Kippenheim Fechner als Vermittler bei der Bahn

Treffpunkt B 3: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner (mit roter Krawatte) konnte sich am Mittwochnachmittag hautnah ein Bild von den Belastungen machen, mit denen die Kippenheimer jeden Tag zu leben haben. Foto: Bender

Kippenheim - Die B 3-Umfahrung ist so nah wie nie. Bis die Bagger tatsächlich rollen, gibt es aber freilich noch einige Hürden zu überwinden. Eine davon: die Bahn. Dort bauen die Kippenheimer auf den SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner als Vermittler.

Nachbar Mahlberg als Vorbild 

Nein, die Kippenheimer hätten sicher nichts dagegen, wenn es bei ihnen ähnlich läuft wie bei den Nachbarn in Mahlberg. Dort hatte sich Johannes Fechner vergangenen Monat über den zehn Jahre währenden Kampf der Stadt für einen besseren Lärmschutz entlang der Gleise informiert und im Anschluss einen Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geschrieben. Das freudige Ergebnis zwei Wochen später: Die sich zuvor lange windende Bahn sagte zu, Wände an die Schienen zu bauen, die die Anwohner vom Krach der Züge abschirmen soll. Vielleicht schon im Jahr 2023.

Am Mittwochnachmittag war Fechner nun in Kippenheim zu Gast. Auch dort wird gekämpft, sogar noch viel ausdauernder als in Mahlberg. Der Ruf nach einer Entlastung vom B 3-Verkehr hallt seit Jahrzehnten durch den Ort. Wie sehr die Menschen entlang der Ortsdurchfahrt leiden, erfuhr Fechner haut-, oder besser: ohrennah. Mit Bürgermeister Matthias Gutbrod, Matthias Stulz als Vorsitzender der BI B 3 und den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats hatte er sich im Rathaushof getroffen, direkt an der Bundesstraße gelegen.

Mehr Überzeugungsarbeit nicht mehr gebraucht 

Die ein oder andere Höflichkeit zur Begrüßung ging im Lärm der vorbeirollenden Autos und Lastwagen unter. Kippenheimer Kalkül könnte man meinen. Indes, Fechner machte, als man sich in den (etwas) ruhigeren Sitzungssaal im Rathaus-Inneren zurückgezogen hatte, klar, dass es Überzeugungsarbeit nicht mehr braucht: "20 000 Fahrzeuge täglich sind definitiv zu viel. Es muss eine Lösung her."

Die Ausgangslage in Kippenheim ist freilich eine andere als vor Wochen in Mahlberg Mahlberg. Die Zeichen stehen mittlerweile auf Erlösung. Die Kreisräte haben vergangene Woche einen Millionenbetrag für tiefergehende Planungen und den nötigen Grunderwerb für eine B 3-Umfahrung zwischen Ringsheim und Lahr freigegeben (wir berichteten). Rathauschef Gutbrod hofft nun, dass im Herbst eine Entscheidung für eine sogenannte Vorzugsvariante fällt. Das wäre "ein weiterer wichtiger Schritt für die Region".

Dass diese mittlerweile zusammensteht, wusste BI-Chef Stulz mit Zahlen zu belegen, die Fechner sichtbar beeindruckten: "Wir haben vor einer Woche die 1000-Mitglieder-Marke geknackt. Darunter sind auch einige Langenwinkeler." Vor wenigen Wochen kaum denkbar. Denn die ursprüngliche Planung der Verkehrsexperten im Landratsamt sah vor, die B 3-Umfahrung nahe an Kippenheimweiler vorbeizuführen und am südlichen Ortseingang von Langenwinkel anzuschließen. Das sorgte für Gegenwehr in den Lahrer Stadtteilen, die sich vor mehr Lärm und Autos fürchteten. Die Lösung wurde gemeinsam von den Rathausspitzen in Lahr und Kippenheim ausgetüftelt: eine Trassenführung deutlich weiter entfernt von Kippenheimweiler und an Langenwinkel vorbei Richtung Autobahnzubringer, parallel und nah der Bahngleise.

Mahnung: "Alle an einem Strang ziehen"

Genau da hofft man in Kippenheim auf die Vermittlungskünste Fechners, wie Carola Richter (CDU), Irene Preschle (SPD) und Dieter Kirschbaum (FW) unisono betonten. Letzterer machte deutlich: "Wenn die Bahn wegen des Rheintalbahn-Ausbaus ihr Veto einlegt, wird es sehr schwierig." Der Bundestagsabgeordnete zeigte sich zuversichtlich: "Ich verspreche Ihnen, zu tun, was ich kann." Die Bahn, so Fechner, sei "nach dem Stuttgart-21-Desaster mittlerweile deutlich gesprächs- und kompromissbereiter."

Das mahnte Fechner – bei allem Verständnis für den Wunsch nach Entlastung – auch bei den Kippenheimern an: "Sie haben deutlich bessere Chancen auf Umsetzung, wenn alle an einem Strang ziehen." Wenn eine Lösung bis Langenwinkel gefunden sei, müsse man – weiter nördlich – auch an den Lahrer Westen und den Stadtteil Hugsweier denken: "Dort will man dann nicht den Verkehr Richtung Friesenheim und Offenburg abbekommen."

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