Neu- und Ausbau der Rheintalbahn "Müssen das Beste daraus machen"

Der geplante Ausbau der Rheintalbahn, hier der Bahnhof Lahr, löst in Kappel-Grafenhausen wenig Freude aus. Foto: Braun

Kappel-Grafenhausen - Der Kappel-Grafenhausener Gemeinderat ließ sich über die aktuelle Rheintal-Bahnplanung informieren. Begeisterte Zustimmung gab es erwartungsgemäß nicht, aber viele Sachfragen.

Weil die Planungen für den Neu- und Ausbau der Rheintalbahn voranschreiten, hatte Bürgermeister Jochen Paleit die Deutsche Bahn gebeten, über den aktuellen Stand der Dinge zu berichten. Auf der Gemeinderatssitzung am Montag war deshalb für die bau-zuständige DB Netze mit Christoph Klenert der Außenbeziehungsleiter des Großprojektes erschienen. Mitgebracht hatte er Sven Adam, den technischen Abschnittsleiter für den Kappel-Grafenhausen betreffenden Planfeststellungsabschnitt 7.4 von Mahlberg bis Kenzingen.

Das Ziel einer Ertüchtigung der zentralen europäischen Verkehrsachse von den holländischen Häfen und bis hin zur schweizerischen Alpentransversale NEAT (bis nach Genua) war den Gemeinderäten nicht neu. Ebenso wenig der bisherige Planungsprozess, der bereits zur Jahrtausendwende begonnen hatte. In Berlin hatte man schließlich der Finanzierung der autobahnparallelen Trassierung der zweigleisigen Neubaustrecke südlich von Offenburg zugestimmt. Dagegen hatte sich Kappel-Grafenhausen mit anderem Nachbargemeinden jahrelang vehement gewehrt – vergeblich.

1,5 Kilometer Lärmschutzwände: Nun berichteten die beiden Bahntechniker, dass bei den neuen Gleisen, die westlich parallel zur Autobahn A 5 verlaufen, Schallschutzwände über gesetzliche Vorgaben hinaus als "Vollschutz" installiert werden. Auf Kappel-Grafenhausener Höhe verlaufen diese nahezu 1,5 Kilometer lang auf beiden Gleisseiten. Die werden zwischen 3,5 bis 5,5 Meter hoch sein. Dort sollen Güterzüge über die neue Strecke geleitet werden – bislang. Trotzdem soll es aber für die Anwohner "nicht mehr Lärm als bisher, samt Autobahn" geben. Eine neue Brücke über die A 5 und neue Gleise werden mit dem Ausbau auch für den Kappel-Grafenhausener Wirtschaftsweg notwendig.

Blick zur Nachbarschaft: An der alten Bahn-Bestandsstrecke zwischen Orschweier und Kenzingen werden auf mehr als 11,5 Kilometer Länge zwei weitere Gleise westlich angebaut nämlich als "Vier-Spur-Insel" für Fernzüge zum Überholen des langsameren Nahverkehrs. Und: Die Autobahn-Anschlussstelle Ettenheim wird auf der Ostseite angepasst, der Bahnhof Orschweier bekommt eine barrierefreie Unterführung statt bisheriger Fußgängerschnecke (wir berichteten).

Baubeginn 2029: Ende 2021 soll das Planfeststellungsverfahren mit früher Öffentlichkeitsbeteiligung starten, nach Offenlage ab 2024 dann die Bauvorbereitung ab Mitte 2027 laufen. Die reale Bauphase soll Anfang 2029 beginnen. So jedenfalls der Bahn-Zeitplan.

Verhaltene Reaktionen im Gemeinderat: Bürgermeister Jochen Paleit verzichtete entgegen früherer Leidenschaft darauf, den aktuellen Bahn-Vortrag der Planungsvertreter zu kommentieren. Lediglich Rebecca Wild (FW) erklärte, bis heute noch nicht verstehen zu können, dass angesichts des enormem Lärms für Kappel-Grafenhausen und auch des Landschaftsverbrauchs die autobahnparallele DB-Trasse eine Mehrheit finden konnte. Jedoch meinte sie: "Ändern kann man nichts mehr dran – nun müssen wir das Beste draus machen!" Frank Andlauer (CDU) bekommt die erfragten genauen Bahntrassen-Höhen entlang der Autobahn bei Kappel-Grafenhausen noch nachgeliefert, denn die hatten die DB- Vertreter nicht dabei.

Auch die Frage von Heinz Renter (FW) nach dem genauen Standort der künftigen Lärmschutzwände an der Bahn/Autobahntrasse sei, so Klenert, "keine ganz einfache Kiste". Sie stehe noch in Abstimmung mit dem geplanten dreispurigen Autobahnausbau. Jedenfalls wolle man die Lärmschutzwände "möglichst nahe dran" bauen. Immerhin sei man mittlerweile so weit, die anstehenden Planungen von Autobahnverbreiterung und zusätzlichen Bahngleisen zwischen den entsprechenden Bundesbehörden rechtzeitig zu koordinieren.

Flächenverbrauch statt Tunnel: Und die vorgesehene weiträumige Umfahrung der Mahlberger Raststätte Ost? Dort hätte eine von Mahlberg und auch Bürgerinitiativen geforderte Untertunnelung, so Klenert, sehr große Kosten zur Folge gehabt. Er gab jedoch offen zu: "Die landschaftsverbrauchende Umfahrung hier ist keine Superlösung!" Vielleicht ergebe sich da noch was, wenn beim separaten Autobahnausbau die bisherige Rastanlage geringfügig versetzt würde.

Anwalt beauftragt

Auch in Kenzingen und Herbolzheim ist man mit den Plänen zum Ausbau der Rheintalbahn nicht glücklich. Denn die vorgesehenen vier Gleise zum Überholen im Planungsabschnitt 8.0 würden durch die beiden Städte verlaufen. Deshalb haben sie schon im Mai eine Anwaltskanzlei beauftragt, eine gemeinsame Stellungnahme für eine alternative Trassenführung auszuarbeiten.

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