Kappel-Grafenhausen Fluchtauto lag in einem See im Elsass

In der Nacht auf den 11. April 2019 schlugen Ganoven am Shell-Tankhof in Grafenhausen nahe der Autobahn zu. Die Überwachungskamera hielt fest, wie die drei Männer einen dort aufgestellten Geldautomaten mit einem Auto aus dem Gebäude zogen. Einer der Täter hatte das Gerät zuvor mit einer Axt von der Wand gelöst – und eine Mitarbeiterin mit dem gefährlichen Werkzeug bedroht. Fotos/Screenshots: Bender Foto: Lahrer Zeitung

Der spektakuläre Geldautomatenraub von Grafenhausen bleibt wohl ungeklärt. Nach mehr als einem Jahr ist die Akte geschlossen. Tatverdächtige konnte die Kripo nicht ermitteln, obwohl sie den Fluchtwagen fand – in einem See im Elsass.

Grafenhausen. Es war ein Coup wie aus einem Actionfilm, der sich in der Nacht vom 10. auf den 11. April am Shell-Tankhof im Osten von Grafenhausen abspielte: Es ist kurz vor 1 Uhr, als ein Auto rückwärts dicht an den Eingang heranfährt. Drei Maskierte springen aus dem Wagen. Sofort wird klar, auf was sie es abgesehen haben: den Geldautomaten, der direkt hinter der Tankstellentür steht. Zwei Männer legen einen Spanngurt darum, während der Dritte das Gerät mit kräftigen Axthieben von der Wand löst. Nach nicht einmal einer Minute haben die Ganoven, was sie wollen. Sie steigen wieder ins Auto – und ziehen den Automaten mit Wucht aus dem Gebäude.

Fahrzeug wurde in Straßburg gestohlen

Festgehalten hat die Szenen eine Überwachungskamera der Tankstelle. Sie hat rund um die Uhr geöffnet; während der Tat halten sich dort neben einer Mitarbeiterin auch mehrere Kunden auf. Ein Umstand, den die Verbrecher nicht zu interessieren scheint, oder besser: den sie einkalkuliert haben. Wie die Polizei später rekonstruieren wird, schleifen die Männer ihre Beute etwa 300 Meter hinter sich her auf einen Feldweg. Dort laden sie den Automaten in den Wagen und fahren davon. Eine sofort eingeleitete Fahndung, bei der sogar ein Hubschrauber zum Einsatz kommt, bleibt ohne Erfolg.

Auch heute, mehr als ein Jahr nach dem skrupellosen und abgebrühten Raub, sind die Täter auf freiem Fuß – und bleiben es wohl auch. "Die Ermittlungen sind abgeschlossen", erklärt Polizeisprecher Yannik Hilger auf LZ-Nachfrage. Die Akten lägen mittlerweile mit dem Vermerk "Anzeige gegen Unbekannt" bei der Staatsanwaltschaft in Freiburg.

Dabei war die Suche nach den Räubern vielversprechend angelaufen. Wohl nicht zuletzt aufgrund der Nähe des Tatorts zur Grenze führten die Ermittlungen der Kripo schnell nach Frankreich. "Es ergaben sich Hinweise auf einen bestimmten Täterkreis aus dem Elsass", sagt Hilger. War in Grafenhausen eine Bande am Werk, die sich auf solche Art von Verbrechen spezialisiert hat? Der Polizeisprecher wird einsilbig. Dazu könnten "leider keine näheren Angaben gemacht werden".

Fakt ist: Die Beamten wurden auf der anderen Rheinseite fündig. Vier Tage nach dem Raub zogen sie das Tatfahrzeug aus einem See. "Darin befanden sich Teile des aufgebrochenen Geldautomaten, die Axt und der gelbe Lkw-Gurt, mit welchem der Geldautomat von dem Pkw gezogen wurde", berichtet Hilger. Die Beute freilich fehlte. Zum Zeitpunkt der Tat seien die Kassetten des Automaten mit einem mittleren fünfstelligen Betrag gefüllt gewesen, lässt die Polizei wissen. Der Bitte nach einem Foto des geborgenen Autos will sie indes nicht nachkommen.

So heiß die Spur zunächst schien, so schnell versandete sie wieder. Mithilfe ihrer französischen Kollegen fanden die Offenburger Beamten heraus, dass das Auto kurz vor der Tat in Straßburg gestohlen worden war – "weswegen hieraus keine Täterhinweise gezogen werden können", so Hilger. Eine Sackgasse, aus der die Ermittler offenbar nicht mehr rauskamen.

Maik Schneider, Chef des Grafenhausener Tankhofs, hat die Nachricht über die erfolglosen Ermittlungen "relativ emotionslos" aufgenommen. Wichtig sei ihm, dass es der Mitarbeiterin, die während der Tat Dienst hatte, wieder gut geht und sie weiterhin bei ihm arbeitet. Alarmiert vom Treiben der drei Männer war die Frau hinter dem Tresen hervorgekommen – woraufhin ihr der Täter mit der Axt das erhobene Werkzeug drohend entgegenstreckte. "Es ist natürlich schlimm, was passiert ist, aber ein Risiko, mit dem wir in unserer Branche leider leben müssen", erklärt Schneider im Gespräch mit der LZ.

Betreiber hat neuen Automaten aufgestellt

Die materiellen Schäden der Tat sind freilich längst behoben. Die Reparaturen an Treppengeländer und Tür, gegen die der Automat auf seinem Weg nach draußen geschlagen war, kosteten den Tankstellenbetreiber rund 5000 Euro. Mittlerweile steht auch wieder ein Geldautomat im Geschäft – allerdings nicht mehr direkt am Eingang. "Wer ihn jetzt stehlen will, muss ihn durch den ganzen Laden ziehen", sagt Schneider.

Vor drei Jahren sprengte eine Bande einen Geldautomaten in Sulz. Dass ein Automat nicht geknackt, sondern mitgenommen wird, ist zwar seltener, aber nicht einzigartig. 2015 ereignete sich ein ähnlicher Fall an der Autobahnraststätte in Mahlberg. Der Täter wurde geschnappt. Ein Zusammenhang zu dem Raub in Grafenhausen gibt es laut Polizei nicht.

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