Kenzingen "Zweite Liebe" braucht ihre Zeit

Kenzingen - Mit "Zweite Liebe" betreibt Nina Ehrmann in Kenzingen einen der wenigen Second-Hand-Läden der Region in privater Hand. Leben kann sie davon jedoch allein noch nicht – eines Tages will die 37-Jährige dieses Ziel es aber erreicht haben.

"Nachhaltigkeit hat bei mir eine wichtige Rolle. Ich bin selbst ein Vollblut-Second-Hand-Mensch, der Dinge aufarbeitet und weiter nutzt", erklärt Ehrmann. Mit ihrer Boutique in der Weisweiler Straße   2 hat sich die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau einen Herzenswunsch erfüllt. "Ich habe einiges Ausgefallenes und Elegantes im Angebot, aber im Prinzip wird bei mir jeder fündig – auch in allen Größen. Aktuell stehen noch die Frauen im Mittelpunkt, aber ich habe inzwischen auch immer mehr Männermode", sagt sie, während sie stolz ihr Sortiment zeigt. Stück für Stück dekoriert sie gerade alles für das Frühjahr um: Die Wintersachen werden ihren Eigentümern zurückgegeben, dafür rückt jetzt die Mode für wärmere Tage in den Vordergrund.

Zu finden ist das alles in den Räumlichkeiten der Reinigung Martina Rieger. Diese hatte im Mai vergangen Jahres jemanden für ihre Wäsche-Annahmestelle gesucht, der im Gegenzug dazu die restlichen Ladenfläche so nutzen durfte, wie er will. "Als ich im Mai hierherkam, war der Laden bis auf die Wäscherei vollkommen leer", erinnert sich Ehrmann, die den Laden liebevoll eingerichtet und dann im September eröffnet hat.

Kunden aller Vermögensschichten

Und wer bei ihr so einkauft? "Im Prinzip jeder", sagt Ehrmann. "Menschen mit viel Geld und Menschen mit wenig Geld. Es geht weniger ums Sparen als darum, schöne Kleider in guter Qualität zu bekommen." Neben Kleidungsstücken verkauft sie in ihrem Laden auch allerlei Accessoires. Schmuck, Taschen, Schuhe, Tischwäsche, Rucksäcke – sogar Vasen oder Koffer würde sie nehmen. "Hauptsache, es ist hübsch", so ihr Motto.

Was Ehrmann in ihrem Laden anbietet, verkauft sie auf Kommission. Die Verkäufer können ihre Waren vorbeibringen und die 37-Jährige prüft sie und empfiehlt Angebotspreise für die Stücke, die sie dann in ihrem Laden ausstellt. Alternativ dazu kann man für einen Monat eine Kleiderstange mieten, an der man seine eigenen Stücke präsentieren kann. "Das nutzen vor allem Verkäufer mit einem großen Bekanntenkreis. Sie geben dann ihren Freunden Bescheid, dass ihre Sachen bei mir hängen und sie diese nun dort anprobieren können", erklärt sie.

Zum Teil nimmt Ehrmann auch Kleiderspenden entgegen, die sie entweder in ihrem Laden in einer Kiste anbietet oder direkt versucht, an die passende Stelle zu bringen: "Vor Kurzem hat mir jemand rund 100 noch ungetragene Unterhosen seiner verstorbenen Mutter vorbeigebracht. Ich habe Pflegeheime angerufen und gefragt, ob sie diese brauchen können."

Arbeit bereitet der Inhaberin viel Freude

Besonders an ihrem Laden mag sie das Menschliche, dass er sich immer mehr zum Treffpunkt der Stadt entwickelt. "Täglich ergeben sich hier mit und zwischen meinen Kunden Gespräche", sagt sie und verrät, dass sie in ihrem Laden auch schon die ein oder andere Lebensberatung gab.

Das Angebot von "Zweite Liebe" entwickelt die Mutter dreier Kinder Stück für Stück weiter. So nimmt Ehrmann dort auch Kleidungsstücke entgegen, die geändert werden müssen. Auch Pakete und Briefe kann man bei ihr abgeben. Zudem will sie regionalen Künstlern die Chance bieten, sich im Verkaufsraum zu präsentieren. "Es ist so eine Art Tante-Emma-Laden des 21. Jahrhunderts", beschreibt Ehrmann ihr Geschäft lachend.

Davon leben kann sie noch nicht. "Aber ich würde mich freuen, wenn es eines Tages möglich wäre, denn die Arbeit macht mir richtig viel Spaß. Es braucht aber eben alles seine Zeit", sagt sie.

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