Kappel-Grafenhausen Bürger-Einsatz: Kappler ernten Schilf für ihr Jubiläum

Kappel - Bei bestem Wetter haben Kappler Bürger über Ostern mitgeholfen, jede Menge Schilf für das 800-Jahr-Jubiläum im Sommer zu ernten. Dazu war vor allem Handarbeit gefragt.

Ein Bild fast wie aus vergangenen Zeiten bot sich am Samstag im Acker-Außenbereich. Dort hatten sich rund 30 Bürger unter nachmittäglicher Frühlingssonne eingefunden, um gemeinsam Schilf zu ernten. Jüngere von ihnen kannten das längst nicht mehr, denn Schilfrohr aus dem Rheinauen-Ried hat als Naturbaustoff etwa für Reetdächer schon seit langem ausgedient.

Das Dorf will sich zum großen Fest traditionell herausschmücken

Doch aktuell wird wieder eine Menge Schilf gebraucht, denn zum großen Kappler 800-Jahr-Jubiläumsfest am 20. und 21. Juli will sich das einstige Fischer- und Bauerndorf stilgerecht schmücken. Dann werden nahe der Elz in der Löwenstraße und auch in der Bachgasse und Hauptstraße gleich 32 Bauernhöfe für die erwarteten Jubiläums-Gäste aus der ganzen Region geöffnet und zum Teil wiederbelebt. Dies mit zahlreichen Themen zur Landwirtschafts-Vergangenheit des Dorfes.

Obwohl als Fest-Höhepunkt abends die "Elz in Flammen" stehen wird, werden die Schilfbündel natürlich nicht für diese Aktion eingesetzt und verbrannt. Stattdessen werden die Naturbüschel nun von der "Hofgestalter-Gruppe" und dem "Deko-Team" verteilt, um damit das Dorf ganz besonders hübsch zu schmücken.

Dafür packte Hanspeter Urban als Organisator des Elz- Wochenendes selbst mit an, unterstützt von einigen Frauen in schon fertig genähter, nachempfundener bäuerlicher Alltags-Arbeitskleidung.

Schilf wird bis zu 2,5 Meter hoch

Weil in heutigen Naturschutzgebieten kein Schilf mehr geerntet werden darf, stellte Wilhelm Bumann sein Schilf für die Aktion zur Verfügung. Dieses wächst auf 50 Ar Ackerfläche, vor zehn Jahren erstmals angelegt und prächtig gedeihend, bis zu 2,5 Meter hoch. Da handelt es sich um die Sorte "Miscanthus", auch Riesen-Chinaschilf genannt. Diese Art ist stabil und kommt ohne viel Sumpfwasser aus, es ähnelt in seiner Struktur dünnem Bambus aus der gemeinsamen Familie der Süßgräser. Normalerweise verkauft Bumann das Schilf in gehäckselter Form als regenerativen Bio-Brennstoff. Allein sein Feld spart so den Verbrauch von 8000 Litern Heizöl jährlich.

Nun wurde ein Teil des Bumannschen Schilf-Ackers außen herum mit Traktorenhilfe für das Jubiläum vorzeitig niedergemäht. Geschätzte 300 Schilf- Garben wurden parallel dazu gebündelt.

Auch Vesperpäuschen durften nicht ausbleiben, ganz wie früher auf dem Acker. Urban freut sich über den vor-österlichen Ernteerfolg: "Kappel wird auf der Festmeile im Juli wieder mehr nach altem Fischer- und Bauerndorf aussehen!" Viel übrig geblieben ist von der Erwerbstradition allerdings nicht mehr. Nur noch zwei Haupterwerbslandwirte sind auf Kappeler Äckern aktiv, den Rest bestellen geschätzt 20 Familien nur noch im Nebenberuf oder nach Feierabend. So wie auch Bumannn als Schilf- Spender.

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