Immer mehr Umweltsünder Sogar 100 Grillhähnchen landen in der Natur

Ortenaukreis - Bereits in der Corona-Krise hatten Kreis und Kommunen mit deutlich mehr Müll auf Wegen, Rastplätzen und in der Natur zu kämpfen. So sammelt etwa seit Ausbruch der Pandemie der Lahrer Bau- und Gartenbetrieb (BGL) tonnenweise mehr Müll in den Grünanlagen der Stadt ein (wir berichteten).

Nun scheint jedoch ein neuer Tiefpunkt der illegalen Müllentsorgung in der Ortenau erreicht worden zu sein: "In den letzten Monaten stoßen die Kollegen unserer vier Straßenmeistereien vermehrt auf Abfälle entlang den rund 1.000 Kilometer langen Kreis-, Landes- und Bundesstraßen und im Bereich der 72 Parkplätze, die der Ortenaukreis unterhält", so der Ortenauer Straßenbauamtsleiter Roland Gäßler. Dabei handele es sich teilweise um massive und regelmäßige illegale Entsorgungen – von weggeworfene Kippen, Zigarettenschachteln und ausgedienten Corona-Masken über Plastikflaschen und anderen Verpackungsmüll bis hin zu Autoreifen, Bauschutt oder Sperrmüll.

"Es gibt fast nichts, das nicht auch regelmäßig auf den Parkplätzen gefunden wird", so der stellvertretende Leiter der Straßenmeisterei Offenburg, Matthias Strübel. So haben die Straßenmeister am vergangenen Wochenende im Bereich eines Parkplatzes an der Landesstraße bei Altenheim mehr als 100 Grillhähnchen im Rohzustand in der Böschung vorgefunden. Die Entsorgung von Schlachtabfällen sind auf diesem Parkplatz schon mehrfach festgestellt worden.

Katzenstreu und Löschkalk entsorgt

Auch der Parkplatz am Sundheimer Fort bei Kehl wird regelmäßig für die Entsorgung von großen Mengen Katzenstreu zwischen 50 bis 100 Kilogramm genutzt. Auf weiteren Parkplätzen entlang der B  28 werden immer wieder größere Mengen Löschkalk abgelegt, was bereits mehrere Zehntausend Euro Entsorgungskosten verursacht hat. Hinzu kommen Altfahrzeuge aus dem Europäischen Ausland, die hier abgestellt werden.

"Die Beseitigung verursacht enorme Kosten für den Steuerzahler und verschandelt darüber hinaus das Landschaftsbild. Zudem werden Parkplätze unattraktiv für Erholungssuchende", gibt der Straßenbauamtsleiter zu bedenken. Nicht zuletzt breiten sich durch sie auch Schädlinge wie Ratten aus und es können gar Krankheiten wie etwa die Schweinepest übertragen werden. Wer seinen Müll achtlos wegwirft oder gar bewusst illegal dort entsorgt, gefährdet zudem das Trinkwasser und die Umwelt.

"Wilde Müllablagerungen oder die Vermüllung der Landschaft, das sogenannte Littering, sind längst keine Kavaliersdelikte mehr: Wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Bußgeldern oder gar mit einem Strafverfahren rechnen", so Julia Morelle, die Leiterin des Amts für Gewerbeaufsicht, Immissionsschutz und Abfallrecht des Ortenaukreises. 2018 trat in Baden-Württemberg ein neuer Bußgeldkatalog für Umweltverstöße in Kraft.

Auch haben bereits etliche Kommunen ihre örtlichen Polizeiverordnungen um entsprechende Tatbestände erweitert. "Da der Ortenaukreis landesweit mit die günstigsten Hausmüllgebühren hat, ist es ohnehin unverständlich und unnötig, dass Menschen ihre Abfälle achtlos in die Landschaft werfen", ergänzt Günter Arbogast, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Ortenaukreis. Viele aufgefundene Abfälle können auch kostenlos auf unseren Wertstoffhöfen abgegeben werden.

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