Hundetraining ohne Schmerzen Verordnung erschwert Polizei die Ausbildung der Vierbeiner

Marco Armbruster
Polizeihundeführer müssen ihre vierbeinigen Kollegen auch in brenzligen Situationen unter Kontrolle haben. Dafür kamen bisher in der Ausbildung auch Stachelhalsbänder zum Einsatz – das ist seit Jahresbeginn jedoch verboten. Foto: Assanimoghaddam

Stachelhalsband und Co. sind seit Jahresbeginn im Hundetraining tabu. Die Polizei stellt das vor ein Problem: Ohne sei die Ausbildung leistungsstarker Tiere gefährdet, heißt es. Dabei spielen die Vierbeiner eine wichtige Rolle – auch in der Ortenau.

Offenburg. Ob bei der Vermisstensuche, der Drogenrazzia oder bei großen Demos – die Einsatzkräfte auf vier Pfoten unterstützen die menschlichen Kollegen in vielen, teilweise brenzligen Situationen. "Die Polizeihunde sind ein absolut wichtiges Einsatzmittel", bestätigt Ansgar Gernsbeck, Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg, im Gespräch mit unserer Zeitung. 22 Tiere sind derzeit für das Präsidium im Einsatz, drei davon befinden sich noch in der Ausbildung. Gemeinsam mit 18 speziell geschulten Beamten bilden sie die sogenannte Polizeihundeführerstaffel.

Meist würden die Vierbeiner aufgrund ihrer feinen Nasen eingesetzt, berichtet Gernsbeck. Zehn der Offenburger Tiere sind etwa dazu ausgebildet, Rauschgift aufzuspüren, vier können Waffen und Sprengstoff erschnüffeln. Ergänzt wird das Team durch einen Brandmittel- sowie einen Blut- und Leichensuchhund. Ein weiteres Tier kann gar Banknoten ausfindig machen, informiert die Polizei.

Allerdings gehört noch mehr als nur Schnüffeln zum Aufgabengebiet der Polizeihunde: In kritischen Situationen flößen die Tiere Respekt ein, dienen so auch dem Schutz der eingesetzten Beamten. "In vielen Fällen wird sogar allein durch die Präsenz von Polizeihunden eine Eskalation verhindert", teilt das Innenministerium Baden-Württemberg auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Dafür brauchen Polizeihunde eine spezielle Ausbildung – die durch die neue Tierschutz-Hundeverordnung erschwert wird. Dabei hat die Regelung, die seit Jahresbeginn gilt, nur das Tierwohl im Blick: "Schmerzhafte Mittel" sind in der Ausbildung und beim Training der Tiere nicht mehr erlaubt.

Schutzhunde werden auch darauf vorbereitet, dass sie im Einsatz angegriffen werden

In der Ausbildung der Polizeihunde wurden in Baden-Württemberg bis zum Inkrafttreten der Änderungen "bei entsprechendem Bedarf in erster Linie sogenannte Stachelhalsbänder eingesetzt", bestätigt das Innenministerium auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei handele es sich "um ein Halsband mit nach innen gerichteten, abgeflachten oder abgerundeten Metallfortsätzen". Ein kurzer Schmerzreiz soll die Hunde von einem "kurzfristigen, unerwünschten Verhalten" abhalten.

Darüber hinaus würden die Schutzhunde beim Training auch darauf vorbereitet, dass sie im Einsatz angegriffen werden. "Nur ein Hund, der vorsichtig und tierschutzkonform an entsprechende Einsatzlagen herangeführt wurde, kann in jeder Situation zuverlässig seiner Arbeit nachgehen", so das Ministerium.

Ein dauerhaftes Verbot von Stachelhalsbändern und anderer schmerzverursachender Trainingsmethoden sieht man in Stuttgart kritisch. Das würde "die zuverlässige Ausbildung leistungsstarker Polizeihunde gefährden". Ähnlich erfolgversprechende, alternative Trainingsmethoden seien bislang nicht bekannt. Dennoch wird seit Jahresbeginn auf die Anwendung solcher Methoden in der Ausbildung der Hunde verzichtet – nicht jedoch im Einsatz. Fachausschüsse des Bundesrats würden derzeit über die Schaffung einer Ausnahmeregelung für Behörden beraten – eine Entscheidung gebe es noch nicht.

Eventuell auf den Einsatz der Tiere zu verzichten – wie zwischenzeitlich als Reaktion auf die Verordnung in Berlin geschehen – ist für das Polizeipräsidium Offenburg schwierig. Die Polizeihunde seien "ganz wichtig für die tägliche Arbeit", erklärt Polizeisprecher Gernsbeck.

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