Investoren verbauen Millionen „Schlafzimmer des Europa-Parks“ wächst trotz Corona

Blick ins Ringsheimer Leimenfeld II: Derzeit entsteht ein Bungalow-Dorf (gelbe Häuser) inklusive Hotel, zwei weitere Beherbergungsbetriebe sollen folgen. Foto: Ullrich

Ringsheim - Die Corona-Delle scheint in Ringsheim keine bleibenden Spuren zu hinterlassen, im Gegenteil: Die "Hotelmeile" wächst und wächst – drei Beherbergungsbetriebe kommen bald hinzu. Danach jedoch liegt der Fokus auf anderen Gewerben.

Kräne ragen in den Himmel, Transporter und Lastwagen fahren an und ab, überall geschäftige Handwerker: Im Ringsheimer Westen brummt’s. Bürgermeister Pascal Weber sieht das Treiben gerne. Die Botschaft: Es geht weiter, trotz Corona. "Gerade der Tourismus hat in den vergangenen Monaten sehr gelitten, wir sind froh, dass die Zeichen jetzt auf Besserung stehen."

Das Hauptaugenmerk im Leimenfeld II, dem Gewerbegebiet zwischen Autobahn und Bahn, gilt seit je her dem Fremdenverkehr; der örtliche Volksmund nennt es die "Hotelmeile", man könnte es auch als das Schlafzimmer des Europa-Parks bezeichnen. Vier Hotels stehen dort bereits – das "Holiday Inn", das Babylon, das "La Toscana" und das "Sleep & Spa". Dazu das "Sun Parc", etwas weiter östlich Richtung Ortsmitte. Und nun? Ein fünfter großer Beherbergungsbetrieb befindet sich gerade im Bau, zwei weitere in Planung.

Auf einer Fläche von knapp 1,5 Hektar wachsen seit vergangenem Jahr eine Bungalow-Siedlung und ein Hotel in die Höhe. 15 Häuser mit je zwei Wohnungen umfasst das Feriendorf. Ein Angebot, das in gut einem Jahr vor allem Familien nutzen sollen. Weber: "Die Bungalows wären wohl schon etwas früher fertig, aber der Betrieb soll erst starten, wenn auch das Hotel fertig ist." So sei es zwischen dem Freiburger Investor und dem künftigen Pächter vereinbart. Der Gesamtkomplex – Häuser und Hotel – wird 240 Betten haben.

Weitere Bauanträge befinden sich in der Genehmigungsphase

Auf einem weiteren Grundstück an der Herbolzheimer Straße, in Verlänger­ung­ des "Holiday Inn", rollen nach Wissensstand des Rathauschefs "im Winter, spätestens im kommenden Frühjahr" die Bagger. Bebaut wird die 27,5 Ar große Fläche von einem Ringsheimer, dem Eigentümer des "Babylon". Etwas mehr als 100 Betten sollen in dem Hotel entstehen. "Der Bauantrag befindet sich derzeit in der Genehmigungsphase", sagt Weber.

So weit ist ein Münchener Investor auf dem 65-Ar-Grundstück südlich der Tennisplätze noch nicht. "Da gab es während Corona ein paar Schwierigkeiten, die sind aber überwunden", sagt Weber. Die Geberlaune der Banken war während der Pandemie etwas getrübt. Wann das Hotel-Projekt realisiert wird, ist noch unklar, ebenso die Zahl der geplanten Zimmer.

Weber, der schätzt, dass die drei Investoren zusammen einen "zweistelligen Millionenbetrag" im Leimenfeld II verbauen, weiß um die Vorbehalte im Ort gegenüber dem Tourismus. Der Flächenverbrauch ist groß, die Wertschöpfung gering. Indes – der Weg Richtung Fremdenverkehr war schon weit vor Beginn seiner Ära im Ringsheimer Rathaus Ende 2017 eingeschlagen. "Der Großteil des Gebiets ist als Sonderfläche Tourismus ausgewiesen, daran gibt es nichts zu rütteln", sagt Weber und betont: "Alle Flächen im Leimenfeld II sind vergeben und der Bedarf an Beherbergungsbetrieben jetzt übererfüllt."

Gemeinde erschließt "Leimenfeld 3.0"

Auch deshalb entwickelt die Gemeinde direkt südlich im Anschluss aktuell das "Leimenfeld 3.0". Im Herbst soll es erschlossen sein. Die ersten drei Zugänge sind bereits fix: ein Maschinen- und Werkzeugbauer, ein Automatenvertrieb und ein Caravan-Zulieferer. "Alles Unternehmen, die qualifizierte Arbeitsplätze schaffen", sagt Weber. Das sei der wichtigste Parameter, an denen Ansiedlungswünsche gemessen würden. Und davon gibt es einige, wie der Bürgermeister berichtet: "Mehr, als wir Platz zur Verfügung haben. Viele gehen aber in eine Richtung, die wir nicht wollen." Hallenbau für Wohnmobilstellplätze würde etwa oft angefragt und – natürlich – Hotels. Alle erhielten Absagen.

Von 40.000 Quadratmetern im "Leimenfeld 3.0" sind laut Weber noch gut zwei Drittel frei. "Wir entscheiden in Ruhe, ohne Druck. Wenn wir in zwei, drei Jahren noch Flächen übrig haben, können wir gut damit leben."

Derzeit gibt es im Leimenfeld II vier Hotels mit insgesamt rund 630 Betten, das "Holiday Inn" (330 Betten), das "La Toscana" (200), das "Babylon" und das "Sleep & Spa (jeweils etwa 50). Mit dem entstehenden Bungalow-Dorf inklusive Hotel sowie den beiden weiteren geplanten Hotels würde die Bettenzahl auf mehr als 1.000 steigen.

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