Hornberg Der Abschied fällt schwer

Angelika Rapp (links) und Margot Lang befinden sich gerade im Umzugsstress. Die Pädagoginnen begleiteten viele junge Hornberger. Ende September ziehen sie gemeinsam nach Ettlingen. Foto: Stangenberg Foto: Schwarzwälder Bote

Kisten packen, Altes aussortieren und das neue Zuhause einrichten: Gemeinsam verlassen Angelika Rapp und Margot Lang Hornberg Ende September – und hinterlassen im Städtle tiefe Spuren.

 

Hornberg. Die pensionierten Pädagoginnen zieht es nach Ettlingen (Kreis Karlsruhe), wo sie gemeinsam einen neuen Lebensabschnitt beginnen. "Dort gründen wir zusammen eine Alten-WG, damit wir aufeinander aufpassen können", sagt Rapp und lacht. Jahrelang haben sich beide in der evangelischen Kirchengemeinde und als Spielleiterinnen des Märchenstücks auf der Hornberger Freilichtbühne engagiert. Für den Umzug nach Ettlingen haben sie sich bewusst entschieden. Hornberg werden sie vermissen. "Aber jetzt ist einfach der richtige Zeitpunkt", berichtet Rapp.

Die gebürtige Weimarerin zog 1985 mit ihrer Familie nach Hornberg. In der damaligen DDR hatte sie als Lehrerin gearbeitet. "Der Abschluss wurde in der Bundesrepublik aber nicht anerkannt", blickt Rapp zurück. Die zweifache Mutter leitete Kindergottesdienste und übernahm die Hausaufgabenbetreuung bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo), bevor sie 1993 als Erzieherin im Kindergarten "Arche Noah" begann. Dort arbeitete die 65-Jährige ganze 25 Jahre.

"Ich habe Hornberg im Laufe der Jahre lieben gelernt", blickt Rapp zurück. Ihr sei es von Beginn an wichtig gewesen, Kontakte zu knüpfen: "Die Umzugskartons waren 1985 noch nicht mal ausgepackt, da habe ich schon die Freilichtbühne besucht."

Dass sie in Hornberg mehr als 40 Jahre lang wohnen würden, hätte Margot Lang nicht gedacht, als sie 1975 nach ihrer ersten Dienstprüfung als Lehrerin an der Wilhelm-Hausenstein-Schule zu unterrichten begann. "Die Arbeitsbedingungen in der Schule waren sehr angenehm", berichtet Lang. Sie habe sehr offene Eltern kennengelernt und mag als Städterin den ländlichen Charakter Hornbergs. "Nach zwei, drei Jahren wollte ich eigentlich weg", lacht die 65-Jährige, die aus Rastatt stammt.

Stattdessen hat sie mehr als vier Jahrzehnte lang Kinder durch die Schulzeit begleitet. Anschluss fand Lang schnell in der evangelischen Kirchengemeinde. Dort trat sie dem Chor bei, wirkte 18 Jahre als Kirchengemeinderätin und war sechs Jahre lang Mitglied der Bezirkssynode.

Die beiden Frauen lernten sich 1992 über den Kinderchor "Kirchblattspatzen" kennen, den sie zusammen bis 2005 führten. Gemeinsam leiteten sie von 2002 bis 2015 das Märchenstück auf der Freilichtbühne. "Diese hat auch unser Leben geprägt", sagt Rapp.

Der Abschied von Hornberg fällt ihnen sicherlich schwer, aber der Neuanfang ist nötig. Ettlingen hat eine sehr schöne Altstadt. Kulturelle Einrichtungen und Fachärzte können sie problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, berichtet Rapp. Lang freut sich zudem, wieder in die Nähe ihrer Heimat und Familie zu ziehen. Ob sie Hornberg wieder besuchen werden? "Ja klar!", bekräftigen beide. Schließlich möchten sie die renovierte evangelische Kirche sehen sowie Freunde und die Freilichtbühne besuchen.

Wie Angelika Rapp berichtet, haben ihre Schützlinge im Kindergarten "Arche Noah" auf ihre ganz eigene Art und Weise auf die Pensionierung reagiert: "Wann kommt eigentlich Angelika wieder?", habe ein Kind gefragt, woraufhin eine Kollegin antwortete: "Die ist doch jetzt in Rente." Als zweite Frage habe prompt "Und wann ist die Rente zu Ende?" gefolgt.

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