Kappel-Grafenhausen Giftköder: Große Wut auf Hundehasser

Woran schnüffelt der Hund? In Grafenhausen schaut man da mittlerweile genau hin. Foto: Decoux-Kone

Kappel-Grafenhausen - Nach mehreren Giftköder-Funden ist die Verunsicherung unter Kappel-Grafenhausener Hundehaltern groß. Einem Ehepaar ist die Ergreifung des Täters viel Geld wert: "Weil die Angst sonst nie aufhört."

Gesucht wird "polizeilich verwertbares Beweismaterial". Als Gegenleistung verspricht die Anzeige im Amtsblatt 1000 Euro, wenn damit die "Person, die Giftköder für Hunde und Katzen auslegt", identifiziert wird. Die Inserenten wollen anonym bleiben. Deshalb haben sie extra eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sie Hinweise erbitten: giftkoeder-kappel-grafenhausen@gmx.de.

"Die, die uns kennen, wissen, dass wir die Anzeige aufgegeben haben. Das reicht." Sie hätten nichts zu verbergen, sagen die Frau und der Mann, im Gegenteil: "Wir stehen voll und ganz hinter der Aktion." Aber wer wisse schon, "zu was jemand, der Tiere bewusst töten will, sonst noch fähig". Die beiden "wollen nicht, dass irgendwann ein Giftköder in unserem Garten liegt".

Seit November geht in der Doppelgemeinde die Angst um. Da tickerten die ersten Meldungen über die sozialen Netzwerke, jemand lege vermeintliche Leckerlis aus, die sich beim Verzehr als tödliche Falle für die Tiere entpuppten (wir berichteten). Betroffen sei vor allem der Bereich rund um den Grafenhausener Sportplatz, aber auch in Kappel soll es Funde gegeben haben. Die Gemeinde nahm die Sache ernst, bat Hundehalter im Verkündigungsblatt um besondere Vorsicht. Dennoch, so heißt es, seien mittlerweile zwei Hunde an den Giftködern verendet, einer habe nur dank des schnellen Eingreifens seines Besitzers gerettet werden können.

Was auffällt: Die ganze Geschichte spielt sich im Konjunktiv ab – "hätte", "wäre", "soll sein". Bis heute sind weder im Rathaus noch bei der Polizei Betroffene vorstellig geworden. Was man weiß, weiß man von Dritten oder vom Hörensagen. Dem Grafenhausener Ehepaar, das die Belohnung ausgesetzt hat, geht es nicht anders. Vor ein paar Tagen hat ihm eine Bekannte ein Bild geschickt. Die hatte das Foto bei Facebook entdeckt. Darauf zu sehen ist ein brauner Klumpen auf einem Küchenpapier. Möglicherweise handelt es sich um Dosenwurst, möglicherweise auch nur um Dreck. Falls es Wurst ist, ist freilich nicht klar, ob ihr Gift beigesetzt wurde. Und ob der Fund, wie bei Facebook angegeben, tatsächlich in der Grafenhausener Schubertstraße gemacht wurde? Lässt sich nur schwer verifizieren.

Das alles ist der Frau und dem Mann bewusst. Dennoch – oder gerade deshalb – haben sie ihre Anzeige geschaltet: "Wir finden, dass der Situation nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird." Mit ihrer Aktion wollen sie die Bevölkerung sensibilisieren. "Heute bleibt doch so gut wie nichts unbemerkt." Irgendjemand, davon sind die beiden überzeugt, muss irgendetwas gesehen haben. Kommissar Nachbarschaft halten sie in diesem Fall für die schärfste Waffe ("Die Polizei kann sich ja nicht mit 20 Ermittlern auf die Lauer legen"). Und "weil heutzutage für viele Geld leider der einzige Anreiz ist zu handeln, haben wir die Belohnung ausgesetzt".

Ganz selbstlos handeln die beiden Grafenhausener nicht. Bis vor Kurzem waren sie selbst Hundehalter – ihr vierbeiniger Begleiter ist eines natürlichen Todes gestorben – und wollen es zeitnah wieder werden. "Beim Spaziergang läuft die Angst immer mit. Wenn der Hund etwas frisst, weiß man nicht, ob er den Tag überlebt, das kann nicht sein".

Deshalb schließen die beiden Tierfreunde auch nicht aus, noch tiefer in die Tasche zu greifen: "Wenn sich niemand meldet, werden wir die Belohnung noch mal erhöhen." Wichtig sei nur eins: "Dass dieser Mensch gestoppt wird."

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