Kappel 800 Jahre Dorfgeschichte: Tausende blicken zurück

Kappel - Mehr als zehntausend Besucher haben das Kappeler Jubiläumsfest genossen und flanierten rund um die Elz. Im Dorfkern wurde mit der ausgeschmückten Festmeile an die bäuerliche Vergangenheit erinnert.

Das Festwochenende zum 800-jährigen Kappeler Ortsjubiläum wurde zum Besuchererfolg: schon am Samstag waren rund 7 000 Menschen angereist. Zur Eröffnung am Samstag, Punkt zwölf Uhr, nach Böllerschüssen der Altdorfer Revoluzzer-Schützen, führte der Kappeler Musikverein, der gleichzeitig sein 200-jähriges Gründungsjubiläum mit feierte, mit Josef Loosmann den Triumphzug an, gefolgt von Kappelern in historischer Kleidung. Bürgermeister Jochen Paleit hatte dann eine lange Begrüßungsliste abzuarbeiten. Es war auch viel lokale Politprominenz aus der Umgegend erschienen, samt einigen Bundes- und Landtagsabgeordneten.

Viele Jahrhunderte lang habe der wilde Rhein das Dorf geprägt, so Paleit, dazu wurden in Kriegen Not und Schrecken verbreitet. Doch: "Heute geht es uns gut in Kappel!" Ehrenbürger Walter Batt umriss in gereimter Form die Dorfgeschichte seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1266. Die "Festprinzen" An­dreas Andlauer und Hanspeter Urban stellten ihren zwölfköpfigen Vorbereitungs-Arbeitskreis einzeln vor, samt Gerd Kölble als Logistik-Chef. Rainer Robol und Beate Krumbachner hatten zudem eigens ein Jubiläumslied komponiert und getextet, das sofort begeistert mitgesungen wurde: "Wir leben gern in Kappel und woll’n nicht fort von hier!" Mit drei kräftigen bürgermeisterlichen Fassanstich-Schlägen nach Klängen der Rhinauer Schalmeien-Kapelle war dann das große Fest eröffnet.

Überall ließ sich altem Handwerk auf die Finger schauen, ob bei Strohschuhherstellung, Korbflechten oder Sattlerei. Alles zumeist in extra dafür geöffneten privaten alten Höfen: Viele der Anlieger hatten gerne mitgemacht, sogar ihre Gärten direkt am Elzufer aufgehübscht und geöffnet, oder altes landwirtschaftliches Gerät aus den Scheunen geholt.

Der berühmte Friedensschluss zu Kappel von 1266 wurde von Karl-Heinz Speier mit zehn Laiendarstellern samt Gefolge inszeniert. Außedem agierten auf zwei Bühnen mehrfach Schüler der vierten Taubergießen-Schulklasse mit einem Stück über die Fridolins-Sage zum irischen Missionar, der vor Ort eine erste Kapelle gegründet haben soll. Ein Kinderballett erinnerte an die alte Fischerei- Tradition. Dazu hatte auch die Kappeler Fischerzunft, eine der ältesten am ganzen Oberrhein, Vorträge vorbereitet. Optisch illustriert wurde das Thema mit Boots-Umzügen auf der Elz – da hatten die flachen Kähne allerdings gelegentlich Probleme mit dem niedrigen Wasserstand. Auch sonst herrschte keine Programm-Lücke, ob bei Waschweibern am Ufer oder musikalischer Unterhaltung mehrerer Gruppen.

Abends wurde das Elz-Teilstück schließlich mit sich im Wasser spiegelnden Lichterketten, Scheinwerfern und Fackeln prächtig illuminiert. Nach Mitternacht verzauberte "Betty Black" auf der Elzbrücke unter anderem als Feuerschluckerin.

Vereine und Anlieger hatten dafür gesorgt, dass bäuerisch geschlemmt werden konnte. Doch nicht nur das gefiel den Besuchern. Alle lobten die engagierte Kappeler Gastfreundschaft, für die immerhin rund 1800 Helfer gesorgt hatten – auch aus Grafenhausen. Gerd Kölble zog nach einer langen Sonntagsnacht die erste Bilanz: "Unsere Jubiläumsfeier war ein Riesen-Erfolg, dank allen Gästen und den vielen mithelfenden Bürgern!" Geschätzt 14 000 Besucher dürften an beiden Tagen die Eintrittskassen passiert haben, Kinder natürlich kostenlos.

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