Kippenheim Spuren einer verlorenen Heimat

Für Jürgen Stude symbolisiert dieses Grab den Übergang zum Nationalsozialismus: Während der 1929 verstorbene Isaak Greilsheimer noch eine Grabinschrift bekam, wurde sie seiner 1940 verstorbenen Frau Sarah verwehrt: Nach der Reichspogromnacht traute sich kein Steinmetz mehr für Juden zu arbeiten. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Der Förderverein der ehemaligen Synagoge hält die Erinnerung an die Juden in der Region lebendig. Während im 19. Jahrhundert noch etwa die Hälfte der Schmieheimer Bürger Juden waren, schien ihre Spuren nach dem Zweiten Weltkrieg ausgelöscht.

Kippenheim. Wer auf der Straße zwischen Schmieheim und Wallburg unterwegs ist, dem fällt der Abhang mit den vielen Grabsteinen auf – der jüdische Friedhof von Kippenheim. "Die Friedhöfe sind eines der wenigen Zeugnisse jüdischen Lebens, die das Regime der Nationalsozialisten überstanden haben", weiß Jürgen Stude, der Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge Kippenheim. Dementsprechend wichtig ist die Begräbnisstätte für Juden in aller Welt: "Wenn Nachfahren aus Amerika, Israel, dem Elsass oder andernorts hierher kommen, wollen sie auf den Friedhof", erklärt Stude. Der "gute Ort", wie er im Jiddischen auch bezeichnet wird, ist für sie eine Art Heimat, die sie mit ihren Vorfahren verbindet.

1682 wurde der Friedhof in Schmieheim gegründet, als Verbandsfriedhof für die Gemeinden Ettenheim, Rust, Nonnenweier, Altdorf, Orschweier, Kippenheim, Friesenheim und später auch Lahr. Seine mehr als 2500 Grabsteine lassen politische Ereignisse greifbar werden, etwa als die Juden 1809 in Baden zur Annahme fester Familiennamen verpflichtet wurden. Ab diesem Zeitpunkt finden sich dort Namen wie Wertheimer, Schwab oder Haberer, die auf die Herkunft oder den Beruf abzielten.

Der Friedhof war Ziel der Nationalsozialisten beim sogenannten Novemberpogrom 1938. Sie warfen Grabsteine um und setzten die Leichenhalle in Brand. Auch verwüsteten die Nazis an diesem Tag das Innere der 1852 geweihten Synagoge in Kippenheim. Vor dem Abriss wurde diese nur bewahrt, weil sie noch als Lager dienen sollte. 1987 veranlasste die Gemeinde Kippenheim die Rekonstruktion der Außenfassade.

Dass die Synagoge wieder zugänglich ist, ist dem 1996 gegründeten Förderverein zu verdanken: Er ließ 2002 bis 2003 die Innenfassade renovieren, ohne zu verbergen, wo es Beschädigungen gegeben hatte. So will er an das Schicksal der Juden erinnern, damit kommende Generationen daraus lernen. Zugleich soll die Synagoge ein Ort der Begegnung sein – wofür der Förderverein mit seinen Veranstaltungen sorgt.

Der Förderverein der ehemaligen Synagoge Kippenheim hat sein Frühjahrs- und Sommerprogramm zusammengestellt. Es ist im Internet abrufbar unter www.ehemalige-synagoge-kippenheim.de. Unter anderem ist Folgendes geplant: Exkursion nach Straßburg : Sonntag, 5. Mai, von 10 bis 16 Uhr. Anmeldung bei Jürgen Stude, Telefon 07807/­9 57 12 Konzert "Of Cabbages and Kings": Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr, ehemalige Synagoge Kippenheim. Führung über den ehemaligen Schmieheimer Judenfriedhof: Dienstag, 6. Juni, 18 Uhr, Treffpunkt am Judenfriedhof.

Konzert mit "Adafina": Mittwoch, 19. Juni, 19 Uhr, ehemalige Synagoge Kippenheim.

Zudem bietet der Verein Führungen für Gruppen wie Schulklassen, Jugendgruppen, Heimatvereine, kirchliche Gruppen oder Sportgruppen an. Der Unkostenbeitrag beträgt pro Führung bei Schulklassen/Jugendgruppe 1,50 Euro und bei Erwachsenengruppen 2,50 Euro pro Person pro Führungseinheit. Ermäßigung bei mehreren Führungen möglich. Folgende Themen werden angeboten: Die ehemalige Synagoge Kippenheim: Dauer von 60 Minuten. Auf den Spuren jüdischen Lebens in Kippenheim: In Verbindung mit einer Führung durch die ehemalige Synagoge, Dauer von 30 Minuten.  Verbandsfriedhof Schmieheim: Bei diesem Rundgang geht es um jüdische Begräbniskultur, die Symbolik auf den Grabsteinen und das Landjudentum, Dauer von 60 bis 90 Minuten.  Auf den Spuren jüdischen Lebens in Schmieheim: Der Rundgang führt unter anderem vorbei an der ehemaligen Synagoge, dem Rabbinatshaus und der Mikwe (Ritualbad) sowie auf Wunsch am jüdischen Verbandsfriedhof, Dauer von 60 bis 90 Minuten. Die Führungen sind buchbar bei Jürgen Stude unter Telefon 07807/9 57 12 oder per E-Mail an juergen.stude@t-online.de. Bei ihm gibt es auch mehr Infos zu den Angeboten des Fördervereins.