Kippenheim Rezept für ein langes Leben: "Immer viel arbeiten"

Margareta Wagner wird am heutigen Mittwoch 95 Jahre alt. Foto: Bär Foto: Lahrer Zeitung

Kippenheim (ir). Jeder Morgen beginnt für sie mit einem Gebet. "Um halb neun wird der Rosenkranz gebetet", sagt Margareta Wagner. Am heutigen Mittwoch wird die gläubige Christin 95 Jahre alt. Geistig ist die Jubilarin immer noch sehr rege, mit der Gesundheit ist sie "zufrieden".

 

Zur Welt kam sie am 15. August 1923. Ihre Eltern hatten eine Landwirtschaft, im Haus Bolich, wie ihr Geburtsname lautet, waren zehn Kinder. Aufgewachsen ist sie im Dorf Graf im Marienthal im heutigen Russland – in der ehemaligen Wolgarepublik waren Deutsche seit mehr als 250 Jahren ansässig. Lange sollte die Republik aber nicht mehr bestehen bleiben.

Zunächst wurde der Hof 1930 der Kolchose angegliedert, 1941 wurde sie mit ihrer Familie nach Sibirien zwangsumgesiedelt. Als der Krieg angefangen hat, "da war meine Jugend weg", wie Margareta Wagner sagt. Die Familie wurde auseinandergerissen, ein Wiedersehen mit dem ältesten Bruder gab es erst 15 Jahre später.

1941 werden sie und ihre Familie nach Sibirien zwangsumgesiedelt

Sie selbst wurde im Alter von 19 Jahren in die Arbeitsarmee eingezogen, das junge Mädchen musste unter schwersten Bedingungen harte Männerarbeit verrichten. Erst im Herbst 1948 konnte sie zu ihrer Familie zurückkehren. Danach hat sie als Köchin und in einer Strickerei gearbeitet. Ihren Mann Gottfried kannte sie aus dem Dorf, man sei in Sibiren Nachbarn gewesen. Als Eheleute wurden die beiden 1948 registriert.

Leicht haben sie es nicht gehabt. Deutsch zu sprechen war verboten und Deutschstämmige hatten es schwer, Arbeit zu finden. Trotzdem haben es die zwei zu einem eigenen Haus mit Garten gebracht, in dem sie ihre drei Kinder groß ziehen konnten. Wirtschaftlich sei es ihnen gut gegangen. Das sei auch nicht der Grund gewesen, warum die Familie Anfang der 1990er-Jahre nach Deutschland umsiedelte.

Allgemein sei die Feindlichkeit gegenüber den Deutschen sehr groß gewesen, wie Margareta Wagner erzählt. Sie haben sich nicht mehr sicher gefühlt. Im Februar 1992 kamen sie nach Deutschland, am 14. März desselben Jahres nach Kippenheim. Dort hat sich die Jubilarin gleich im Altenwerk engagiert, ihr Ehemann sang anfangs noch im Kirchenchor. Er erlitt 1996 einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr so richtig erholte. Neun Jahre lang hat ihn seine Frau gepflegt, 2006 starb der Ehemann.

Das, was sie in früher Jugend und später durchgemacht hat, hat sie geprägt. Ein besonderes Erlebnis kann sie nicht nennen, es seien viele gewesen. Darunter sind auch manche, wegen denen sie nachts nicht schlafen könne. Mehr will die Seniorin nicht dazu sagen.

Was ihr in all den schweren Zeiten Kraft gegeben hat? Sie sei körperlich stark und robust gewesen; "Die Arbeit hat mich abgehärtet." Außerdem half ihr der tiefe Glaube an Gott, die schwierigen Zeiten zu bestehen. "Sie betet für uns alle", sagt die Tochter Elvira, die jeden Tag die Mutter in der Seniorenwohnanlage besucht, wo sie seit einigen Jahren lebt.

Als Rezept für ein langes Leben nennt sie "immer viel arbeiten". Früher hat Margareta Wagner viel gelesen, sie hatte viele Bücher. Das ist nur noch sehr eingeschränkt möglich, weil die Augen stark nachgelassen haben, auch ein Hörgerät trägt sie. Körperlich sei sie schon eingeschränkt, aber sie sei mit der Gesundheit "zufrieden".

Viel Freude hat die Jubilarin mit ihren fünf Enkeln und elf Urenkeln, stolz ist sie auch darauf, dass sie schon zweifache Ururoma ist. Was sie den nachfolgenden Generationen mit auf den Weg geben will? "Ehrlich und friedlich mit den Menschen umgehen und an Gott glauben."

  • Bewertung
    0