Kappel-Grafenhausen Jubiläumsstaffelstab ist übergeben

Kappel kommt aus dem Feiern nicht heraus: Nach 800 Jahre ist vor 200 Jahre, oder: auf das Dorfjubiläum folgt das der Musikkapelle. Dazwischen fiel der Neujahrsempfang – der selbstredend von den beiden Ereignissen dominiert wurde.

Kappel-Grafenhausen. Eigentlich legt man in Kappel-Grafenhausen großen Wert auf Parität zwischen den beiden Ortsteilen. Bloß nicht riskieren, längst zugeschüttete Gräben wieder aufzureißen. Doch derzeit kommt selbst der sonst so auf Ausgleich bedachte Bürgermeister Jochen Paleit nicht umhin, der einen Hälfte seiner Doppelgemeinde mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen als der anderen. 2019 feierte Kappel 800-Jähriges, 2020 wird die Kappeler Musikkapelle 200. Das eine war ein fulminantes Fest, das andere soll eins werden, wie beim Neujahrsempfang einmal mehr betont wurde. Nach dem Donnerstagabend darf nicht nur der Rathauschef beruhigt sein: Unter den gut 250 Gästen in der Kappeler Halle waren auch viele Grafenhausener Gesichter zu entdecken. Man scheint den Nachbarn die Zeit im Rampenlicht zu gönnen – und feiert einfach neidlos mit. Der symbolträchtigste Moment des Abends: ... die Übergabe des "Jubiläumsstaffelstabs" von Hans­peter Urban (in Vertretung seines erkrankten Kollegen Andreas Andlauer) vom Arbeitskreis Gemeindejubiläum an Thomas Schaefers, Vorsitzender der Musikkapelle. In dem Papprohr steckte ein Banner mit der Aufschrift "800 Jahre Kappel". Als die beiden Männer es dem Publikum präsentieren, brandet Applaus auf, der anschwillt, als sie es umdrehen: "200 Jahre MK Kappel" steht auf der Rückseite. Urbans Bitte, sich zu erheben und dem Verein "Zum Geburtstag viel Glück" zu singen, kommt der Saal geschlossen nach.

Der eindrücklichste Moment des Abends: ... der Film über das vergangene Jubiläumsjahr. Der Fokus liegt auf dem großen Festwochenende im Juli, aber auch der Festabend im April und das Open-Air-Konzert "Zukunst" im September werden gewürdigt. Der Einspieler stammt von der Grafenhausener Videoproduktion Erny. Die Live-Moderation von Gerd Kölble – in reinstem Kapplerisch ("Ich geh’ runder vun de Bühn’, de Film isch schener wie ich") ist erfrischend und echt und kommt beim Publikum hörbar gut an.

Der großzügigste Moment des Abends: ... die Spendenübergabe des Arbeitskreises an die Gemeinde. Beim Jubiläumswochenende gab es eine Tombola mit Preisen im Gesamtwert von 4000 Euro. Trotz mehrfacher Aufrufe im Amtsblatt und in den Tageszeitungen wurde der Großteil der Gewinne nicht abgeholt. Kurzerhand verloste der Arbeitskreis die Preise beim Open-Air-Konzert noch einmal. Der Erlös von 760 Euro, den ein Gönner passenderweise auf 800 Euro aufgestockt hat, übergibt Hanspeter Urban an Jochen Paleit. Das Geld ist für den Hilfsfonds der Gemeinde bestimmt. Der historischste Moment des Abends: ... der kurzweilige Rückblick auf 200 Jahre Musikkapelle. Thomas Schaefers gelingt es zwei Jahrhunderte in nicht einmal acht Minuten zu packen – und dabei für einige Schmunzler zu sorgen. Beispiel: "34 Dirigenten hatten wir bisher. Macht einen Haltbarkeitswert von 5,9 Jahren. Im Durchschnitt wohlgemerkt. Denn zum Glück dürfen wir mit unserem aktuellen Musikdirektor Josef Loosmann schon seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeiten." Oder: "1826 hatte die Kappeler Kapelle einen Auftritt in Schweighausen, für den es viel Lob und – Zitat von damals – ›Schnaps und Speck in Hülle und Fülle‹ gab." Doch Schaefers kann auch ernst: "Wir sind einer der ältesten oder vielleicht sogar der älteste Musikverein in der Ortenau. Und als solcher haben wir eine Verantwortung. Unser Ziel ist es, jungen Menschen Spaß an der Musik zu vermitteln und ihnen dabei zu helfen, ihre Rolle in der Gesellschaft zu finden." Der jubiläumsfreieste Moment des Abends: ... der Ausblick Paleits auf wichtige kommunalpolitische Aufgaben der Zukunft. Bedeutendes steht unmittelbar bevor: Im März soll Richtfest für das Pflegeheim gefeiert werden. Ebenfalls noch im Frühjahr sind der Baustart der Mensa an der Ferdinand-Ruska-Schule sowie der neuen Kita in Kappel geplant. Zudem werde sich der Gemeinderat der Themen annehmen, die beim Bürgerforum im vergangenen Spätjahr gesammelt wurden. Insgesamt 110 Wünsche seien zusammengekommen, sagt Paleit. Die vordringlichsten: mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen und die Zahl von Ferienwohnungen regulieren. Paleit selbst wird von seiner Stellvertreterin Rebecca Wild gedankt, mit einem Blumenstrauß und einer kreativen Rede. Wild vergleicht das Leben in der Gemeinde mit einer Zugfahrt. Die Rolle des Rathauschefs dabei sei keine leichte: So müsse er etwa das Tempo hochhalten, gleichzeitig aber darauf achten, dass es keinem Reisenden schwindelig wird.

Der Auftakt zu 200 Jahre Musikkapelle Kappel wurde bereits mit dem Jahreskonzert 2019 mit Grafenhausen als Gastverein gemacht. Als Nächstes steht laut Vorsitzendem Thomas Schaefers ein Jubiläumskirchenkonzert im Mai an. Im September folgt "das große Festwochenende" und im Dezember das Jubiläumsjahreskonzert.

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