Kenzingen Ein Abend voller Überraschungen

Schwungvoll und voller Spielfreude, so erlebte man die Stadtkapelle mit ihrem "Wintertraum". Um der Traumwelt gedanklich zu entfliehen, hatte der Auftritt "Surprise" als Untertitel. Und in der Tat: Es gab jede Menge Überraschungsmomente.

Kenzingen. Schon die eingangs souverän anmoderierten Beiträge der Jugendkapelle wurden am vergangenen Wochenende in der gut gefüllten Üsenberghalle gekonnt vorgetragen. Mit "The Lion King" von Elton John, arrangiert von John Higgins, gelang die Ouvertüre perfekt, cool, rhythmisch und sicher. Der Nachwuchs überzeugte auch bei "Springtime", "Colors of the Wind" und dem anspruchsvollen "Shut up and dance" mit einer warmen, sauberen Tongebung, die er mit dem musikalischen Leiter Franz Schindler einstudiert hatte. Insgesamt präsentierte sich das Jugendblasorchester auf hohem Niveau hinsichtlich Intonation, Rhythmik, Aufmerksamkeit und Spielfreude.

Moderator Joachim Röderer setzte mit seiner bekannt launigen Redegewandtheit den Hauptteil wortreich in Szene. Eine klassische Überleitung gelang der Stadtkapelle nach der Umbaupause mit der frisch-mitreißenden Ouverture der Oper "Pique Dame", die Franz von Suppé komponierte. Danach die Suite "Tirol 1809", die den Freiheitskampf unter Andreas Hofer zum Thema hatte und in drei Sätzen vom Anfang des Aufruhrs bis zu den Schlachten am Berg Isel berichtete.

Von Michael Jackson, über Tina Turner zu den Beatles

Ein großartiger Auftritt war die Reminiszenz an Michael Jackson, von dem ein Medley zu hören war. Und noch ein Hochkaräter war im Repertoire. "The Phil Collins Collection" mit Top-Hits wie "Easy Lover" und "Another day in paradise" erklangen. Die Glanzpunkte setzten diesmal solistische Einlagen. Die wurden von der Wahl-Reichenbacherin Desireé Lobé noch getoppt. Diesmal hat sie Marc Ronson mit "Valerie" und Rock-Röhre Tina Turner mit "Simply the best" vertreten. Die Soulsympathisantin bekannte: "Ich bin Fan von Tina."

Nach dem fetzigen Part folgte ein eher balladenhaftes "Hey Jude" von Paul McCartney, der das Lied für den Sohn von John Lennon geschrieben haben soll. Samuel Held lief mit seinem Saxofon zur Hochform auf. Er war nicht im Programmheft aufgeführt, aber "Surprise" bedeutet ja auf Deutsch Überraschung.

Tristan Römer legte ein großartiges Solo mit "What a wonderful world" aufs Parkett. Mit anhaltendem Klatschen rangen die Zuschauer der Stadtkapelle Zugaben ab. Mit "To love somebody" von den Bee Gees, intoniert von Desireé Lobé, klang ein unvergesslicher Abend aus. Der lang anhaltende finale Beifall honorierte die frische Spielweise der Kenzinger Stadtkapelle, der Jungmusiker und Solisten.

Zwei altbewährte, aber immer jung gebliebene Blasmusikerinnen wurden vom ersten Vorsitzenden Bernd Rein ausgezeichnet. Beatrix Kast ist mit Unterbrechung seit 20 Jahren dem Ensemble treu, Andrea Katzer-Risp mischt seit drei Jahrzehnten kräftig mit.

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