Hilfe für Flutopfer Haslacher setzt sich im Ahrtal ein

Lisa Kleinberger
Blick auf Dernau, eines der betroffenen Dörfer. "Das Bild habe ich gemacht, weil ich gedacht habe: Eigentlich ist das Ahrtal wunderschön", berichtet Manuel Seitz. "Unten im Einsatz ist einem das manchmal nicht bewusst." Er ist optimistisch, dass die Region sich erholen kann. Foto: privat

Die Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal erschütterten im Juli ganz Deutschland. Auch jetzt noch benötigen die Opfer Hilfe. Ein Haslacher setzt sich ein und will jetzt Spenden sammeln.

Haslach - Zweimal ist Manuel Seitz dieses Jahr bereits an der Ahr gewesen und hat bei den Aufräumarbeiten geholfen. Der Einsatz ist für den Haslacher keine Frage. Er habe umgehend, nachdem die Ausmaße der Flutkatastrophe bekannt geworden waren, helfen wollen. Allerdings hatten das damals im Juli so viele Menschen vor, dass das Ahrtal schnell völlig überlaufen war und nicht einmal mehr die Rettungskräfte durchkamen. "Wir sollten erstmal zuhause bleiben", sagt er.

Bisher zwei Einsätze im Ahrtal

Im September und Oktober hat es dann aber jeweils für eine Woche geklappt; ein dritter Hilfseinsatz im November fiel für Seitz kurzfristig wegen einer Verletzung aus. Er wolle aber in jedem Fall wieder hin, wenn die Arbeiten wieder starten. Aktuell ist Winterpause, aber in Dernau und den umliegenden Orten sei noch viel zu tun. Die Einsätze sorgen außerdem für viele neue Bekanntschaften. "Das ist wie eine kleine Familie", sagt Seitz.

"Einfach machen"

Beim ersten Einsatz wurde noch viel Schlamm geschüppt, inzwischen benötigen die Betroffenen auch Hilfe beispielsweise bei Arbeiten zum Entkernen der Häuser, die stehen bleiben. Oder die Reparatur von Maschinen. Auch im Weinberg hat Seitz schon geholfen, den Boden von Schlamm zu befreien.

Seitz berichtet von der Helferstadt, von der aus die Einsätze koordiniert werden. Sogar ein Schmied sei dort im Einsatz. Morgens werden dort Aufgaben verteilt, Freiwillige melden sich und dann geht’s ins Katastrophengebiet. Schnell würden sich Teams bilden, die zusammen Einsätze übernehmen, berichtet Seitz. Und abends geht’s dann wieder zurück nach Grafschaft, einem Ort oberhalb des Ahrtals, wo die Stadt auf dem Gelände eines Haribo-Werks entstanden ist. Die Abende, bei denen die Helfer miteinander über das Erlebte sprechen, seien wichtig, weiß der Haslacher. Denn die Schicksale, in die die Helfer immer wieder Einblick gewinnen, sind nicht leicht zu verarbeiten.

Menschen sind dankbar

Aber die Menschen sind den Helfern auch sehr dankbar. "›Wir hatten seit sechs Wochen nur schlechte Tage. Heute war gut, und das dank euch‹", zitiert Seitz aus einem Einsatz. Die Teams würden eben anpacken, wo es nötig sei, und dann könnten die Bewohner weitersehen. Beschönigen will Seitz die Situation jedoch nicht: "Wenn man durchläuft, sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet", sagt er.

Wer will, kann spenden

In Haslach und der Umgebung kennt Seitz, der unter anderem Narrenvater der Haslacher Narrenzunft ist, viele Menschen, die helfen wollen, aber selbst nicht zu einem Einsatz an die Ahr fahren können. Er sei schon oft wegen Spenden angesprochen worden. Für den Weihnachtsmarkt, bei dem ein Teil des Erlöses für die Flutopfer vorgesehen war, hatte er die Idee zu einer kleinen Aktion. Der Markt fiel aber aus. Wer spenden möchte, soll sich mit ihm in Verbindung setzen: Er ist unter der Handynummer 0160/­2 17 07 70 erreichbar.

Hilfe ohne Diskussionen

Die Hilfe für die Flutopfer zeigt laut Seitz aber auch, "dass wir als Gesellschaft noch mehr können als demonstrieren und dumme Internetkommentare schreiben". Unter den Helfern gebe es keine Diskussionen – es werde einfach angepackt, wo es nötig sei.