Kippenheim "Enkeltrick": Ehepaar um 30 000 Euro betrogen

Bei Anruf Betrug: Zwei Frauen haben ein Kippenheimer Paar um mehr als 30 000 Euro erleichtert. Foto: Symbolbild: Strobel

Kippenheim - Ein vermeintlicher Anruf ihrer Tochter ist ein Kippenheimer Ehepaar teuer zu stehen gekommen: Mit dem sogenannten Enkeltrick ergaunerten Betrüger mehr als 30 000 Euro von den Senioren. Es ist ein besonders dreister Fall einer bekannten Masche.

 

Kurz vor der Mittagszeit läutet am Mittwoch das Telefon bei den Kippenheimer Eheleuten. Am Apparat: angeblich ihre Tochter. Die Frau in der Leitung erklärt, dringend Geld für einen Wohnungskauf zu benötigen. Sogleich wird ein Übergabetermin vereinbart. Eine befreundete Notarin soll vorbeikommen. Und tatsächlich klingelt gegen 13 Uhr eine Frau an der Haustür. Das Ehepaar händigt ihr einen Umschlag mit Bargeld aus. Offensichtlich nicht genug. Es folgen weitere Telefonate und gegen 19 Uhr noch ein Treffen, bei dem ein zweites Mal Geld übergeben wird. Zusammengerechnet mehr als 30 000 Euro erhält die Unbekannte.

Erst Stunden später beschleicht das ältere Ehepaar ein ungutes Gefühl und es wendet sich kurz nach Mitternacht an die Polizei. Die weiß rasch, was die Stunde geschlagen hatte. Das Immobiliengeschäft gab es nie, der Anruf kam nicht von der Tochter, sondern von einer Komplizin der falschen Notarin.

"In letzter Zeit melden sich bei uns immer mehr meist ältere Bürger, die von angeblichen Verwandten oder Polizisten kontaktiert werden", berichtet Polizeisprecher Wolfgang Kramer am Donnerstag auf Nachfrage der Lahrer Zeitung. Das Ziel der Betrüger: die Ersparnisse der Angerufenen.

Die Erfolgsquote der Ganoven sei kaum zu taxieren, erklärt Kramer: "Wir gehen von einer beachtlichen Dunkelziffer aus. Das Kippenheimer Paar hat sich bei der Polizei gemeldet, das tun nicht alle Geschädigten." Viele reagieren laut Kramer mit Misstrauen und tun das einzig Richtige: gleich wieder den Hörer auflegen. Immer wieder kommen die Betrüger mit ihrer Masche aber auch durch. In Offenburg ließ sich vor einigen Tagen ein älterer Herr vom Anruf einer angeblichen Cousine blenden und ist nun um mehrere Tausend Euro ärmer.

Auch ob hinter der zunehmenden Zahl von Trick-Anrufen dieselben Täter stecken, sei schwierig zu sagen, erklärt Kramer. Oft hätten die Betrügereien ihren Ursprung im Ausland, "da kommen wir kaum dran". Sicher sei aber, dass der Kippenheimer Fall ein besonderer war.

Zum einen war die erbeutete Summe "alles andere als ein Pappenstiel" (Kramer), zum anderen meldete sich die Anruferin mit dem richtigen Vornamen der echten Tochter – und machte ihr Anliegen so glaubhaft. Normalerweise blieben die Täter oft vage, erklärt Kramer. Mit gezielten Nachfragen ("Weißt du nicht, wer dran ist?" oder "Rate, wer anruft!") würde versucht, die Opfer aus der Reserve zu locken. In Kippenheim gingen die Betrüger offensichtlich in die Offensive.

Keine Spur von Tätern und Beute

Haben sie sich vor dem Anruf also über das Paar kundig gemacht? Kramer: "Das ist Gegenstand der Ermittlungen der Kripo, aber es wäre definitiv ein großer Zufall, wenn sie den richtigen Namen erraten hätten."

Die falsche Notarin beschreiben die Geschädigten wie folgt: 40 bis 45 Jahre, 1,60 Meter groß, korpulent, schulterlanges, blondes Haar, bekleidet mit beigem Rock und Sandalen. Von ihr und der Beute fehlen jede Spur. Möglicherweise, so die Polizei, hat sie sich ein Taxi zum Haus der Betrogenen bestellt. Wem im Süden Kippenheims, westlich der B 3, eine verdächtige Frau oder kurz nach 14 Uhr ein Taxi aufgefallen ist, wird gebeten, sich unter Telefon 0781/­21 28 20 zu melden.

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