Kappel-Grafenhausen Gut aufgestellt, aber Nachwuchs fehlt

Der Gemeinderat Kappel-Grafenhausen hat den Feuerwehr-Bedarfsplan für die nächsten fünf Jahre einstimmig beschlossen. Er soll Planungssicherheit bis 2025 geben und dabei auch Risikoorientierung, Ausrüstung und Personalbedarf berücksichtigen.

Kappel-Grafenhausen. Kommandant Hilmar Singler und sein Stellvertreter Timo Hilß beantworteten in der Gemeinderatssitzung am Montag alle Fragen zum neuen Bedarfsplan der Feuerwehr. Da seine Erstellung sich immer aufwendig gestaltet, war der Bedarfsplan erstmals nach einem Workshop mit Feuerwehr und einigen Gemeinderatsmitgliedern von der externen Schwanauer Beraterfirma "Brandschutz 4" erstellt worden.   Angemessen ausgerüstet: "Die Do ppelgemeinde ist mit in Dörfern üblichen Brandsituationen konfrontiert", hieß es im Bedarfsplan. Für die vorhandene Risiken sei die Gemeinde angemessen ausgerüstet – bis auf eine dreiteilige Schiebleiter, die nun auf das größere Löschfahrzeug wechseln soll. Neue Anforderungen: Der künftige Rückhalte-Polder "Elzmündung" wird ganz neue Anforderungen bringen: Gemeinsam mit Schwanau wird die Feuerwehr Kappel-Grafenhausen dann zur Räumung bei Flutung, Personenrettung, Überwachung und Deichkontrolle gerufen werden. Jedoch: Ein Gesamtkonzept des Landratsamtes gibt es dafür noch nicht. Ebensowenig ein eigens, gemeinsames Wasserrettungsfahrzeug der drei involvierten Gemeinden Rhinau, Schwanau und Kappel-Grafenhausen. Und, weil auch sonst im Naturschutzgebiet Taubergießen Feuerwehr-Einsätze nötig werden könnten, etwa zur Rettung von Personen (etwa Bootfahrer) oder Tieren aus Gewässern, wurde vorgeschlagen, das betagte Löschfahrzeug LF 8/6 zu gegebener Zeit durch das allradgetriebenes Löschfahrzeug Katastrophenschutz LF 20 KatS zu ersetzen; nicht zuletzt auch für Einsätze in anderen schwierigen Außenbereichen samt Wald. Kooperation mit Nachbargemeinden: Organisatorisch hat sich schon längst bei größeren Einsätzen die Überlandhilfe mit den benachbarten Feuerwehren aus Rust und Schwanau bewährt, samt gemeinsamem Führungstrupp. Allerdings müsste noch ein gemeinsames Einsatzleitfahrzeug her, um die Kooperation weiter zu stärken. Personalmangel als größtes Problem: Die Tagesbereitschaft von Einsatzkräften gilt derzeit "als absolut kritischter Punkt" in der Doppelgemeinde, auch wegen vieler auswärtig arbeitender Feuerwehrmänner und -frauen. Deshalb muss dringend eine Verbesserung der Personalstärke angestrebt werden. Singler und Hilß berichteten, dass es trotz großer Bemühungen immer schwieriger werde, freiwillige Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Zudem werden in absehbarer Zeit mehr Kameraden altersbedingt aus dem aktiven Dienst ausscheiden, als die Jugendfeuerwehr nachliefern kann. Deshalb seien, so Singler und Hilß, noch viele Überlegungen nötig, wie man mit gezielten Werbeaktionen für den dringend benötigten freiwilligen Nachwuchs sorgen kann. Ein Problem, das auch andere Gemeinden haben. Komplimente, Lob und Unterstützung: Die Gemeinderäte stellten einige Verständnisfragen zum Bedarfsplan, kritische Anmerkungen blieben jedoch aus. Rebecca Wild (FW) sah noch einigen künftigen Gesprächsbedarf über verschiedene "Baustellen", dankte jedoch schon mal für die bisherigen Arbeiten der Feuerwehr. Die hatte immerhin gutachterlich attestiert bekommen, bislang nicht nur angemessen ausgerüstet, sondern "sehr rege und innovativ" zu sein. Bürgermeister Jochen Paleit versprach, dass die Gemeinde weiterhin alles tun werde, um ihre Wehr zu optimieren, zum Nutzen aller Bürger.

Eine "traurige Pflicht", so sein Bekunden, hatte Bürgermeister Jochen Paleit zu erfüllen. Er verabschiedete Julia Weber (FW) aus dem Gremium. Sie gehörte ihm seit den vorigen Kommunalwahlen nur ein Jahr an und musste nun ausscheiden, weil sie in Kappel-Grafenhausen keinen Bauplatz gefunden hatte – und deshalb jetzt in Orschweier eine neue Wohnheimat hat. "Geplant war’s eigentlich so nicht", verriet Weber ein wenig wehmütig. Paleit erinnerte an die gemeinsame Gemeinderatszeit mit Bürgerversammlungen, Gemeinderatsklausur und Corona-Einschränkungen und dankte Wild mit Blumen, Buch und Urkunde. Nachgerückt ist von der Liste der Freien Wähler nun der technische Projektleiter Rolf Braun (verheiratet, drei Kinder). Nach seiner Vereidigung erlebete er sogleich seine erste Sitzung als Gemeinderat.

  • Bewertung
    0