Kippenheim Bei Mosolf geht’s langsam aufwärts

Kippenheim - Die Corona-Krise hat auch den Fahrzeug-Logistiker Mosolf arg gebeutelt. Zwischenzeitlich war der Umschlag am Kippenheimer Standort fast bei Null, berichtet die Geschäftsführung. Seit einigen Wochen gehe es nun aber wieder aufwärts.

Deutlich weniger Transporte zu den Kunden 

Nein, der Eindruck habe nicht getäuscht – in den vergangenen Wochen seien tatsächlich deutlich weniger türkis-rote Lastwagen mit dem Mosolf-Schriftzug über die Straßen der Region gerollt, bestätigt Niederlassungsleiter Meinrad Rein im Gespräch mit der LZ. "Nachdem die Automobilhersteller ihre Werke geschlossen hatten, kam bei uns so gut wie nichts mehr an und ging entsprechend weniger raus."

Das gigantische Betriebsgelände des Autospediteurs an der B 3 zwischen Mietersheim und Kippenheim wird mit seinen 940 000 Quadratmetern, auf denen bis zu 32 000 Fahrzeuge aller Art Platz finden, gerne als der größte Parkplatz der Ortenau bezeichnet. Was dem Unternehmen jedoch nicht gerecht wird. Mosolf ist mehr als eine Durchgangsstation, spielt – vom Karosseriebau bis zur Lackiererei – die komplette Kfz-Klaviatur. In letzter Zeit corona-bedingt allerdings viel leiser als üblich.

80 Prozent weniger Aufträge in der Boom-Zeit 

Die Krise hat die Autoindustrie mitten ins Herz getroffen. Im weltweit größten Markt China etwa brach der Absatz im Februar um 80 Prozent ein. Mitte März lagen die Zahlen noch immer um die Hälfte unter denen des Vorjahres. In Deutschland hatten die Autohändler in den vergangenen beiden Monaten 80 Prozent weniger Aufträge als sonst. Das Frühjahr ist normalerweise Boom-Zeit.

Diese Entwicklung hat auch bei den Spediteuren Spuren hinterlässt. Zwei Wochen, sagt der Kippenheimer Mosolf-Chef Rein, sei es "richtig mau" gewesen, mittlerweile sei es besser, aber "immer noch zäh". Die Umschlagskapazität in Kippenheim liegt nach Unternehmensangaben bei 600 000 Fahrzeugen im Jahr. Ein Wert, der selbst in Topjahren schwer zu erreichen, 2020 jedoch an Utopie grenzt. "Normalerweise haben wir einen Eingang von täglich 1000 Fahrzeugen", sagt Rein. Dem nähere man sich langsamen Schrittes wieder an. "Wir liegen aktuell bei 30 bis 40 Prozent, mit Tendenz nach oben", so der Niederlassungschef.

Aufwärtstrend seit Mitte April 

Der Aufwärtstrend habe etwa Mitte April begonnen, also zu dem Zeitpunkt, als dank gelockerter Corona-Regeln die Autohäuser im Land wieder öffnen durften. "Man merkt, dass die Leute wieder Fahrzeuge kaufen und das Geschäft angekurbelt wird." Rein macht darauf aufmerksam, dass nicht nur der Gebaucht- und Neuwagenmarkt eingebrochen sei, sondern auch Mietwagen derzeit kaum nachgefragt würden. Keine Urlaubs-, deutlich weniger Geschäftsreisen: "An den Flughäfen ist nichts mehr los, auch das schlägt sich bei uns nieder."

Angesichts dieser Umstände ist man bei Mosolf von Normalität noch ein gutes Stück entfernt. Knapp 400 Mitarbeiter sind am Standort Kippenheim beschäftigt, davon sind laut Rein aktuell 20 Prozent in Kurzarbeit: "Wir haben viel über den Abbau der Zeitkonten aufgefangen." Wie hoch die Verluste durch die Corona-Krise sind, vermag der Geschäftsführer derzeit "noch nicht zu beziffern".

Die gute Nachricht: Einen Corona-Fall hat es unter der Kippenheimer Belegschaft noch nicht gegeben, sagt Rein. Damit das so bleibt, hat die Mosolf-Gruppe für all ihre Standorte ein betriebliches Maßnahmenkonzept entwickelt.

Am Eingang wird Fieber gemessen

Jeder, der aufs Gelände will, muss per standardisiertem Fragebogen einen Gesundheitscheck absolvieren. Wer durchfällt, dem wird der Einlass verwehrt. Dazu kommt demnächst auch in Kippenheim Infrarot-Fiebermessung. Ziel ist, die einzelnen Standorte zu einem geschlossenen Netzwerk zu machen und so auch das Risiko von Betriebsschließungen zu minimieren. Die Mitarbeiter zeigten "großes Verständnis" für die strengen Vorgaben, berichtet Rein. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, unsere Fahrer sind in ganz Europa unterwegs." Und bald wohl auch wieder mehr in der Region.