Kehl Goldscheuer das Mekka für Tauzieher

Insgesamt rund 700 Athleten aus zehn Nationen haben am Wochenende beim internationalen Tauzieh-Turnier der Sportfreunde Goldscheuer teilgenommen. Die Tauzieh-Cracks aus der Ortenau hatten zum 70. Vereinsjubiläum geladen.

Die Szenen, die sich am Wochenende im sonst so beschaulichen Goldscheuer abspielten, hatten schon etwas Archaisches. Es wirkte wie eine Wiederauferstehung antiker Gladiatorenwettkämpfen, bei denen die Sportler – lautstark vom Publikum angefeuert – um jeden Zentimeter kämpften.

Zum 70. Vereinsjubiläum hatten die Sportfreunde Goldscheuer Vereine aus ganz Europa zum internationalen Tauziehturnier in den Kehler Vorort geladen und rund 700 Athleten aus zehn Nationen waren dem Ruf gefolgt. Aus Deutschland reisten 13 Teams in die Ortenau – vor allem aus dem Süden des Landes, wo der Stellenwert der Sportart offenbar am Höchsten ist. Rund 4000 Zuschauer verfolgten am Samstag und Sonntag die Wettkämpfe in der kleinen Arena auf dem Gelände der Sportfreunde Goldscheuer. Wer die Veranstaltung nicht live vor Ort besuchen konnte, hatte die Möglichkeit, sich das Turnier auf Sportdeutschland.tv im Livestream anzusehen.

Erste Deutsche Meisterschaft 1959

Der Kehler Stadtteil Goldscheuer gilt seit Jahrzehnten als abolute Hochburg in Sachen Tauziehen in Deutschland. Bereits 1959, nur zehn Jahre nach der Gründung, gewann der Klub die erste deutsche Meisterschaft. 45 weitere nationale Titel folgten im Laufe der Zeit. Vor zwei Jahren krönten sich die Sportfreunde zuletzt mit dem deutschen Meistertitel. Noch einen drauf setzen konnten die Ortenauer dann im vergangenen Jahr bei der Vereins-Weltmeisterschaft im südafrikanischen Kapstadt. Das vom mehrfachen deutschen Meister Daniel Fien betreute Team gewann in der Klasse bis 560 Kilogramm die WM.

Die Gastgeber mussten sich beim Heimturnier allerdings in der Klasse bis 580 Kilo mit dem vierten Platz begnügen. Im Halbfinale hatten sich die Ortenauer dem späteren Sieger Seilziehclub Sins mit 0:2 geschlagen geben müssen. Turnier-Macher Daniel Fien zog dennoch ein positives Fazit: "Mit dem vierten Platz können wir gut leben. Wir haben uns in einem starken Teilnehmerfeld gut verkauft". Auch mit der Veranstaltung insgesamt zeigte sich Fien "trotz Riesenaufwand" zufrieden. "Von Sportlern und Zuschauern gab es durchweg nur positive Rückmeldungen."

Während Tauziehen heute eine Randsportart ist, war der Sport von 1900 bis 1920 sogar eine olympische Disziplin. Beim "Tug of war", wie Tauziehen auf Englisch heißt, treten zwei Mannschaften mit je acht Teilnehmern gegeneinander an. Dabei kommt es nicht nur auf reine Kraft an, als vielmehr auch auf Geschick und Taktik. Stollenschuhe sind beim Tauziehen nicht erlaubt, stattdessen müssen die Schuhe eine glatte Sohle aufweisen. Für einen besseren Griff schmieren sich die Sportler Harz an die Hände, das Tragen von Handschuhen ist nicht erlaubt.

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