Normalität kehrt langsam zurück "Wir haben nur noch funktioniert"

Thomas Schellinger-Pusler, Andrea Furtwängler-Joos und Mitarbeiterin Manuela Hezel sind erleichtert, dass etwas Normalität im Stephanus-Haus eingekehrt ist. Foto: Kornfeld

Hornberg - Eine harte Zeit liegt hinter Bewohnern, Mitarbeitern und Leitung des Stephanus-Hauses in Hornberg. Und auch wenn die Beteiligten erleichtert sind, dass alles überstanden scheint, sind doch teilweise Bedenken zu spüren, wie es mit der Pandemie weitergeht.

Die Zeichen stehen auf Entspannung im Stephanus-Haus. Ein erstes Grillfest nach der langen Zeit, einmal für die Bewohner und einmal für die Mitarbeiter, ist ein erster Auftakt gewesen. Auch dass wieder Gottesdienste möglich sind, ist ein Zeichen zunehmender Normalität.

Die Normalität kehrt langsam zurück

Und die sei sehr wichtig, betont Gebietsleiter Thomas Schellinger-Pusler. Auch wenn man jetzt neue Wege gehen müsse, weil die Gruppenangebote nicht mehr möglich seien. Wichtig ist es für viele Bewohner auch, etwas sinnvolles zu tun, so hilft eine Bewohnerin, wenn sie mag, beim Bügeln, ein anderer Senior geht dem Gärtner zu Hand. Es seien zwar viele Bewohner geimpft, aber es seien Neue dazu gekommen, bei denen das noch nicht der Fall sei, so Schellinger Pusler. Daher stünden nun Einzelangebote im Fokus.

Das Mitarbeiterteam sei in der schwierigen Zeit noch enger zusammengewachsen als zuvor. Da auch aus Team einige erkrankt waren, habe jeder alle Arbeiten machen müssen, um die Betreuung aufrecht zu erhalten. "Da war sich keiner zu fein", so der Gebietsleiter. Egal ob aus der Hauswirtschaft, aus dem sozialen Team, der Pflegeleitung oder anderen Bereichen, "keiner konnte in seiner Schublade denken".

Das bestätigt Mitarbeiterin Andrea Furtwängler-Joos: "Die Bereiche sind nun besser verzahnt".

Deltavariante bleibtim Hinterkopf

Das dass Pflegepersonal unter einer besonderen physischen und psychischen Belastung stand, wird deutlich, als sie zurückblickt: Die Mitarbeiter hätten jeweils drei Tage lang Zwölf-Stunden-Schichten (immer mit zwei Paar Handschuhen, Visier und Überwurf) gehabt und dann drei Tage frei. Da Personal ausfiel, mussten Mitarbeiter einer Leihfirma eingearbeitet werden, denn jedes Haus sei anders. Diese Mitarbeiter mussten sich vor allem auch auf die Bewohner "einlassen". Hinzu kam die psychische Belastung durch den Tod von Bewohnern. "Gegen Ende, so bis März, haben wir nur noch funktioniert", berichtet Furtwängler-Joos.

Die Angehörigen hätten großes Verständnis gehabt, seien aber natürlich in großer Sorge gewesen, so dass neben der Pflege auch immer mit ihnen telefoniert wurde. Facetime über das Tablet sei rege genutzt worden, um den Bewohnern den Kontakt mit den Angehörigen wenigstens auf die Weise zu ermöglichen. Die Angehörigen hätten auch teils Angst gehabt, beispielsweise ihre Mutter nicht mehr wieder zu sehen. Wenn es den Erkrankten sehr schlecht ging, konnten die Angehörigen zu ihnen und Abschied nehmen, so Schellinger-Pusler, aber nicht bei den Beerdigungen dabei sein.

Die erkrankten Mitarbeiter seien alle wieder fit, berichtet Schellinger-Pusler erleichtert, auch wenn manche noch weniger Kraft hätten, als zuvor. Das müsse im Arbeitsablauf berücksichtigt werden.

Die "Genesen- oder Geimpft-Quote" im Haus beträgt mehr als 90 Prozent. Das bedeute eine Erleichterung, "aber gedanklich sitzt da was im Nacken", sagt Andrea Furtwängler-Joos und spielt auf die Delta-Variante an.

In den kommenden Tagen berichten wir in unserem Blatt, wie die Bewohner des Stephanus-Hauses in Hornberg die Zeit der Pandemie erlebt haben. Zwei Bewohnerinnen haben von ihren Eindrücken und Gefühlen in den Monaten der Pandemie erzählt.

  • Bewertung
    0