Kippenheim "Das Angebot ist lächerlich"

Die Beschäftigten zeigten demonstrativ den Wecker für ihre Forderung nach Arbeitszeitverkürzungen. Foto: Bieber

Kippenheim - Erneut ist es im Kreis zu Warnstreiks bei großen Betrieben gekommen. Dieses Mal beim Automobildienstleister Mosolf in Kippenheim.

 

Mehr als 30 Beschäftigte haben am Freitagnachmittag friedlich vor den Werkstoren des Automobildienstleisters ACM-Mosolf in Kippenheim gestreikt. Die IG Metall Offenburg hatte dazu aufgerufen, um ihren Forderungen nach mehr Lohn und einer individuellen Arbeitszeitreduzierung mehr Gehör zu verschaffen.

Die Gewerkschaft fordert konkret sechs Prozent mehr Lohn für zwölf Monate sowie eine Arbeitszeitreduzierung auf 28 Stunden pro Woche für maximal zwei Jahre. Der Arbeitgeberverband hält dies für "maßlos übertrieben". Martin Wessel ist kaufmännischer Leiter bei ACM-Mosolf. Er sieht die Warnstreiks als "normales Prozedere" an. "Es ergibt sich sicherlich eine Einigung", fährt er fort. Grundsätzlich schließe sich die Firma der Meinung des Arbeitgeberverbands an, der sie auch vertritt.

Kein Verständnis für Angebot der Arbeitgeber

Mit Plakaten, Bannern und Fahnen und natürlich jeder Menge Trillerpfeifen ausgerüstet pfiffen die Metaller die vorgelesenen Angebote der Arbeitgeberseite aus (zwei Prozent mehr Lohn für 15 Monate und eine Einmalzahlung von 200 Euro, keine Arbeitszeitverkürzungen). "Das ist viel zu wenig Geld, das die Arbeitgeber uns zugestehen wollen", sagt der langjährige Mosolf-Mitarbeiter Ferdinand Bürkle auf Nachfrage. Der Mittfünfziger sehe so wie seine Gewerkschaft nicht ein, bei den Forderungen nachzugeben. "Wir haben hier einen Knochen-Job. Das sollte respektiert werden", sagt der sichtlich aufgebrachte Bürkle.

Viele Beschäftigte haben nach Angaben der IG Metall ihre Arbeit gestern früher niedergelegt als üblich. So auch Privat Richard. Er ist wie Bürkle seit Jahrzehnten bei der Firma tätig und bringt auf den Punkt, was nicht nur viele Metaller an diesem Freitagnachmittag in Kippenheim verspüren: "Das Angebot ist nichts. Die zwei Prozent sind lächerlich für das, was wir leisten." Die IG Metall argumentiert damit, dass seit Jahren viele Firmen Gewinne und Dividenden einfahren, die Arbeitnehmer davon aber nichts mitbekommen und abbekommen. "Fette Gewinne einheimsen, aber nicht teilen wollen. So ticken viele Arbeitgeber", sagt Lea Marquardt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Offenburg. Daher müsse es unbedingt Lohnsteigerungen geben.

Für den 24. Januar ist geplant, dass Arbeitgeber und IG Metall erneut miteinander verhandeln. "Wenn es nicht zu einem verbesserten Angebot kommt, gibt es richtig Theater", sagt Marquardt. Sie weiß die vielen Metaller in der Ortenau hinter sich. "Die Region ist sehr streikwillig." Insgesamt sollen laut IG Metall bereits 65 000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindus­trie landesweit an den Warnstreiks teilgenommen haben.

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