Innovatives Heizen Seelbacher Baumhäuser setzen auf Infrarot

Vincent Kaptiel-Stietzel

Spätestens seit den stark steigenden Öl- und Gaskosten sind umweltschonende Heizoptionen ein heiß diskutiertes Thema. Staatssekretärin Sandra Boser kam nach Seelbach, um sich dort moderne Infrarot-Heiztechnik anzuschauen.

Seelbach - Seit Anfang April mag sich der ein- oder andere Autofahrer wundern, wenn er aus Richtung Wittelbach in Seelbach einfährt: Eine ganze Siedlung aus zweistöckigen Holzhütten im rustikalen Stil scheint meterhoch in der Luft zu schweben – bis man entdeckt, dass sie auf gewaltigen, beeindruckenden Säulen im Stil von Holzstämmen gebaut sind. Das "Baumhaus-Dörfle" des Campingplatzes "Ferienparadies Schwarzwälder Hof" wurde erst im April diesen Jahres eröffnet – und ist jetzt schon gut gebucht.

Sandra Boser, Grüne Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Lahr und Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Stuttgart, hat Glück: Ein Baumhaus kann am Montagvormittag besichtigt werden, bevor es, so der stellvertretende Geschäftsführer des Hofes, Marco Schäfer, wie die anderen Baumhäuser von Gästen bezogen wird. Aber die Politikerin ist nicht hier, weil die Häuser aus- und auf Bäumen gebaut wurden, sondern, weil sie sich ein Bild von dem machen will, was in ihnen steckt: Modernste, umweltschonende Heiztechnik.

Keine Rohre und regulierte Fenster

Denn die Baumhäuser werden mit Infrarot-Wärmetechnik geheizt. Was erst für Verwirrung sorgen mag, schließlich assoziiert man Infrarot eher mit Sensoren, Fernbedienungen und Kameras, ist inzwischen auch eine innovative Heiz-Möglichkeit.

Laut Karl-Heinz Schmidt, Inhaber des Seelbacher Licht- und Wärmetechnik-Unternehmens Espro, gibt es gute Gründe, die für Infrarot sprechen: "Der Vorteil ist, dass sie keine Rohre brauchen." Denn eine Infrarotheizung wird direkt mit Strom "befeuert" – eine einzelne, große Platte in jedem Zimmer gibt dann die Wärme ab und reicht aus, um das Haus wohlig warmzumachen. Und das genauer als viele ältere Heizungstypen: "Unser System regelt die Raumtemperatur konstant auf +/- 0,1 Grad genau." Das liege auch daran, dass zum Beispiel die Fenster in den Baumhäusern über Kontakte vom Heizsystem überwacht werden: Geht ein Fenster auf, wird die Temperatur automatisch heruntergedreht. Damit heizt man nicht zum Fenster hinaus. Darauf ist Schmidt besonders stolz: "Wir sind der einzige Hersteller am Markt, der Infrarotheizung mit Steuerungstechnik für Fenster anbietet."

Ein weiterer Vorteil der Infrarottechnik: Man kann sie leicht steuern. In mehreren Zimmern und Etagen gibt es Thermostate, mit denen die Temperatur im Haus reguliert werden kann. Das sei laut Schäfer gerade in Ferienwohnungen wichtig, da es für die Gäste viel bequemer und nicht anstrengend sei.

Staatssekretärin Boser freut sich über die Technik, denn gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, "dass es auch ohne fossile Brennstoffe geht." Bedenken erwähnt sie aber auch bei der Infrarottechnik: "Was Verbraucherzentralen kritisch sehen, sind die Energiekosten." Schmidt erklärt daraufhin, dass die Technik zwar 20 bis 30 Prozent mehr Energie als eine ebenfalls stromgespeiste Wärmepumpe bräuchte, aber dafür viel weniger Aufwand beim Einbau verursache – und damit geringere Kosten: "Eine Kosteneinsparung bei der Investition von fünfzehn- bis zwanzigtausend Euro pro Haus im Vergleich zur Pumpe."

Als Boser mit neuen Eindrücken zurück nach Stuttgart fährt, sagt sie zu Schmidt und Schäfer mit einem Lächeln: "Herzlichen Glückwunsch, das ist etwas Tolles."

Laut der Firma Espro ist das Besondere an Infrarotheizungen, dass nicht wie bei traditionellen Heizkolben die Luft im Raum, sondern der Raum selbst erhitzt wird: Ähnlich wie die Sonne strahlt die Heizplatte die Wärme direkt aus, die Wände und Möbel würden diese aufnehmen und wieder abgeben. Der Energiebedarf bleibe dank der automatischen Regelungstechnik niedrig.

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