Kippenheim Ein Blitzer ist nun doch genug

Im Jahr 2015 nahmen Bürgermeister Matthias Gutbrod (links) und Hauptamtsleiter Rainer Walter den Blitzer an der südlichen Ortseinfahrt offiziell in Betrieb. Einen weiteren wird es in Kippenheim nicht geben. Foto: Archiv: Bender

Kippenheim - Der Kippenheimer Gemeinderat hat sich am Montagabend mit großer Mehrheit gegen die Anschaffung einer weiteren Messsäule ausgesprochen. Eine Kehrtwende, die vor allem einem übel aufstieß.

 

Als Matthias Stulz im Verlauf der Debatte merkte, in welche Richtung es ging, haute er buchstäblich auf den Tisch: "Ich bin enttäuscht und schockiert." Für ihn war "das Thema bereits ausdiskutiert", der Kauf eines Blitzers "längst ausgemachte Sache, jetzt wird alles wieder in Frage gestellt".

Tatsächlich hatten Stulz und seine Ratskollegen im Februar per klaren Votum (14:1-Stimmen) 35 000 Euro im Haushalt bereit gestellt, um auf eigene Kosten Jagd auf Raser zu machen. Die Frage vor vier Monaten schien nur noch: Kommt das Gerät an die nördliche B 3 oder in die Schmieheimer Straße? Wie berichtet, hatte sich die Verwaltung in der Beschlussvorlage für den Standort in der Ortsmitte ausgesprochen. Dort sei die Situation aufgrund der Engstellen deutlich brisanter als an der breiten Bundesstraße, wo sich überdies gezeigt hätte, dass die Autofahrer mittlerweile von selbst den Fuß vom Gas nehmen.

Doch am Montag sah sich Stulz als bekennender Verfechter einer Kontrollstelle in der Schmieheimer Straße ("Dort wird immer noch gerast") plötzlich mit Stimmen konfrontiert, die so gar nicht klangen, als wäre die Entscheidung pro Blitzer bereits gefallen. So erklärte Julian Siefert: "Wir haben lediglich gesagt, dass wir uns das Ganze genauer anschauen." Das Ergebnis: Markus Studer konnte sich nicht für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort auf Höhe des Anwesens Nummer 23 erwärmen: "Ich sähe die Anlage eher direkt am Ortseingang, am Beginn des 30er-Bereichs." Dieter Kirschbaum bezweifelte, dass die Probleme in der Schmieheimer Straße mit einem Blitzer zu lösen seien: "Langfristig müssen wir die Verkehrsführung ändern, dafür müssen wir zusehen, an Grundstücke ranzukommen." Günter Ackermann sah indes "eine Geschwindigkeitsanzeige an dieser Stelle als ausreichend" an, jedenfalls stünden für ihn "Aufwand und Nutzen bei einem Blitzer in keinem Verhältnis".

Ein Argument, das viele teilten, wie bei den weiteren Wortmeldungen herauszuhören war. Vor allem die Tatsache, dass die Einnahmen durch die Bußgelder komplett in den Lahrer Stadtsäckel fließen würden, stieß den Räten übel auf. Otto Hebding fasste es wie folgt zusammen: "Kippenheim investiert, Lahr kassiert." Schmieheims Ortsvorsteher Michael Hartmann erklärte, "mit vielen Leuten gesprochen zu haben, die allesamt der Meinung sind, dass das Geld besser angelegt werden kann". Dass es jedoch Drohungen vonseiten der Bürger gegeben habe, "unter denen jetzt einige einknicken" (Stulz), dem wurde vehement widersprochen.

Am Ende des "Blitzer-Marathons" stand Stulz allein auf weiter Flur. Bürgermeister Matthias Gutbrod hatte zwar versucht, das Thema zumindest am Leben zu halten ("Wir können noch einmal einen anderen Standort prüfen"). Doch hatt er auch betont, "dass wir das Thema auf Wunsch des Gemeinderats bearbeitet haben", das Herzblut des Rathauschefs, das wurde deutlich, hängt nicht an der Radaranlage: "Die Polizei kontrolliert an der Stelle ohnehin fünf, sechs Mal im Jahr, so viel wie in keiner anderen Straße."

Unterm Strich stand ein 12:1 gegen die Messsäule.

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