Hofstetten "Außenpolitik im Kleinen"

Heinrich (von links), Veronika, Matthias, Katharina und Emilia Neumaier erklärten MdB Johannes Fechner, Bürgermeister Martin Aßmuth und Gemeinderat Wilhelm Uhl die schwierige Situation in Sachen Vesperstube und Ferienwohnung durch der Corona-Krise.Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Einen Austausch mit der ukrainischen Samtgemeinde Trostjanez hat es in Hofstetten gegeben. Grund war der Gemeindebesuch des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner, der sich unter anderem über die Partnerschaft der Gemeinden informierte.

Hofstetten. Seit 2019 pflegen die Gemeinden Hofstetten und Trostjanez einen interkommunalen Austausch, der von der Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt SKEW" unterstützt wird. Seit dem ersten Besuch im September 2019 und dem Kennenlernen von Trostjanez (Nähe der Metropole Lemberg) fand der weitere Austausch digital statt. So wurden auch am Dienstag die ukrainischen Vertreter per Videokonferenz in den Bürgersaal des Hofstetter Rathauses geschaltet.

Zunächst schickte Martin Aßmuth herzliche Grüße in die Ukraine und gratulierte dem neu gewählten Trostjanezer Bürgermeister Mychajlo Tsykhulyk zum Wahlerfolg. Johannes Fechner wurde als Bundestagsabgeordneter vorgestellt, Gemeinderat Wilhelm Uhl war bereits bei der Reise in die Ukraine dabei. "Wir wollen das Gespräch nutzen, um die Freundschaft zu pflegen und den Kontakt auch in der schwierigen Corona-Zeit zu halten", erklärte Hofstettens Bürgermeister Martin Aßmuth.

Seitens der SKEW war Magdalena Hehn zugeschaltet, die vorausblickte: "Langsam fängt die Zusammenarbeit wieder an, nach der Corona-Krise sollen erste Projekte initiiert werden." Johannes Fechner positionierte sich auf Nachfrage in Sachen Osteuropa-Politik. Man habe sich seitens der Bundesregierung in den vergangenen Wochen aufgrund der russischen Militärbewegungen im Osten des Landes große Sorgen gemacht. "Seien Sie versichert, dass wir auf der Seite der Ukraine sind", betonte er. Es sei richtig gewesen, dass Deutschland eine führende Rolle übernommen und in Richtung Abrüstung gewirkt habe, um keinen weitere Zuspitzung des Konflikts zu provozieren. "Wir haben den Osten ihres Landes sehr wohl im Blick", brachte es Fechner auf den Punkt.

Klare Positionierung zum Konflikt mit Russland

Er finde es großartig, dass im partnerschaftlichen Austausch der beiden Gemeinden "Außenpolitik im Kleinen" stattfinde und anhand konkreter Zusammenarbeit der eine vom anderen profitiere.

Bürgermeister Tsykhulyk bedankte sich für die klare Position hinsichtlich des Kriegs, wie er es benannte, und erklärte, dass die Gefahr nach wie vor bestehen bleibe. Seine Frage zu weiteren Positionierung Deutschlands nach den Bundestagswahlen im Herbst beantwortete Fechner: "Es wird sich nichts am klaren Bekenntnis zur Ukraine ändern, egal welche Partei regieren wird."

Nach der Überlegung erster gemeinsamer Projekte (siehe Info) und der Vereinbarung eines Arbeitstermins Ende Mai, gab es eine herzliche Verabschiedung.

Anschließend ging es in Richtung des Schmalzenhofs der Familie Neumaier weiter. Dort wurde 2019 die umgebaute Kornkammer als Vesperstube samt Ferienwohnung eröffnet, bevor die Corona-Beschränkungen voll durchschlugen.

In Sachen Corona-Hilfen sei man komplett durchs Raster gefallen, weil Hofnachfolger Matthias Neumaier die Vesperstube noch nicht im Hauptberuf geführt habe. Bisher sei die Vesperstube nur auf Anmeldung geöffnet worden, wenn eine Öffnung wieder erlaubt sein wird, soll das Angebot von Freitag bis Sonntag mit Öffnungszeiten zur Verfügung gestellt werden.

Der Bundestagsabgeordnete zeigte großes Verständnis für die schwierige Situation, sprach vom Trend zum Urlaub in Deutschland und sah im Sommer eine Besserung der Gesamtlage. Der Tourismus sei ein wichtiger Wirtschaftszweig, spätestens im Juli würden wohl alle Betriebe wieder bewirten und beherbergen dürften. "Wir werden längere Beschränkungen rechtlich nicht halten können, weil die Gefahrenlage für die Bevölkerung dann nicht mehr gegeben ist."

Hofstetens Bürgermeister Martin Aßmuth schlug eine Foto-Ausstellung zum gegenseitigen Kennenlernen der Gemeinden, der jeweiligen Lebensweise und der Menschen vor. Finanziert werden soll das Projekt über den Kleinprojekte-Fond des Bundes. "Trostjanez ist sehr weit weg vom Osten. Mit den Bildern könnten wir hier zeigen, dass es nicht überall so schlimm ist wie im kriegerischen Gebiet", erklärte Aßmuth die Idee. Als Leiterin der Kultur und des Tourismus erklärte Oleksandra Dzyndva: "Hier im Westen ist es ein ganz ruhiges und geregeltes Leben. Die Bilder-Ausstellung ist eine hervorragende Idee."