Kippenheim Von Deutschland tief beeindruckt

Im Gespräch mit Birgitta Bahner (links) und Ernährungsberater Franz Boomers: Firmine Vodounou aus Benin Foto: Masson Foto: Lahrer Zeitung

Beim Hilfsverein "Chance für Benin" herrscht helle Freude: Als Ehrengast zum runden Geburtstag ist Firmine Vodounou eingeflogen. Mit Urlaub hat der erste Deutschland-Aufenthalt der Beninerin aber nicht viel zu tun.

Kippenheim. Vodounou, die seit Anfang Juni bei der Kippenheimer Familie Bahner wohnt, nimmt Fortbildungs-, Vortragstermine und viele persönliche Begegnungen wahr. Das hat seinen Grund. Sie ist schon seit 19 Jahren in Possotomé die gute Seele eines Selbsthilfe-Projekts namens "Vinidogan" (Das Kind lebt). Frauen kümmern sich dort ehrenamtlich um mangelernährte Babys und Kinder, oft ausgesetzt oder verwaist. Just diese Einrichtung hatten sich Birgitta und Heinz Bahner nach Gründung ihres Hilfsvereins vor zehn Jahren als zentrale Aufgabe ihrer Hilfe zur Selbsthilfe vorgenommen.

Seit Wochen beobachtet Vodounou in Kindergärten und Schulen, wie deutsche Pädagogik funktioniert, und berichtete von damit unvergleichbaren Lebensverhältnissen in ihrer Heimat. Das deutsche Gesundheitssystem beeindruckt Firmine tief, etwa beim Besuch der Lahrer Kinderklinik. Da sehe es in ihrem "Centre Vinidogan" mit teuer zu bezahlender medizinischer Betreuung leider noch ganz anders aus. Ein Treffen mit dem Ernährungsberater Franz Boomers hatte zum Thema, wie man eklatante Ernährungs- und Mangelerscheinungen bei Säuglingen und älteren Kindern bekämpfen kann.

Und was ist der erste Eindrücke des Gastes aus Benin von Deutschland? "Anfangs war es sehr kalt." Das hat sich mittlerweile geändert. Auch die Berge beeindruckten die Afrikanerin, die ihr Heimatland bis dato noch nie verlassen hatte. Ein Besuch im Supermarkt ließ sie über den deutschen Überfluss staunen. In den Kindergärten in ihrer Heimat gebe es keine professionelle Betreuung, einfachstes Spielzeug und wenig Möglichkeiten frühkindlicher Betreuung. Stets lustig und für die Kinder gut gelaunt zu sein, sei angesichts großer materieller Nöte keine Selbstverständlichkeit.

Schon 2010 haben sich die Frauen des Kinderzentrums mit Kippenheimer Unterstützung ein anderes, einfaches Gebäude gesucht, sind dort weiterhin ehrenamtlich tätig, samt eigener offizieller Vereinsgründung im Jahr 2014 als "Vinidogan". Von Angehörigen der Kinder ist zumeist kein Geld zu erwarten, nur in einzelnen Fällen werden Kosten für das Aufpäppeln der Kinder bis zur Arbeitssuche erstattet. Deshalb sind die Frauen und Kinder dankbar für die Hilfe aus Deutschland. Mit einer monatlichen Unterstützung für Nahrungsmittel und Medikamente hilft der Verein "Chance für Benin" seit nunmehr zehn Jahren, vermittelt auch persönliche Patenschaften. Derzeit werden 35 Kinder per Patenschaften in der Regel mit 30 Euro pro Monat unterstützt.

Das zehnjährige Vereinsbestehen wird morgen, Samstag, ab 18 Uhr im Vereinsheim der Kippenheimer Siedlergemeinschaft (Hanfrözi) gefeiert. Schirmherr ist Bürgermeister Matthias Gutbrod. Er darf mit Josseline da Silva Gbony die beninische Botschafterin für Deutschland in Kippenheim begrüßen. Nach Vorbuchung gibt es anschließend ein afrikanisches "Benefiz-Buffet".

Weitere Informationen: chance-fuer-benin.de

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