Kenzingen Alle Anlagen zum Top-Wein-Jahrgang

Die Reben rund um Kenzingen stehen derzeit prächtig da. Die Winzer erwarten einen guten, vielleicht sogar überdurchschnittlichen Weinjahrgang. Allerdings nur, wenn in den nächsten Wochen auch das Wetter mitspielt und es regnet.

 

Kenzingen. Ein Spaziergang durch die Rebanlagen rund um Kenzingen in diesen Tagen ist die reine Freude. Selten standen die Reben so gesund und malerisch da. Eine tiefgrüne Laubwand ohne Flecken und vielfach freigestellte Trauben in reichlicher Menge warten im besten Zustand auf den Beginn der Lese. Das gilt über alle Sorten, wie Georg Moosmann, Bereichsleiter der Breisgauer Winzer und selbst Inhaber des alteingesessenen Familien-Weingutes in Buchholz, im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt. Gespannt wartet man nun, wie sich das Wetter in den verbleibenden Wochen entwickelt. Kühle Nächte bringen Aromatik in die Trauben und Niederschlag, bitte nicht zu heftig, wäre schön.

Das ganze Jahr hindurch hatten die Trauben einen Vorsprung in der Entwicklung, der nun durch die Trockenheit teilweise aufgehoben wird. Wenngleich die Reben je nach Standort tief wurzeln und sich daher gut mit Feuchtigkeit versorgen können, fehlt nun der Niederschlag. Das führt dazu, dass der Reifeprozess sich verzögert, die einzelnen Beeren, je nach Standort, eher klein bleiben. Beim Spätburgunder wird das stellenweise auch für den durch die Reben schlendernden Weinfreund deutlich sichtbar, wenn die dunklen Trauben grüne, unreife Stellen zeigen. Die Mostgewichte sind hoch, aber die Trauben noch nicht wirklich reif.

Hinsichtlich der Menge erwarten die Winzer einen guten, wenn Petrus mithilft, einen überdurchschnittlichen Jahrgang, der die Keller wieder füllt, in denen im vergangenen Jahr manches Fass doch leer bleiben musste. Aber auch das, so Moosmann, ist wie die Qualität des Jahrgangs 2018 abhängig von der Witterung der letzten Wochen vor der Lese.

Im Ettenheimer Weingut Weber hat die Lese schon begonnen. Für den neuen Süßen wurde letzte Woche schon Solaris in den Keller gebracht. Dort ist auch bereits alles vorbereitet für die Hauptlese, die Ende dieser Woche – und somit zwei Wochen früher als normalerweise –­begonnen hat, so Michael Weber. Dort wo Maschinen zum Einsatz kommen, wird bereits zwischen 5 und 7 Uhr gelesen, um die Trauben möglichst kühl in den Keller zu bekommen. Auch bei der Handlese, für die die Stamm-Mannschaft schon in den Startlöchern hockt, kommt es darauf an, dass die Trauben schnell in den Keller gelangen, um eine Spontangärung auf dem Weg dorthin zu vermeiden.

Michael Weber freut sich auf den Jahrgang mit gesunden Trauben. Die eher kleinen Beeren sind dem Aroma dienlich und wo zuviel in den Reben hing, wurden die Trauben bei der Grünlese ausgedünnt. Nun wünscht er sich noch ein bisschen Regen, 20 Liter pro Quadratmeter würden passen.

Weinqualität des Jahrgangs 2018 steht und fällt mit dem Regen

Den Regen sehnt auch Mathias Meier herbei. Die Qualität steht und fällt mit dem Regen in den nächsten zwei Wochen, so der Vorstandvorsitzende der Winzergenossenschaft Kenzingen-Hecklingen-Bombach. Während die älteren Rebanlagen gut mit dem Trockenstress zurechtkommen, war es bei Junganlagen teilweise erforderlich, die Trauben runter zu schneiden, um die Reben selbst für den kommenden Jahrgang zu retten. "Wir leben und arbeiten mit der Natur", so sein Kommentar.

So kann die Quintessenz von Georg Moosmann, dem Bereichsleiters der Breisgauer Winzer, für den Breisgau insgesamt gelten: "Der 2018er hat alle Anlagen zum Topjahrgang". Die Weinfreunde verfolgen gespannt die Zeit bis zur Lese, freuen sich, wenn die Wagen mit vollen Bottichen durch den Ort rattern, die Lust machen auf den neuen Süßen und Vorfreude auf den ersten Wein des Jahrgangs 2018. Diesen kann man dann wie üblich irgendwann im Frühjahr/Sommer des kommenden Jahres testen

Ganz besonders erfreut zeigte sich Mathias Meier, Vorstandvorsitzender der Winzergenossenschaft Kenzingen-Hecklingen-Bombach, im Gespräch auf dem Breisgauer Weinfest von der Entwicklung des Breisgauer Wein-Marketings; den Auftritt zur Landesgartenschau eingeschlossen. "Der Dornröschenschlaf der 90er-Jahre ist rum", so sein Kommentar.

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