Klimaschutzkonzept Ortenaukreis will mehr auf Solar setzen

Jonas Köhler
In der Ortenau gibt es ein hohes Potenzial für die Energiegewinnung durch Photovoltaikanlagen. Mit dem Klimaschutzkonzept sollen dies genutzt werden. Quelle: Unbekannt

Der Ortenaukreis will sich beim Klimaschutz noch besser aufstellen. Im Fokus sollen dabei die erneuerbaren Energien stehen – allen voran Solar. Im Ausschuss für Umwelt und Technik informierte die Kreisverwaltung über ihr Klimaschutzkonzept.

Offenburg - Ein Antrag der Freien Wähler fand im Umwelt- und Technikausschuss großen Anklang: In diesem ging es darum, dass im Ortenaukreis künftig mehr auf erneuerbare Energien gesetzt werden soll, um den Klimaschutz voranzutreiben. Landrat Frank Scherer nutzte den Antrag, um ihn mit einem anderen ohnehin angedachten Punkt zu verbinden: dem Sachstandsbericht über das Klimaschutzkonzept des Landratsamts.

Klimaschutzmanager Christopher Schüle erläuterte, dass das Konzept aus neun Stufen bestehe, von denen die ersten vier bereits absolviert seien. So gab es bereits eine Analyse des Ist-Zustands vom aktuellen Energieverbrauch in der Ortenau ebenso wie vom vorhandenen Potenzial. Der nächste Schritt, so Schüle, ist die Miteinbindung von Bürger, Kommunen, Verbänden und Industrie.

Die neuesten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2017 brachte Arno Blumberg von der Energieagentur Regio Freiburg den Kreisräten näher. Der größte Teil der Energie wird in der Ortenau demnach in der Industrie verbraucht (41 Prozent). 28 Prozent entfallen auf den Verkehr, 22 Prozent auf private Haushalte. Neun Prozent der Energie wird im Kleingewerbe verbraucht. Insgesamt beträgt der jährliche Energieverbrauch 13,7 Terrawattstunden. Anders ausgedrückt: Jeder Ortenauer verbraucht pro Jahr 10,5 Tonnen CO. Dies bedeutet Energiekosten von 3400 Euro pro Person beziehungsweise 1,4 Milliarden Euro für den Ortenaukreis im Jahr.

Strom ist der flexibelste Energieträger

Diese Zahlen sollen bis ins Jahr 2040 um rund 90 Prozent reduziert werden. Dazu müsse man vor allem mehr auf Strom als Energieträger setzen. "Strom ist mit Abstand am flexibelsten", erklärte Blumberg. Die Verkehrswende mit der E-Mobilität sieht er als wichtigen Schritt hin zum Erreichen der Klimaziele.

Untersucht wurden die Potenziale der Ortenau für das Nutzen erneuerbare Energien. Dabei ergab sich, dass vor allem Photovoltaikanlagen ergiebig sein können. Man könne nicht nur Dächer nutzen, sondern auch freie Flächen an Bahntrassen. Ackerflächen könnten mit Solaranlagen so überbaut werden, dass darunter noch Pflanzen wachsen können, erläuterte Blumberg. Ein "riesiges Potenzial" gebe es auch in der Geothermie – vor allem für Wärme in den Kommunen am Oberrheingraben.

"Wir wollen erneuerbare Energien gut platzieren", kommentierte Nikolas Stoermer, erster Landesbeamter, den Bericht. Er sagte, dass man vor allem auf Photovoltaikanlagen setzen wolle, da Baugenehmigungen leicht zu erhalten seien. Auch die Tiefengeothermie befürwortet Stoermer, auch wenn diese auf Vorbehalte stößt: "Wenn man nicht so tief bohrt, nicht mit den starken Drücken arbeitet, können Schäden vermieden werden. Das hat mittel- oder langfristig großes Potenzial."

Landrat Scherer ergänzte, dass man bereits mit der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO) in Kontakt getreten sei. "Für ein Gesamtkonzept braucht man zunächst starke Partner." Nach der Betrachtung der Potenziale sollen nun Maßnahmen für die Umsetzung angegangen werden.

Die Fraktionen stimmten den weiteren Klimaschutzplänen zu. Alle Sprecher betonten, dass es nun Zeit wäre, die Energiewende voranzutreiben gerade im Hinblick auf steigende Energiepreise durch den Ukraine-Krieg.

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