Herbolzheim Wie Kinder ihre Heimat wahrnehmen

Mutig stellten die Kinder vor den Gemeinderäten ihre Sicht auf Herbolzheim dar. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Die Meinung der Grundschüler war gefragt: Sie waren dazu aufgerufen, ihre Sicht auf die Stadt Herbolzheim und deren Ortsteile zu schildern. Ihre Kritikpunkte: zu viel Abfall, zu schneller Verkehr und zu viel kaputte Spielgeräte.

Herbolzheim. So viel Publikum dürfte der Gemeinderat noch nie gehabt haben: Die Mensa der Emil-Dörle-Schule in Herbolzheim war voll von Schülern, Lehrern und Eltern. Der Grund: Die Grundschüler stellten ihre Ergebnisse des Projekts "Kinder- und Jugendbeteiligung in der Stadt Herbolzheim" vor. Einen Tag lang waren sie dafür in der Kernstadt und den Ortsteilen unterwegs gewesen, um festzuhalten, was ihnen gefiel und was nicht. Anschließend hatten sie einen weiteren Tag damit verbracht, ihre Ergebnisse in Form von bunten Plakaten festzuhalten.

Viele Orte in der Kernstadt hatten bei der Bewertung der Grundschüler fünf bis neun von zehn möglichen Punkten erhalten, in den Ortsteilen lag die Bewertung sogar zwischen sieben und neun Punkten, wie der Betreuer der Aktion Udo Wenzel, Kommunalberater für Kinder-, Jugend- und Bürgerbeteiligung, erklärte.

Trotzdem gab es auch einiges, woran sich die Grundschüler störten, wie sie gemeinsam dem Gemeinderat klar machten. Einer ihrer Hauptkritikpunkte war der schnelle Verkehr und die Autos, die an den Straßenseiten parkten und den Schülern so die Sicht beim Queren der Straße nehmen. Egal ob der Kreisverkehr am Bahnhof, Hauptstraße oder die Ortsdurchfahrt Wagenstadt – den Kindern waren die Autos deutlich zu schnell und die Fahrer zu rücksichtlos. "Die Vorfahrtsregeln werden nicht gut eingehalten", klagten sie etwa über die Friedrichstraße. Die Schüler wünschten sich Tempo 30 und mehr Möglichkeiten, die Straße sicher zu überqueren, sei es Zebratreifen oder Ampel. "Denn dann fühlen wir uns sicherer."

Zu viel Müll, dieser Kritikpunkt war nahezu von jeder Gruppe zu hören, sie forderten mehr Mülleimer – und von den Erwachsenen mehr Sauberkeit. Am Bahnhof störten die Graffiti, hierfür schlugen die Kinder ein Projekt vor, um dieses zu übermalen.

Spielgeräte waren ebenfalls ein großes Thema. Während die Spielplätze mit ihren Angeboten prinzipiell sehr gut abschnitten, waren die Kinder trotzdem oft enttäuscht, weil Geräte aus Sicherheitsgründen gesperrt waren. Außerdem nahmen sie Dinge wahr, die so manchem Erwachsenen so noch nicht aufgefallen waren: Schlitze in der Rutsche, die beim Hinunterutschen schmerzten, ein platter Reifen unter der Wippe oder spitze Kanten, die aus ihrer Sicht Verletzungspotenzial boten. Auch über Kot von Hunden und Katzen sowie Zigarettenkippen in so manchen Sandkästen beklagten sie sich. Zudem wünschten sie sich mehr Spielplätze für ältere Kinder.

Bürgermeister Thomas Gedemer lobte die Schüler für ihren Mut, vor dem Gemeinderat zu sprechen: "Ich weiß nicht, ob ich mich das in eurem Alter getraut hätte. Das Projekt hat mir jedenfalls viel Spaß gemacht, weil ihr offen und unverstellt redet."

Die Räte lobten die Kinder für ihr Engagement und nahmen die Vorschläge durchweg positiv auf. "Ich habe mir fünf Seiten mitgeschrieben", erklärte etwa Doris Daute begeistert. "Macht weiter so, wir haben immer ein offenes Ohr für euch", erklärte Thomas Hofstetter. Reinhard Roser ging auf die Klagen über die fehlende Seilbahn auf dem Speilplatz ein: "Die Lieferzeiten waren länger als gedacht, aber lange müsst ihr nicht mehr warten", versprach er. Dieter Böcherer hoffte, dass "ihr bald wählen dürft", denn die Ideen der Kinder sprächen ihm aus der Seele: "Herbolzheim hat viel zu viel Verkehr", stimmte er zu. Ralf Obergföll erklärte, dass der Rat die Themen Tempo 30 und Zebrastreifen auf jeden Fall ans Landratsamt weitergeben werde: "Die blockieren das", sagte er. Auch Patrik Vetter versprach das zu unterstützen und das Thema Bolzplatz im Auge zu behalten. Gedemer erklärte, dass die Stadt bereits dabei sei, die Spielplätze nach und nach zu erneuern. Das Projekt mit den Grundschulen soll nun alle zwei Jahre stattfinden.

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