Kenzingen New York setzt auf Kenzingen

Das Kenzinger Unternehmen Carla Cargo sorgt für Furore: Die Nachfrage nach den innovativen Lastenanhängern für Fahrräder ist steigend. Selbst der Internetriese Amazon hat für New York 300 Stück bestellt.

Kenzingen. Gründer Markus Bergmann steht in der 800 Quadratmeter großen Produktionshalle des Kenzinger Unternehmens Carla Cargo. "Wir sind komplett ausgelastet", sagt er. Die Nachfrage nach dem dreirädrigen Lastenanhänger, auch Carla genannt, nehme immer mehr zu. "Der Markt boomt", so Bergmann. Momentan seien die Europäer die stärksten Abnehmer.

Im Monat fertige das Unternehmen im Schnitt rund 100 dieser Anhänger an. Gerade der Auftrag vom Internetriesen Amazon habe zuletzt für zusätzliches Aufsehen in der Öffentlichkeit gesorgt. Der US-Onlineversandhändler hat 300 Anhänger für einen New Yorker Lebensmittellieferanten bestellt. Für Bergmann und sein Team war das ein wichtiger Schritt in den amerikanischen Markt sowie ein weiterer Fingerzeig an die Geschäftswelt. "Unternehmen müssen beim Thema Transport und Mobilität umdenken. Dabei spielen der Kosten- und Zeitfaktor eine wichtige Rolle", erklärt er. Gerade am Beispiel Amazon zeige sich das deutlich: Durch die schrittweise Umstellung auf Lastenanhänger sparen Unternehmen laut Bergmann "brutal Geld".

Heutzutage stelle das Fahrrad ein effizientes, sicheres und platzsparendes Verkehrsmittel dar. In Verbindung mit dem Lastenanhänger können so neue Transportwege erschlossen werden. "Die Politik sucht nach solchen Firmen wie uns", sagt Bergmann. Jung, dynamisch und innovativ. Und vor allem: Sie präsentieren eine echte Alternative zum Auto.

Selbst eine Teststrecke gibt es für die Anhänger

Der Fahrrad-Lastenanhänger hat eine Ladefläche von 165 mal 65 Zentimetern und kann ein Maximalgewicht von 150 Kilogramm transportieren. Damit bietet er Platz für verschiedenste Gegenstände, wie etwa unterschiedlich große Kisten oder Behälter.

Das "Besondere" an der "Carla", so Bergmann, sei zum einen der tiefe Ladeschwerpunkt. Zum anderen verfügt "Carla" über eine integrierte Auflaufbremse. Diese bremst immer dann, wenn auch der Fahrer bremst. Der Anhänger drücke somit nicht auf den Fahrer. Dadurch entstehe für diesen auch keine zusätzliche Gefahr, so der Gründer. Bergmann, gelernter Ingenieur und früher selbst Tüftler an der "Carla", ist vom eigenen Konzept überzeugt: Der Lastenanhänger stelle eine intelligente Transportmöglichkeit für die Stadt dar, die die auf Verbrennungsmotoren basierende Technologie längerfristig ablösen soll. Aktuell arbeiten seine Kollegen und er an weiteren Prototypen und Modellen. Dabei nutzen sie sogar eine Teststrecke in Kenzingen mit leichten Anstiegen, um vor allem die Auflaufbremse unter Alltagsbedingungen zu testen.

Die Idee des Lastenanhängers für den urbanen Raum ist aus der solidarischen Landwirtschaft Gartencoop Freiburg hervorgegangen. Diese liefert seit 2011 große Mengen Gemüse in Freiburg aus und wollte das emissionsfrei umsetzen. Daraus entstand dann die Idee eines Lastenanhängers mit elektrischer Unterstützung und integrierter Auflaufbremse. Im Frühjahr 2018 wurde die Carla Cargo Engineering gegründet. Dadurch konnte die Serienproduktion forciert und die steigende Nachfrage nach "Carlas" bedient werden.

Zum Verkauf stehen momentan neben der Basisedition der "Carla" (2890 Euro) auch eine zusätzlich motorisierte "eCarla" (ab 4890 Euro).

Der Lastenanhänger "Carla" bietet unterschiedliche Transportmöglichkeiten. Aktuell gibt es vier verschiedene Transportmethoden: die normale Carla, Paul Plane (Planenaufbau), Zack Zarges (mobile Universalbox) und die mobile Küchenstation. Unternehmen, die sich für einen Anhänger entscheiden, können auf eine Förderung durch die Bundesregierung von bis zu 2500 Euro pro Anhänger hoffen. Das wissen aber noch nicht viele, so Markus Bergmann von Carla Cargo.

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