Natur-Kindergarten in Kippenheim? Wald soll Platzprobleme lösen

Kippenheim - Den Kippenheimer Kindergärten geht der Platz aus. Deshalb will die Gemeindeverwaltung nun handeln – und in den Wald ausweichen. Dort soll eine neue Gruppe für bis zu 25 Kinder entstehen. Eine schnelle, aber keine billige Lösung.

Die Gemeinde Kippenheim wächst und mit ihr der Bedarf an Betreuungseinrichtungen für die Jüngsten. Aktuell sind in den drei kirchlichen Kindertagesstätten – zwei im Kernort, eine in Schmieheim – laut Verwaltung 225 Mädchen und Jungen untergebracht. Bald werden es mehr: Die Anmeldungen für das kommende Kita-Jahr zeigten, "dass die Bedarfe die aktuellen Platzkapazitäten übersteigen", stellt das Rathaus fest. Konkret könnten nach derzeitigem Stand zehn Kinder nicht zum von den Eltern gewünschten Termin aufgenommen werden. "Hier ergäbe sich eine Wartezeit von mehreren Monaten."

Umbauten wären teuer und aufwendig

Um dies zu verhindern, sprich: eine weitere Kita-Gruppe auf die Beine zu stellen, hat sich die Gemeinde nach eigenen Angaben mit mehreren Lösungsansätzen beschäftigt. Option eins, ein Um- beziehungsweise Anbau eines Bestandsgebäudes, hat einen entscheidenden Hakenso das Ergebnis der Evaluierung: aufwendige und kostenintensive Arbeiten, vor allem im Sanitärbereich. Deutlich mehr Charme versprüht aus Sicht der Verwaltung Option zwei: die Gründung einer Natur- oder Waldgruppe.

Eine solche wäre "kurzfristig und flexibel" zu schaffen. Zudem sei der Nachwuchs bei dieser Betreuungsform die meiste Zeit im Freien unterwegs, was den ausdrücklich erwünschten Nebeneffekt hätte, "den Kindern die natürliche Umgebung nahezubringen und ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit dieser lebensnotwendigen Ressource zu vermitteln". Als "Unterschlupf" bei Wind und Wetter soll den Betreuten und Betreuerinnen ein Bauwagen dienen. Das Thema sei bereits im Kindergartenkuratorium besprochen und für gut befunden worden, berichtet die Verwaltung. In Umlandgemeinden habe sich diese Art der Betreuung bereits bewährt. Dort zählen die Waldgruppen zwischen 20 und 25 Kinder.

Als Standort nennt die Gemeinde zwei Alternativen: in Kippenheim an der Haselstaude und an der Feuerwehrhütte ("Vogesenblick") in Schmieheim. Neben der vorteilhaften Lage, jeweils direkt am Waldrand, seien Strom- sowie Zu- und Abwasserleitungen bereits vorhanden.

Zuschüsse von der Kirche gibt es nicht

Die Anschaffung des Bauwagens würde je nach Größe mit rund 100 000 Euro zu Buche schlagen. Alternativ bestünde auch die Möglichkeit der Miete. So oder so: Die Gemeinde hätte die Kosten alleine zu tragen, weil es von den Landeskirchen mittlerweile keine Zuschüsse mehr für die Schaffung neuer Kita-Gruppen gibt. Heißt, dass auch das zusätzlich benötigte Personal komplett aus dem kommunalen Etat zu stemmen wäre. Im Rathaus geht man von 1,6 bis 1,8 Fachkräften aus, was eine jährliche Mehrbelastung von 90 000 bis 100 000 Euro bedeuten würde.

In jedem Fall, so der Plan der Verwaltung, soll die Waldgruppe an einen bestehenden Kindergarten angegliedert werden. "Dies hat den großen Vorteil, dass Vertretungen im Krankheits- und Urlaubsfall über die vorhandene Einrichtung abgewickelt werden könnten." Die evangelische Kirche habe bereits Interesse bekundet, die Trägerschaft zu übernehmen.

Der Gemeinderat beschäftigt sich bei seiner Sitzung am Montag, 14. Juni, mit dem Thema Wald-Kindergarten. Außerdem stehen ab 19 Uhr in der Festhalle der Kauf weiterer Urnenstelen für den Friedhof sowie aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie in der Gemeinde auf der Tagesordnung.

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