Kappel-Grafenhausen Kampf gegen Ferienwohnungen

Kappel-Grafenhausen. Seit geraumer Zeit stört sich der Gemeinderat an immer mehr Ferienwohnungen in der Doppelgemeinde. Hauptgrund dafür ist, dass neben Lärmbe-lästigungen durch Touristen Mietwohnungen rar werden. Am Montag hat das Gremium einmütig ein Maßnahmenpaket beschlossen, um unerwünschte Ferienwohnungen künftig halbwegs sattelfest verhindern zu können.

 

Derzeit gibt es in der Gemeinde 89 Ferienwohnungen, Tendenz stark steigend. Nur 14 davon sind bislang zugelassen, der Rest befindet sich in der Grauzone der Duldung. Längst ist klar, dass manche Hausbesitzer – und mittlerweile auch auswärtige Investoren – mit ihrem Eigentum höchstmöglichen Profit erzielen wollen, und das geht in der Nähe des Europa-Parks am besten mit touristisch genutzten Wohnungen.

Der Freiburger Fachanwalt Thomas Burmeister zeigte am Montag Handlungsmöglichkeiten auf, die der Gemeinde gegen die Inflation von Ferienwohnungen offen stehen. Gültige Bebauungspläne in Wohngebieten könne man bei jedem neuen Vorhaben separat ändern, vorab eine Veränderungssperre verhängen. Wo kein Bebauungsplan existiere, etwa in Ortskernen, müsse sich eine Ferienwohnung in die Eigenarten der Umgebung einfügen. Zusätzlich komme auch eine neue Zweckentfremdungssatzung in Betracht, mit der sich eine Umwandlung von bisherigem Wohnraum in Feriennutzung untersagen ließe. Schließlich, so Burmeister, könne man ein "Ferienwohnungskonzept" erstellen, als Leitbild für die Zulässigkeit von solchen Wohnungen im Gemeindegebiet. Das wäre Argumentationshilfe bei strittigen Vorhaben.

Burmeister riet den Gemeinderäten: "Machen sie ein klares Konzept, sagen sie grundsätzlich Nein zu weiteren Ferienwohnungen im ganzen Ort." Auch wenn das rechtlich nicht immer durchzusetzen sei, würde das jedenfalls neue Investoren abschrecken, die sich dann "leichtere Standorte" suchten.

20 Zuhörer hatte das Thema angelockt. Hauptamtsleiter Daniel Kunz führte das auch darauf zurück, dass der Wohnungsmangel auf den Nägeln brennt: "Wir können die wachsende Bevölkerung derzeit nicht mit ausreichend Wohnraum versorgen." Das sei eine klare städtebauliche Fehlentwicklung, weshalb laut Bürgermeister Jochen Paleit "jetzt gehandelt werden muss".

Nach zahlreichen Rückfragen und ausführlicher Diskussion blieb der Gemeinderat bei seiner bisherigen Position gegen weitere Ferienwohnungen. Die vorgestellten Möglichkeiten wurden für gut befunden und sollen weiter verfolgt werden. Generell soll mit Hilfe eines Planungsbüros untersucht werden, in welchen Bereichen Ferienwohnungen ausgeschlossen sein sollen und in welchen Bereichen sie mit welchem Umfang in Betracht kommen.

Erste Konsequenz: Der Rat versagte dem Antrag auf Errichtung eines Gebäudes mit drei Ferienwohnungen in der Kirchstraße sein Einvernehmen. Falls das Landratsamt trotzdem positiv entscheidet, sollen erwartete Lärmbelästigungen und vorgesehene Außentreppen unter die Lupe genommen werden.

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