Kappel-Grafenhausen Umsatz geht wegen Corona um die Hälfte zurück

Tauschten sich in Kappel-Grafenhausen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und nachhaltige Verpackungen aus (von links): Christoph Waidele, Sandra Boser, Thomas Kunz und Marco Sharif Khan.Foto: Wahlbüro Sandra Boser Foto: Lahrer Zeitung

Kappel-Grafenhausen (red/jg). Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser hat die Firma E. Wilhelm in Kappel-Grafenhausen besucht. Diese ist auf die Herstellung von hochwertigen Etuis und Verpackungen für Schmuck, Uhren und Accessoires spezialisiert. Beim Austausch mit den beiden Geschäftsführern Christoph Waidele und Thomas Kunz sowie dem Produktionsleiter Marco Sharif Khan kamen auch die Auswirkungen von Corona zur Sprache. Zudem gratulierte Boser dem Unternehmen zur Auszeichnung als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz (wir berichteten).

1934 wurde das Unternehmen von Eugen Wilhelm in Sulz gegründet, damals für die Produktion von Tabakkistchen. Bis zum Jahr 2000 lange in Familienhand, ab 2001 haben Christoph Waidele und Thomas Kunz, beide langjährige Mitarbeiter der Firma E. Wilhelm, die Leitung übernommen und führen zwischenzeitlich ein Team von 65 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist heute international tätig und hat sich durch die sehr hohe Qualität sowie "Made in Germany" im In- und Ausland einen Namen gemacht, heißt es in der Pressemitteilung. "Die Verpackung soll die Wertigkeit des Produkts unterstützen. Wir setzen dabei auf deutsche Produktion", so Kunz.

Immer mehr Firmen legen auf nachhaltige Verpackungen wert

Neben höherwertigen Verpackungen für den Einzelhandel produziert das Unternehmen auch für Industrie- oder Projektkunden in größerer Stückzahl. "Elf bis zwölf Millionen Verpackungen pro Jahr stellen wir in Deutschland her", erzählte Waidele. In China würde noch ein geringer Teil an Produkten hergestellt werden, die viel Handarbeit benötigen.

Auf Nachhaltigkeit wird in der Firma großen Wert gelegt – und auch immer mehr Unternehmen würden Wert auf nachhaltige Verpackungen legen, berichtet Waidele. Bei Papier und Kartonagen habe man bereits auf FSC- zertifiziertes Material umgestellt. Zudem sei wichtig, dass die Produkte zu hundert Prozent recycelbar seien. Mit dem Neubau der Produktionshalle zur reinen Kartonfertigung im Jahr 2015 habe man weiter in den Standort Kappel-Grafenhausen investiert. Geschäftsführer Thomas Kunz sei stolz, dass die Produktion von Etuis und weiteren Verpackungen inzwischen fast komplett auf Basis von Karton umgestellt wurde.

Stolz sei man auch auf die eigen kreierte Marke "Green Line", die unter anderem eine Serie, die aus Graspapier hergestellt wird, beinhaltet. Die Marke stehe für Nachhaltigkeit aus deutscher Produktion und sei frei von Plastifizierungen, berichtete Kunz.

Die hohen Eigenkapitalanlagen sorgen für Sicherheit

"Über die Hälfte der Produkte sind Made in Germany", betonte Kunz. "Nachhaltige Produkte werden in Zukunft weiter an Bedeutung zulegen, hier mit innovativen Produkten voranzugehen ist ein großer Standortvorteil. Insbesondere auf dem internationalen Markt sind deutsche Produkte stark nachgefragt", stimmte auch Boser zu.

Auf die Frage, wie sich die Corona-Situation auf das Unternehmen auswirke, antwortete Waidele: "Während des Lockdowns März bis Mai ist der Umsatz um 50 Prozent zurückgegangen, weil die Lieferwege unterbrochen waren." Das Frühjahr werde man nicht mehr aufholen können und es sei auch schwer, die zukünftige Entwicklung abzuschätzen. Boser stimmte zu, dass es auch für das Land derzeit schwer sei eine Prognose abzugeben. Die vorhandenen Wirtschaftshilfen sollen dazu beitragen, die Unternehmen gut durch die Krise zu begleiten. Waidele stellte klar, dass man aufgrund hoher Eigenkapitaldecke die nächsten zwei bis drei Jahre überbrücken könne, jedoch weitere Lockdowns fatal wären.

Nach der Gesprächsrunde folgte noch ein Betriebsrundgang, bei dem sich die Landtagsabgeordnete einen Einblick in die Fertigung verschaffte.

  • Bewertung
    3