Kippenheim Gemeinde dankt Henriette Gilbert

Kippenheim. Pfarrerin Henriette Gilbert hört auf. Mit einem Gottesdienst in der Friedenskirche ist die Kippenheimer Geistliche am Samstag verabschiedet worden. Die 56-Jährige wechselt nach sieben Jahren Dienst zum Epilepsiezentrum Kehl-Kork. Der Mensch stehe bei ihr als warmherzige Seelsorgerin im Mittelpunkt, engagiert, kreativ und mit begeisternden Ideen habe sie ihre Aufgabe in Kippenheim wahrgenommen: So hieß es im Tenor verschiedener Reden bei der Verabschiedung der gebürtige Karlsruherin.

Sie wolle sich in den letzten zehn Jahren ihres Berufslebens noch einmal einer neuen Herausforderung stellen, hatte Gilbert ihren Wechsel im Vorfeld begründet. In Kork könne sie beide Berufe vereinen, denn die Pfarrerin ist auch gelernte Krankenschwester. In die Ortenau kam sie nach 16 Jahren Dienst in Wertheim. In Kippenheim hatte sie eine 75-Prozent-Stelle als Pfarrerin inne, die restlichen 25 Prozent entfielen auf den seelsorgerischen Dienst im Lahrer Ortenau-Klinikum; ein Jahr lang war sie auch auf der Landesgartenschau tätig.

Ihre Arbeit verglich Gilbert mit einer Szene aus der Bibel. Demnach gab es nur fünf Gerstenbrote und zwei Fische für 5000 Männer plus Frauen und Kinder, die Jesus auf einen Berg gefolgt waren. Aus der kärglichen Ration wurde unter Jesus’ Händen eine wahre Massenspeisung. Diese wundersame Brotvermehrung übertrug sie auf die Seelsorge. "Es gilt nicht zu zählen, sondern auszuteilen", sagte sie in ihrer Abschiedspredigt, aus einem Korn seien viele geworden. Und: "Wir leben in einer Zeit, in der wir viele mutige Entscheidungen wagen und teilen müssen". Es sei vieles noch unvollendet geblieben, wie Gilbert zu Beginn des Gottesdienstes anmerkte.

Zollstock als Symbol für Maß und Regeln

Erreicht habe sie mit der kirchlichen Gemeinde, im ökumenischen Leben mit der katholischen Schwestergemeinde und dem Südbezirk der evangelischen Pfarrer aber viel, so der Tenor der anderen Reden. Dekan Rainer Becker zückte wie bei Gilberts Einführung 2013 einen Zollstock und bog ihn auf verschiedene Weise. Sie sei Jesus nachgefolgt (Stern), sie habe die Liebe Gottes auf viele Weise verkündet und habe Gespür was die Menschen an geistlichen Impulsen brauchen (Kreuz), sie habe den Südbezirk gestärkt (Becker versucht mit dem Zollstock einen Kreis zu formen), und generell sei sie hier in Kippenheim am rechten Fleck gesessen. Den zusammengefalteten Maßstab verband Becker mit Maß und Regeln – "und mit den Regeln bist du kreativ umgegangen", sagte er augenzwinkernd.

Bürgermeister Matthias Gutbrod erinnerte an die vielen Begegnungen mit Gilbert und ihr generelles Interesse für Menschen. "Mutig etwas wagend und immer neue Wege gehend", so habe Gutbrod sie kennengelernt. Der katholische Pfarrer Matthias Ibach dankte ihr in Bezug auf ein vielfältiges ökumenisches Leben "und viele andere tolle Dinge" in Kippenheim. Der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Hans Schillinger bedauerte Gilbert Weggang: "Wir werden dich vermissen".

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