Kenzingen Pflaster-Frage bleibt vorerst offen

AHA-Mitglied Benjamin Kleinstück (links) übergibt die 1026 Unterschriften für ein Naturkopfsteinpflaster an Bürgermeister Matthias Guderjan. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Die Umsetzung wird Kenzingen über Jahrzehnte prägen, deshalb nimmt der Gemeinderat sich nun bewusst noch einmal mehr Zeit für seine Entscheidung. Statt noch diesen Monat soll erst am 20. September über das neue Pflaster in der Hauptstraße entschieden werden.

 

Kenzingen. "Wenn ich das richtig interpretiere, werden wir am 26. Juli keine Entscheidung treffen", stellte Kenzingens Bürgermeister Matthias Guderjan am Ende der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Donnerstag vergangene Woche fest. Die vorbereitende Sitzung für die vorgesehene Abstimmung am 26. Juli über die Sanierung der Hauptstraße lockte rund 25 Zuhörer an, darunter auch Mitglieder der Aktion historische Altstadt, die nochmals ihre Position klarmachten. Die Mehrheit der Stadträte plädierte für mehr Zeit für die Entscheidungsfindung. "Aktion historische Altstadt": In der Einwohnerfragestunde übergab Benjamin Kleinstück von der Aktion historische Altstadt (AHA) Bürgermeister Guderjan exakt 1026 Unterschriften von Kenzinger Bürgern, die sich für ein Naturkopfsteinpflaster aussprechen. Hans-Jürgen van Akkeren hielt zudem eine Rede, in der er auf die Einmaligkeit der Altstadt Kenzingens hinwies und fragte: "Sind Sie sich Ihrer großen Verantwortung bewusst und werden Sie das bis zum 26. Juli meistern können?" Vorüberlegungen: Das Thema Umgestaltung der Ortsdurchfahrt sei seit 2004 Thema, erklärte Guderjan. Seit 2010 beschäftigte sich der Gemeinderat konkret mit Verkehrskonzepten, man habe Exkursionen in sechs Gemeinden gemacht, zudem habe es drei Zukunftswerkstätten, zwei Info-Veranstaltungen (2010 und 2017) und 13 öffentliche Veranstaltungen gegeben, die sich direkt oder indirekt mit dem Thema beschäftigt hätten. Kurzum: Es habe langwierige Beschlussfassungen gegeben, bis am 27. Juli 2017 das Büro Zink aus Lauf mit den Planungen beauftragt wurde. Aktuelle Planungen: Peter Sackmann vom Ingenieurbüro Zink stellte seine Entwürfe für die Hauptstraße vor. Danach würde die schmalere Fahrbahn in Zukunft mehr Raum für Fußgänger bieten. Die Gehwege sollen – der Barrierefreiheit zuliebe – mit rötlich-grauen glatten Granitsteinen belegt werden. Allerdings soll es auch einen Saum mit altem Pflaster von zwei bis drei Reihen entlang der Gebäude geben. Der gesamte Rathausplatz soll mit historischem Pflaster belegt werden, um so einen Platzcharakter zu bekommen. Auch Brunnen sollen von historischem Pflaster gesäumt werden. Ein neues, üppigeres Beleuchtungskonzept sowie begehbare Wasserspiele seien ebenfalls denkbar. Reaktionen aus dem Gemeinderat: Stefan Billharz (ABL) erklärte, dass das Konzept aus Kenzingen eine Stadt "wie aus dem Einkaufskatalog" mache, das Charakteristische dabei aber verloren gehe. "Wir sollten uns für die Gestaltung mehr Zeit und Energie nehmen", forderte er. Bruno Strobel (SPD) mahnte hingegen: "Die Bevölkerung wartet auf einen Entschluss von uns." Ralph Stumpf (CDU) beschwichtigte, "dass man dicht am Ziel sei". Auch Norbert Schuster (FDP) sah das Ziel nahe, brachte aber zugleich den Vorschlag ein, auf die geplante Asphaltbahn zugunsten von Pflaster zu verzichten. Unterstützt wurde er dabei von Madeleine Oelze (SPD). Bürgerbeteiligung: In einem Brief an unsere Zeitung fordert AHA-Mitglied Richard Krogull-Raub, "die Bürgerbeteiligung neu aufzulegen": "Die über 1000 Unterschriften sind eine Steilvorlage zu einer basisdemokratischen Besinnung. Eine Riesen-Chance, Bürger für ihre Stadt zu begeistern und die Identität zu stärken", wird dort die Möglichkeit eines Bürgerentscheids angedeutet. Aus Guderjans Sicht eignet sich dieses detailreiche Thema jedoch dafür nicht, da die Kenzinger bei einem Bürgerentscheid nur "Ja" oder "Nein" ankreuzen könnten. "Diese mehr als 1000 Bürger haben für ein Naturkopfsteinpflaster unterschrieben – das schlagen wir auch vor", erklärt er. So geht es weiter: Nach der Gemeinderatssitzung hat am Montag der Ältestenrat getagt und über den Zeitplan gesprochen. In der Sitzung am 26. Juli sollen alle Fraktionen des Gemeinderats noch einmal ausdrücklich dazu aufgerufen werden, sich zur Sanierung der Hauptstraße zu äußern. Eine Entscheidung soll nun aber erst am 20. September getroffen werden. "Das sind zwei Monate mehr als ursprünglich vorgesehen, somit kann man nicht sagen, dass etwas übers Knie gebrochen wird", so Guderjan.

Zuschüsse für die Sanierung gibt es bis zum April 2020, ein Antrag auf eine Verlängerung der Frist sei möglich, werde aber nicht für länger als ein Jahr erfolgen. "Es geht um Zuschüsse von einer halben Million Euro", machte Guderjan klar. Bereits die aktuellen Planungen sehen ein Ende der Sanierungen bis November 2020 vor. Das will Guderjan weiterhin halten, um den Kenzinger Geschäften ein reibungsfreies Weihnachtsgeschäft 2020 zu ermöglichen. Als neuer Beginn der Sanierung ist nun 2019 nach der Fasent (statt Januar 2019) angepeilt.

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