Klimawandel Geht der Ortenau das Wasser aus?

Marco Armbruster
Der fehlende Niederschlag der vergangenen Jahre macht sich mittlerweile auch beim Grundwasser bemerkbar. Die Versorgung in der Ortenau ist offenbar trotzdem gesichert. Foto: Badenova

Der jüngste Starkregen kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der Südwesten kämpft seit Jahren mit Trockenheit, die Grundwasserstände im Land sinken. Der Ortenaukreis steht derweil noch gut da – zumindest in der Rheinebene.

Ortenau - Die Region blickt nicht nur auf einige Jahre, sondern auf fast zwei Jahrzehnte mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen zurück. Seit 2003 bildete lediglich 2021 die große Ausnahme, berichtet Jürgen Mair, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Ortenaukreis. Regelmäßig spricht seine Behörde im Sommer ein Entnahmeverbot für Oberflächengewässer aus – jüngst geschehen Mitte Juni (wir berichteten).

Der fehlende Niederschlag macht sich mittlerweile auch beim Grundwasser bemerkbar. Schon Anfang des Monats hatten die Fachleute der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) mitgeteilt, dass unterdurchschnittliche Grundwasserverhältnisse im Südwesten überwiegen. Sorgen bereiten dabei die sogenannten Grundwasserkörper im Untergrund Baden-Württembergs. Aus ihnen werden rund 70 Prozent des Trinkwassers gewonnen, entweder direkt über Brunnen oder indirekt aus Quellschüttungen. Laut einer Studie ist das Volumen im Südwesten seit 2003 um 18 Prozent zurückgegangen – und regionale Klimaprojektionen mahnen, dass sich dieser Trend flächenhaft und schon in naher Zukunft verstärken werde.

Situation in der Rheinebene unproblematisch

Besteht also auch im Ortenaukreis Grund zur Sorge? "Nein", sagt Klaus Rhode, Leiter Wasser und Abwasser bei der BN-Netze. Die Badenova-Tochter ist in Freiburg und Lahr für die Wasserversorgung zuständig, hat in Offenburg, Schwanau, Meißenheim und Kippenheim die Betriebsführung übernommen und nimmt in Meißenheim eine betreuende Funktion wahr. In der Rheinebene sei die Situation unproblematisch, erklärt Rhode und konstatiert: "Wir sitzen auf dem Wasser." Ein Trend zum Absinken des Grundwasserniveaus sei aber durchaus auszumachen. Phasen in denen der Grundwasserspiegel niedriger liegt, würden sich häufen, so Rhode, pendelten sich im Jahresmittel jedoch stets wieder ein.

Problematisch ist dagegen der Rückgang der Quellwasserschüttungen. Rund 20 Prozent des Ortenauer Trinkwassers stammt daraus. Die längeren Trockenphasen setzen vor allem den Quellen im Schwarzwald zu, weiß Rhode. In den höheren Lagen laufen diese im Sommer immer wieder trocken, bestätigt Jürgen Mair. Vor allem für Höfe, die nicht ans öffentliche Wassernetz angeschlossen sind, ist das ein echtes Problem.

Grundsätzlich sieht der Leiter des Wasserwirtschaftsamts die Versorgung im Ortenaukreis jedoch gesichert. Denn die öffentlichen Wasserversorger seien in der Regel breit aufgestellt. "Das heißt, sie fördern entweder aus mehreren Tiefbrunnen gleichzeitig Grundwasser oder haben eine Kombination aus Tiefbrunnen und Quellen oder betreiben Grundwasserbrunnen und beziehen zusätzlich Trinkwasser aus der Fernwasserversorgung Kleine Kinzig", so Mair.

Wasser verursacht künftig wohl höhere Kosten

Die Versorgung der Stadt Lahr etwa sei gesichert, da der gesamte Wasserbedarf aus den Brunnen in der Rheinebene gedeckt werden kann, sollte es dazu kommen, dass die Quellen zu wenig Wasser schütten, ergänzt Rhode. Durch diese mehrgleisigen Systeme bestanden auch in den Zeiten mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen keine Engpässe. "Es ist auch künftig davon auszugehen, dass die Versorgung gesichert ist", betont Mair.

Wasserversorgungsexperte Klaus Rhode blickt jedoch nicht ohne Sorge in die Zukunft: Die Region stünde erst am Anfang des Klimawandels. BN-Netze versuche sich so gut es geht, auf die Konsequenzen einzustellen. "Die Extreme, die wir in nächster Zeit erleben werden, übersteigen aber mit Sicherheit unsere Vorstellungskraft", befürchtet Rhode. Er gehe davon aus, dass es immer aufwendiger werde, Qualität und Widerstandsfähigkeit der Versorgung gegen Trockenphasen zu sichern. "Damit verbunden sind dann auch höhere Kosten." Bei geringerer Grundwasserneubildung müsse man verstärkt auf die Qualität der Böden achten, da die Verdünnung bei Nitrat geringer werde und die Landwirtschaft Wasser für Beregnungszwecke fordere. "Zudem sollten wir drauf achten, dass wir Biotope nicht gefährden, wenn zu viel Wasser aus Oberflächengewässern entnommen wird", betont Rhode.

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