Raum und mehr Ordnungsdiensten, was die Mehrheit der Schüler jedoch ablehnte.

Matthias Reitter von der Polizei machte Mut zu mehr Zivilcourage und gab auch das notwendige Knowhow an die Hand. Dass eine Straftat, begangen von einem 7-Jährigen bis zu 30 Jahre später zivilrechtliche Folgen haben kann, ließ manchen Schüler aufhorchen.

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