Kippenheim Alles ist bereit für die Patienten

Zwischen Spatenstich und Eröffnung liegen gerade einmal zehn Monate: Am Montag werden im Gesundheitszen­trum des Kippenheimer Ärzte-Ehepaars Heinze die ersten Patienten empfangen. Die LZ durfte vorab auf eine Visite vorbeikommen.

Kippenheim. Von nichts weniger als der "Sicherung der Kippenheimer Gesundheitsversorgung für die nächsten Jahrzehnte" sprach Bürgermeister Matthias Gutbrod bei der Vorstellung der Pläne im Juli 2018. Gut anderthalb Jahre später ist aus der Vision des Rathauschefs Realität geworden: In der Bahnhofstraße 25 ist das Gesundheitszentrum, wie es die Verantwortlichen getauft haben, bereit, die großen Erwartungen zu erfüllen. Das Gebäude: Zweieinhalb Stockwerke hoch, 1170 Qua­dratmeter Nutzfläche, komplett barrierefrei. Der Komplex ist ein Hybrid. "Keller und Aufzugschacht wurden aus Stein, der Rest in Holzfertigbauweise errichtet", sagt Bauherrin Fides Heinze. Das Erdgeschoss teilen sich die Krankengymnastikpraxis Physio Plus (bisher Alemannenstraße) und die Karls-Apotheke (noch Allmendstraße). Im ersten Stock sind Arztpraxen, darüber drei Wohnungen, wovon zwei bereits vergeben sind. Die Mieter sollen im April einziehen. Die Physiotherapie startet wie die Ärzte bereits am Montag, die Apotheke soll Mitte März den Betrieb aufnehmen. Das Innere: Der erste Eindruck ist – turbulent. In kaum einem Zimmer sind am Freitagmittag keine Handwerker zu sehen. Fünf Minuten ununterbrochen mit der Bauherrin sprechen? Unmöglich. "Wir sind im Endspurt, jeder will etwas von mir", sagt Fides Heinze und lacht. Die Räume der Ärzte sind schlicht-modern: brauner Holzboden, weiße Wände, schnörkellose Tische und Stühle, viel Licht. "Uns ist es sehr wichtig, dass der Patient im Vordergrund steht, deshalb haben wir auf jeden Schnickschnack verzichtet." Das medizinische Angebot: Umfassend. Neben Fides und Sebastian Heinze nehmen am Montag drei weitere Ärzte ihre Arbeit im Gesundheitszentrum auf: Michael Eitel, der aus Mahlberg kommt, sowie zwei Weiterbildungsassistentinnen (früher Assistenzarzt). Das Repertoire der Praxis für Allgemeinmedizin reicht von der Chirotherapie über Phlebologie bis zur Akupunktur. Acht Arzthelferinnen komplettieren das "Traum-Team" (Fides Heinze). Ihm zur Verfügung stehen acht Sprechzimmer, ein OP, ein Labor, ein EKG- sowie zwei Funktionsräume. Fides Heinze bilanziert: "Wir sind gut aufgestellt." Eine Kinder- und Jugendpsychologin soll das Angebot in Kürze abrunden.

Die Bauherren: Die Gemütslage von Fides und Sebastian Heinze drei Tage vor der Eröffnung? Positiv gestresst. "Die letzten Monate waren anstrengend, haben aber viel Spaß gemacht", sagt Fides Heinze. "Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht." Vier Millionen Euro investiert das Ehepaar, wohlgemerkt: reine Baukosten. Allein im Serverraum "steht noch mal ein Kleinwagen", sagt Fides Heinze. "Wir wollten etwas schaffen, mit dem wir uns die nächsten 30 Jahre wohlfühlen, da haben wir keine halben Sachen gemacht." Dass dies den beiden gelungen ist, davon soll sich die Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür im März überzeugen können.

Die Vorgeschichte: 2009 übernahmen Fides und Sebastian Heinze die Praxis von Fides’ Onkel Peter-Klaus Panzer. Als die 140 Quadratmeter in der Hansjakobstraße 3 – nur einen Steinwurf vom neuen Gesundheitszentrum entfernt – zu klein wurden, dachte das Ärzte-Paar zunächst an eine Erweiterung. Bei mehreren Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung reifte die Idee eines Neubaus auf dem Festhallenvorplatz. Möglich machte das Vorhaben die Entscheidung des Gemeinderats im Mai 2018, das neue Bürgerhaus an den nördlichen Ortseingang zu bauen, gekoppelt an den Beschluss, die Festhalle abzureißen. Seit den ersten konkreten Planungen zum Gesundheitszen­trum sind also gerade einmal ein Jahr und acht Monate vergangen. Dass man den anvisierten Eröffnungstermin um drei Wochen verpasst, kann Fides Heinze verschmerzen, wie sie mit einem Augenzwinkern erklärt: "Angesichts dieses Riesenprojekts sind wir beinahe überpünktlich."

Das Gesundheitszentrum entsteht auf einer Fläche von 1700 Quadratmetern, um das

Gebäude herum gibt es rund 40 Stellplätze. 5500 Quadratmeter freie Fläche kommen in direkter Nachbarschaft hinzu, wenn das neue Bürgerhaus steht und die Bagger über die Festhalle gerollt sind. Was darauf passieren soll, darüber besteht bereits heute im Grunde Einigkeit, wie bei der jüngsten Bürgerversammlung im November klar wurde: Wie Verwaltung und Gemeinderat favorisieren auch die Kippenheimer Wohnbebauung – gleichermaßen für Senioren und Familien.

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