Kenzingen Mehr Ältere an die Wahlurne

Der Seniorenbeirat will die Belange Älterer in der Poltik stärker berücksichtigt sehen und somit mehr Ältere zum Wählen animieren (von links): Cornelia Wangler, Hanns-Heinrich Schneider, Angelika Isele-Mayer Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Die Mitglieder des Kenzinger Seniorenbeirats wollen mehr Ältere zum Wählen anregen. Deshalb fragen sie zur Kommunal- und zur Europawahl die Fraktionen, was sie speziell für Senioren tun wollen. Denn diese seien selten Thema in der Politik.

Von Julia Göpfert

Kenzingen. Zwar seien nicht wenige Gemeinderäte oft selbst Senioren, aber eine Politik, die sich speziell mit den Belangen älterer Menschen auseinandersetzt, gebe es nicht. Wobei Kenzingen mit dem Seniorenforum und dem Seniorenbeirat noch vergleichsweise gut aufgestellt sei, erklärt der Seniorenbeauftragte Hanns-Heinrich Schneider.

Er bittet deshalb die einzelnen Fraktionen, sich bis zum 26. April Gedanken zu machen, wie sie das Thema Senioren in der nächsten Legislaturperiode verstärkt in den Gemeinderat einbringen und dem Lebenumfeld der Senioren mehr Aufmerksamkeit schenken wollen. Dafür solle jede Fraktion ihre eigenen Ideen entwickeln, betont Schneider. Zudem möchte der Seniorenbeirat wissen, ob der Gemeinderat eine Seniorenumfrage wie in Herbolzheim oder Waldkirch unterstützen würden, wie eine größere Barrierefreiheit möglich wäre und wie die Fraktionen auf zukünftige demografische Entwicklungen reagieren wollen (siehe Infokasten).

Mit einer Politik, die auch die Anliegen der Älteren berücksichtigt und sie dauerhaft konstruktiv einbezieht, erhofft sich Schneider wieder mehr von ihnen zum Wählen zu animieren. Auf ihre Erfahrung könne man nicht verzichten. "Gerade die ältere Generation weiß am besten, was es heißt im Frieden zu leben – und dass dieser nicht selbstverständlich ist. Deshalb ist es wichtig, gerade in politisch schwierigen Zeiten die Politik nicht möglichen Protestbewegungen zu überlassen." Auch in Hinsicht auf die nachfolgenden Generationen sei es wichtig, dass die Senioren sich an den Wahlen beteiligten – sei es Europa- oder Kommunalwahl. Er weißt dabei auch explizit auf die Möglichkeit der Briefwahl hin.

Und eines ist Schneider ebenfalls wichtig zu betonen: "Wir richten uns mit unserer Anfrage nicht gegen nachfolgende Generationen. Im Gegenteil: Wir hoffen, dass auch die Jugendpflege in Kenzingen sowie Eltern und Lehrer etwas unternehmen, um junge Menschen an die Wahlurnen zu bekommen." Damit alle Generationen gleichermaßen deutlich machen, dass ihnen die Demokratie ein Anliegen ist.

Kenzingen hat 10  128 Einwohner (Stand: Juni 2018), davon sind 2031 Senioren im Alter zwischen 65 und 100 Jahren, also etwa jeder fünfte Einwohner. Ihnen stehen 1145 Kinder im Alter zwischen null und elf Jahren gegenüber. Allerdings wird sich diese Verhältnis bis ins Jahr 2030 hinein noch einmal ändern – und zwar im gesamten Kreis Emmendingen. Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird der Anteil der Über-65-Jährigen dann mehr als 27 Prozent betragen. Der Anteil der Hochbetagten (über 85 Jahren) wird sogar um 131 Prozent zunehmen, mehr als in jedem anderen Landkreis Baden-Württembergs.

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