Kippenheim Brücke bleibt einziger Wermutstropfen

Die Brücke über den Bahnschienen wird erst im Zuge des Rheintalbahn-Ausbaus neu errichtet. Foto: Decoux-Kone

Kippenheim  -Der Gemeinderat Kippenheim hat dem Bau des Kreisverkehrs zwischen der K 5342 und dem Gewerbegebiet sowie dem Neubau eines Rad- und Gehwegs nach Kippenheimweiler zugestimmt. Einziger Wermutstropfen: die Eisenbahnbrücke.

Bereits seit vielen Jahren hat Kippenheim den Wunsch nach dem Kreisverkehr sowie der Verlängerung des Radwegs nach Kippenheimweiler. Nun ist die Erfüllung in greifbare Nähe gerückt – zur großen Freude der Gemeinde, wie Bürgermeister Matthias Gutbrod in der Ratssitzung am Montag betonnte. Katharina Ernst und Roland Gäßler vom Straßenbauamt des Ortenaukreises stellten die Pläne vor.

Aufgrund des Artenschutzes will das Landratsamt den Rad- und Gehweg auf der westlichen Seite der K 5342 vorbeiführen. Denn während sich östlich Offenlandbiotope und ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet befinden, gibt es auf der westlichen Seite bereits asphaltierte Rad- und Gehwegabschnitte, die in die Planung miteinbezogen werden.

Der Weg wird daher im ersten Bauabschnitt auf 420 Metern Länge von Kippenheim bis zum Kreuzungsbereich der K 5342 führen, wo der Kreisverkehr entstehen wird. Dieser wird, entgegen der ursprünglichen Planung, nur teilbegrünt sein, da Fahrzeuge mit Überlänge eine sogenannte Schleppkurve über die Verkehrsinsel benötigen.

Anschluss an bestehenden Radweg

Im zweiten Bauabschnitt soll der bereits vorhandene asphaltierte Wegabschnitt von etwa 250 Metern Länge bis zur westlichen Einmündung der Bahnhofstraße (Tri AG) an den Kreisverkehr angeschlossen werden. Dann wird der Rad- und Gehweg auf etwa 280 Metern Länge vor und 110 Metern nach der Bahnbrücke neu gebaut. Auf der Bahnbrücke wird er etwa 70 Meter entlangführen.

Da die Brücke im Zuge des Rheintalbahn-Ausbaus in 16 bis 20 Jahren abgerissen und weiter nördlich neu gebaut werden soll, wäre es "nicht verhältnismäßig" so Gäßler, diese im Zuge des Radwegeneubaus abzureißen und neu zu bauen.

Sie so zu verbreitern, dass aus dem momentanen Gehweg auf der Brücke ein Radweg wird, sei aber ebenfalls nicht möglich. Allerdings sollen die Schutzeinrichtungen wie Geländer und Leitplanke verbessert und leicht versetzt werden, sodass insgesamt ein Gehweg von 1,5 Metern Breite entsteht.

Dass der Radweg über die Brücke unterbrochen wird, war der größte Kritikpunkt der Räte: So hielten es Günter Ackermann und Dieter Kirschbaum etwa für unwahrscheinlich, dass die Radfahrer absteigen und schieben würden, wie es dann vorgeschrieben sei.

Carola Richter und Julian Siefert betonten, dass der Kreisverkehr und die damit verbundene Entschleunigung eine gute Sache für die Gemeinde seien. Man hoffe deshalb, dass das Brücken-Provisorium funktionieren werde. Siefert verwies zudem darauf, dass man die Bahn auch einen Kilometer weiter nördlich auf der Fahrradbrücke queren könnte.

Sorgen um Finanzierung

Ebenfalls für Sorgen sorgte die Finanzierung: Insgesamt belaufen sich die Kosten für den Rad- und Gehweg auf gut 1,4 Millionen, die für den Kreisverkehr auf gut 663. 000 Euro. Von diesen knapp zwei Millionen trägt das Land mehr als 50 Prozent, nämlich knapp 1,1 Millionen, der Kreis gut 450. 000 Euro und die Gemeinde einen Anteil von knapp 435. 000 Euro.

Während das Geld vom Land bereits zugesagt wurde, muss der Kreis die Mittel dafür aber erst noch in den kommenden Haushalt einstellen. Gutbrod beruhigte jedoch, dass er trotz Corona dafür gute Chancen sehe: Schließlich müsste der Kreis weniger als ein Viertel der Maßnahmen finanzieren, würde aber damit die Wirtschaft der Region ankurbeln.

Ein letzter kniffeliger Punkt sind die Bäume: Für den Radweg müssten viele von ihnen entlang der Kreisstraße weichen. Um das zu verhindern, hat Katharina Ernst den Radweg so geplant, dass er größtenteils nicht direkt neben der Straße, sondern hinter den Bäumen entlanggeführt.

Dafür müsste man aber noch Grundstücke erwerben, die sich bislang in privater Hand befinden. Des Weiteren muss beim Bau natur- und artenschutzrechtlichen Maßnahmen Rechnung getragen werden und etwa auf Mauer- und Zauneidechsen sowie auf den Vogel Bluthänfling Rücksicht genommen werden.

Der Zeitplan

 bis Februar 2021: Rodung von Böschungen und Errichtung der Reptilienschutzzäune  

Februar bis Juli 2021: Umsetzung von Vemeidungsmaßnahmen (Artenschutz)  

ab März 2021: erster Bauabschnitt Rad- und Gehweg ab Kippenheim bis einschließlich Kreisverkehr

 ab Juli 2021: zweiter Bauabschnitt: Rad- und Gehweg ab Einmündung Bahnhofstraße (Tri AG)

 Herbst 2021: Bepflanzung der Ausgleichsflächen

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