Kappel-Grafenhausen Lauter Ruf nach bezahlbarem Wohnraum

Mit farbigen Aufklebern markierten die Bürger, was ihnen künftig besonders wichtig ist in der Doppelgemeinde. Foto: Gad Foto: Lahrer Zeitung

Kappel-Grafenhausen (mm). Das erste "Bürgerforum" am Montag war gut besucht. Weil fast 100 Interessierte in den Grafenhausenser Sitzungssaal gekommen waren, mussten eilends weitere Stühle herangeschafft werden. Das freute Bürgermeister Jochen Paleit als Moderator des Abends sehr.

Im Vorfeld hatte "Zufallsbürger" angeschrieben. 50 Antworten mit mehr als 120 Anregungen kamen zurück. Bevor diese jedoch vorgetragen wurden, stellte Paleit sechs Themenbereiche mit Einzelfragen vor, die nacheinander abgearbeitet wurden, nämlich in Form von Abstimmungen mit verschiedenfarbigen Stimmkarten.

Erstes Thema: "Gemeinschaft, Freizeit und Vereine". Da kam der bisherige Bürgerservice zwischen "gut" und "geht so" vergleichsweise günstig weg, ebenso die Vereinsförderung. Ähnlich bewertet wurde das "Erscheinungsbild der Gemeinde". Gleichermaßen positiv wurden "Ökologie, Umwelt- und Naturschutz" bewertet. Die Gemeinde tue dafür genug, fanden mehr als zwei Drittel der Befragten.

Anders sah es beim Thema "Wohnen und Bauen" aus. Da fand die Hälfte der Bürger, dass bezahlbarer Wohnraum Mangelware sei. Ein Wald von grünen Stimmkarten erhob sich bei der Frage, ob die Zahl neuer Ferienwohnungen zu reduzieren sei. Schon zuvor war schriftlich gewünscht worden, für eine bessere Überwachung von öffentlichen Parkplätzen zu sorgen.

Bei "Gewerbe und Arbeit" wiederum war die Hälfte der Befragten klar der Meinung, dass Tourismus der Gemeinde gut tue. Allerdings unter Erhalt des ländlichen Charakters. Beim Thema "Dorfstruktur und Mobilität" kam die örtliche Nahversorgung noch verhältnismäßig gut weg, zwei Drittel bewerteten sie immerhin mit "geht so". Anders beim Thema "Generationen, Soziales und Bildung". Da fanden nur fünf Bürger, dass die Betreuung von älteren Mitbürgern gut sei, besser sah es bei Kindergärten und Schulen aus.

Gemeinderat geht im Februar in Klausur

Bei der Suggestivfrage, ob der Ausbau von Rheintalbahn und Autobahn, der Bau einer Kreisstraße und die Erhöhung von Stromleitungen Auswirkungen auf die Gemeinde haben, gab es erwartungsgemäß kein einziges Nein. Immerhin: Die bisherigen Verkehrsbelastungen werden nur von einem knappen Viertel als Minderung der Lebensqualität eingestuft.

Auf Kärtchen wurden an einer Stellwand Vorschläge gesammelt. Darauf klebten die Bürger je fünf Prioritätspünktchen auf. Besonders viele fanden sich bei der Forderung, die Kita Sonnenschein und die Taubergießenschule zu erhalten, die vorhandene Schulkinderbetreuung auszubauen, die Kappeler Ortsdurchfahrt mit Verkehrsinseln umzugestalten oder bei der Forderung zum weiteren Zusammenwachsen der beiden Ortsteile, ein gemeinsames neues Rathaus dazwischen zu bauen.

Bei einer Klausurtagung im Februar sollen dem Gemeinderat alle Ergebnisse der bisherigen Bürgerbeteiligung ausgewertet auf dem Tisch liegen, als Entscheidungshilfe für die vom Gremium vorzunehmende Prioritätensetzung der nächsten Jahre. Paleit warnte: "Alles Wünschenswerte können wir natürlich nicht gleich umsetzen." Aber: Die Bürgermeinungen seien ein guter Orientierungspunkt. Im Frühjahr soll den Bürgern dann Bericht erstattet werden.

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