Hohe Spritpreise Busunternehmer in Existenz bedroht

Christina Kornfeld und Aline Fischer

Die Busunternehmer glaubten, endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen, als die Coronamaßnahmen zurückgefahren wurden – nun steigen die Spritpreise explosiv. Unsere Redaktion hat sich bei den Unternehmern in der Region umgehört.

Mittleres Kinzigtal - Kaum scheint eine Krise überwunden, stehen die Busunternehmen im Kinzigtal vor der nächsten Herausforderung: Die Corona-Maßnahmen sind gefallen, aber dafür sind die Spritpreise im Zuge des Ukraine-Kriegs stark angestiegen. Nicht immer ist es möglich, diese erhöhten Kosten an die Fahrgäste weiterzugeben. Der Schwarzwälder Bote hat in Hornberg und Oberwolfach nachgefragt, wie die Unternehmen mit der Preissteigerung umgehen.

Busunternehmer Fritz Stulz aus Hornberg hatte seinen großen Bus vor zwei Monaten wieder angemeldet. Es sind auch Buchungen da: "Es wäre gut, wenn es so bleiben würde", sagt er. Das Hauptproblem sind die Energiekosten, die er nur zum Teil umlegen könne. Früher habe er für 350 Euro vollgetankt, heute für 700 Euro. Auch Reifen beispielsweise seien in der Produktion erdölabhängig, auch hier steigen die Kosten.

Stulz hat für sich bei Industrieunternehmen eine Nische gefunden: Er fährt deren ausländische Gäste zum Flughafen oder macht mit ihnen Tagesausflüge auf Bestellung. Die Firmen würden, seit die Homeoffice-Pflicht gefallen ist, wieder mehr auf persönliche Gespräche setzen und die Busfahrten würden auch zu einem Gruppenerlebnis. Insofern würde eine Eskalation des Ukraine-Kriegs und das Ausbleiben ausländischer Gäste für Stulz ein großes Problem bedeuten.

Ein weiteres Problem ist, dass seine Angestellten während der Pandemie in andere Branchen abgewandert sind: "Die sind definitiv weg, sie kommen nicht wieder", sagt Stulz. Er hofft, dass er eine Lösung findet, denn wenn die Buchungen gleich bleiben, geht es ohne weitere Angestellte nicht.

Auch beim Oberwolfacher Busunternehmen Heizmann sind sehr viele Anfragen da. "Der Anmietverkehr ist stark gefragt, also Vereine, die den Bus für Ausflüge mieten, oder auch Klassentreffen. Aktuell finden auch sehr viele Junggesellenabschiede mit Bus statt", berichtet Kurt Heizmann.

Dabei habe der Inhaber aber ein großes Problem: "Das Personal fehlt, aktuell rund vier Leute. Deshalb können wir die Kunden nicht in dem Maß bedienen, wie es vor Corona war und wie wir es gerne hätten." Bei ihm seien die Mitarbeiter nicht in die Industrie abgewandert, sondern gleich zwei in den Ruhestand gegangen. Junge Busfahrer kommen nicht mehr hinterher, sagt Heizmann (siehe Info).

Auch das leidige Thema Spritpreise bewege ihn und sein Unternehmen natürlich. "Eine Tankfüllung kostet mich nun rund 900 Euro, das sind hundert Prozent mehr Spritkosten als noch vor einem Jahr. Ich sehe in Zukunft nur noch wenig Existenzchancen für meine Branche", lautet seine düstere Prognose. Ähnlich wie in der Gastronomie werde sich in drei bis vier Jahren zeigen, wer sich halten konnte und wer nicht. Um den Preis voll auf die Kunden umzuwälzen, müsste Heizmann rund 200 Euro mehr Busmiete pro Tag verlangen, das sei für die Kunden nicht mehr bezahlbar.

Angestellte sind in andere Branchen abgewandert

Auch der Wert der Fahrzeuge sei wegen des Ukraine-Kriegs stark gesunken. Die Länder, die alte Busse normalerweise gekauft und restauriert hätten, könnten nun wegen der unterbrochenen Lieferketten nicht mehr beliefert werden. Dazu gehörten zum Beispiel Saudi-Arabien und einige asiatische Länder. "Die Transporter sind sonst häufig über die Ukraine gefahren, das geht nun nicht mehr", berichtet Heizmann. In der ganzen Bundesrepublik stünden Tausende alte Busse zum Verkauf, deren Wert in sich zusammengebrochen ist – statt sechsstelligen könnten damit nun nur noch fünfstellige Beträge erzielt werden.

Ein Busführerschein kostet inzwischen einen unteren fünfstelligen Betrag, sagt Busunter Kurt Heizmann. Diese hohen Kosten gleich zu Beginn der Ausbildung und das folgende niedrige Gehalt seien der Grund dafür, dass heutzutage keine jungen Menschen mehr Busfahrer werden wollen. "Der Markt ist leergefegt, junge Leute kommen nicht mehr nach", so der Oberwolfacher. Er dürfe den Führerschein auch nicht bezahlen, weil er den Arbeitnehmer nicht zeitweise an sein Unternehmen binden dürfe.

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