Kappel-Grafenhausen Musterhaus-Siedlung: "Keine Mehrbelastung für Region"

Ähnlich dem in Günzburg soll an der Autobahn bei Grafenhausen ein Fertighaus-Dorf entstehen. Der Betreiber, der Bundesverband Deutscher Fertigbau, will im Frühjahr 2021 eröffnen. Foto: BDF

Grafenhausen - Die Musterhaussiedlung in Grafenhausen kommt – und zwar pünktlich: Im Frühjahr 2021 soll sie wie geplant eröffnen. Derweil sieht Bürgermeister Jochen Paleit durch den Besucherverkehr "keine Mehrbelastung" auf die Region zurollen.

Auf einem 2,3 Hektar großen Grundstück soll in Grafenhausen, nur einen Steinwurf von der Autobahn, "Europas modernster Musterhauspark" entstehen. Wie im Juni vergangenen Jahres bekannt wurde, wollen 15 Unternehmen unter der Fahne des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) 15 Musterhäuser errichten.

Klar, dass die Gemeinde angesichts der Großinvestition auf ihrer Gemarkung – die Rede ist von 15 Millionen Euro – in die Hände klatscht. "Diese Ansiedlung schafft Planungssicherheit für das neue Gewerbegebiet und ermöglicht es, den ortsansässigen Betrieben attraktive Flächen zu günstigen Konditionen anzubieten", hatte Bürgermeister Jochen Paleit bei der Vorstellung des Projekts frohlockt. Die Fertighaus-Austellung bleibt am südöstlichen Ortsrand von Grafenhausen nicht allein, sondern wird eingebettet in das neue, rund zehn Hektar große "Kleinoberfeld III".

Die Gemeinden drum herum teilen die Paleits Euphorie nur bedingt. Vor allem, dass man in Kappel-Grafenhausen ein Fertighaus-Dorf projektiert, gleichzeitig aber die Planungen für die B 3-Umfahrung, die den Orten zwischen Ringsheim und Lahr Entlastung bringen soll, ablehnt, stößt bei manchen Nachbarn auf Unmut. Immerhin erwartet der BDF in Grafenhausen rund 40 000 Besucher im Jahr.

Für Rathauschef Paleit hat das eine nichts mit dem anderen zu tun, wie er am Dienstag im Gespräch mit der LZ erklärte: "Der Verkehr in den Gemeinden wird durch die Musterhaus-Siedlung nicht zunehmen, weil die Besucherströme nahezu ausschließlich über die Autobahn fließen werden." In Zahlen: "98 Prozent."

Derweil werden die baurechtlichen Voraussetzungen für das Projekt, das den Arbeitstitel "Fertighauswelt Schwarzwald" trägt, geschaffen. Die erste Offenlage des Bebauungsplans "Kleinoberfeld III" ist laut Verwaltungsmitarbeiterin Pascale Trotter bereits beendet. Nachdem die eingegangenen Stellungnahmen eingearbeitet sind, werde im März/April die zweite Öffentlichkeitsbeteiligung folgen. Spätestens nach der Sommerpause soll der Gemeinderat den Satzungsbeschluss treffen, damit man anschließend die Erschließungsarbeiten in Angriff nehmen kann. Bürgermeister Paleit: "Es läuft bislang alles planmäßig."

Sollte es auch. Denn der BDF will laut Sprecher Achim Hannott im Frühjahr 2021 die ersten potenziellen Häuslebauer empfangen. Ein zeitlicher Puffer ergibt sich aus der Tatsache, dass die Fertighäusler ihre eigenen Leitungen verlegen, die Erschließung des Dorfs somit parallel zu der des restlichen Gewerbegebiets laufen kann.

Grafenhausen "ein exzellenter Standort"

Nach wir vor ist man beim BDF "davon überzeugt, dass wir in Grafenhausen einen exzellenten Standort gefunden haben", so Hannott gegenüber der LZ. Wobei die Nähe zur A 5 höher wiegen dürfte als die zum Europa-Park. Nicht allzu viele Achterbahnfans werden sich gleich noch nach einem möglichen Eigenheim umschauen. Jedenfalls: "Die Verträge mit der Gemeinde sind noch nicht unterschrieben, aber wir befinden uns ins guten Gesprächen."

Bekanntlich musste sich der BDF nach einem neuen Domizil für seine Mitglieder umschauen, weil die Messe Offenburg den Vertrag zum Ende des abgelaufenen Jahres gekündigt hatte. Die Musterhaus-Siedlung dort weicht einer neuen Messehalle. In Grafenhausen werden sich laut Hannott vor allem Südwest-Firmen niederlassen, etwa Weber-Haus aus Rheinau-Linx oder Schwörer-Haus von der Schwäbischen Alb.

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