Kappel-Grafenhausen Das schnellste Geschenk des Jahres

Rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Bürgerschaft kamen zum Neujahrsempfang der Doppelgemeinde in die Grafenhausener Halle. Foto: Bender

Kappel-Grafenhausen - Die Telekom baut ihr Glasfasernetz aus: In rund einem Jahr soll Kappel-Grafenhausen mit Highspeed surfen, für den Rest des Vorwahlbereichs laufen die Planungen. Längst nicht die einzige frohe Kunde beim Neujahrsempfang der Doppelgemeinde.

 

Es war eine kurzweilige Veranstaltung am Donnerstagabend in der Grafenhausener Halle. Ein Saxofon-Sextett der Musikkapelle unterhielt mit beschwingten Tönen, die neue Geschäftsführerin des Naturschutzgebiets Taubergießen, Bettina Saier, berichtete Wissenswertes von ihrer früheren Arbeit in Kanada. Den Gesprächsstoff für die rund 250 Gäste beim Stehempfang nach dem offiziellen Programm aber lieferte ein Mann namens Christopher Beußel.

> Thema: Anstelle eines Bühnenmonologs hatte Bürgermeister Jochen Paleit für den Neujahrsempfang eine kleine Podiumsdiskussion organisiert. Der Rathauschef als Moderator statt als Redner. Seine Gesprächspartner: Manfred Vogt, Betriebsleiter der Kläranlage Kappel, Ralph Liebold von Unger-Ingenieure, die für die Sanierung der Grafenhausener Ortsdurchfahrt verantwortlich zeichnen, und besagter Beußel, Regio-Manager der Telekom. Das Thema: In­frastruktur.

> Internet: Beußel kündigte dem Publikum in Sachen Internet "Blutdruck senkende Nachrichten" an – und versprach damit nicht zu viel. Die Tage, in denen die Bürger der Doppelgemeinde auf Ladebalken starren, soll bald vorbei sein: "Wir haben die Freigabe von Bundesnetzagentur und Gemeinde", berichtete der Telekom-Mann, "spielt das Wetter mit, geht’s im Frühjahr los." Heißt: In den Boden kommt "ein Spinnennetz aus Glasfasern" (Beußel), das acht Kabelverzweiger – oder neudeutsch: Multifunktionsgehäuse – miteinander verbindet. Von den grauen Kästen am Straßenrand geht es dann mit Hochgeschwindigkeit in die Haushalte: Der Bonner Telefonriese verspricht bis zu 100 Megabit beim Download und 40 beim Upload. Und zwar spätestens zum Ende des ersten Quartals 2019. "Tolle Neuigkeiten", fand Moderator Paleit, der selbst erst seit zweieinhalb Monaten von den Ausbauplänen weiß. "Doch wie sieht es in 30 Jahren aus?" Beußel: "In den Leitungen ist noch Luft, bei Bedarf ziehen wir weitere Glasfaserstränge durch."

> Wasser: Um künftig die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden zu gewährleisten, plant Kappel-Grafenhausen im Zweckverband mit den Nachbarn aus Rust, im Daslacher Feld (zwischen Kappel und Grafenhausen), einen weiteren Brunnen zu schlagen. Schon seit geraumer Zeit laufen Erkundungsbohrungen. Bis die neue Quelle sprudelt, dürfte noch einiges Wasser den Rhein runtergehen. Die Infrastruktur wird aber bereits heute geschaffen.

Davon können die Grafenhausener ein Lied singen – schon bald jedoch die letzte Strophe anstimmen. Denn Bürgermeister Paleit entlockte dem Verantwortlichen ein Versprechen, das die Anwohner der Hauptstraße hoffen lässt: Ausbleibende Wetterkapriolen vorausgesetzt werde die Umgestaltung und Sanierung der Ortsdurchfahrt im Frühjahr abgeschlossen, so Bauleiter Ralph Liebold. Dreieinhalb Jahre in Nachbarschaft mit Bagger, Lastwagen und Betonmischer hätten dann ein Ende. Paleit weiß, dass die Geduld der Menschen strapaziert wurde ("Bauen kann wehtun"), aber auch um die Vorteile für die Gemeinde. Eine neue, schöne Optik ist das eine, der Nutzen das andere.

Womit man wieder beim Thema Wasserversorgung war. Einem Thema, das laut Liebold "in der Öffentlichkeit leider oft nicht genügend wertgeschätzt wird". Die Verantwortlichen tun diesen Fehler nicht: Vier Kilometer Leitungen wurden in den vergangenen Monaten verlegt, zwei auf der Hauptstraße, zwei weitere, um an die Grundstücke zu gelangen. "Alles, damit wir uns jeden Morgen die Zähne putzen können."

> Abwasser: Unter anderem für die Mundhygiene lässt der Durchschnittsbürger täglich 120 Liter Trinkwasser aus dem Hahn. Nur fünf davon werden tatsächlich verbraucht, der Rest läuft zu ihm: Manfred Vogt, verantwortlich für die Kappeler Kläranlage, die in diesem Jahr mit viel Aufwand und Geld fit gemacht wurde für die steigenden Bevölkerungs- und Gästezahlen. 6,5 Millionen Euro ließen sich die Verbandsgemeinden unter anderem ein viertes Klärbecken kosten. Ende nicht in Sicht: Allein in den nächsten beiden Jahren sind Maßnahmen von einem Gegenwert von weiteren zwei Millionen Euro geplant.

> Fazit: Die Mittel dafür sind da. So hätten sich etwa die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, erklärte Paleit und stellte fest: "Es geht uns gut." Dennoch sei man weit davon entfernt, das Geld mit der Gießkanne zu verteilen. Kappel-Grafenhausen verfüge nicht nur über eine leistungsstarke Infrastruktur, sondern auch über eine "außerordentlich gute Bildungslandschaft", habe mit dem Hubfeld IV ein Baugebiet mit 100 neuen Grundstücken erschlossen und investiere mit Projekten wie den Wilden Weiden und dem Schonwald in eine "gesunde und hoffentlich friedliche Zukunft".

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