Herbolzheim Von Steinbruch zu Steinbruch

Der Brunnen beim Rathaus, Balkone an historischen Gebäuden, Kellergeschosse von Wohnhäusern: Sandstein gehört in Herbolzheim zum Stadtbild. Die Teilnehmer einer Wanderung erfuhren, wo der Baustoff herkommt.

Bleichheim. Bereits im frühen Mittelalter, als Stein neben Holz zu den wichtigsten Baumaterialien zählte, wurde im Bleichtal der Sandstein aus den Felsen herausgebrochen, wie Wanderführer Thomas Reitzel den etwa ein Dutzend Natur- und Kulturinteressierten berichtete, die der Einladung des Herbolzheimer Tourismusbüros zu der geführten Wanderung im hinteren Bleichtal gefolgt waren.

Der Start erfolgte nur einige hundert Meter entfernt von der Hammerschmiede, deren 150-jähriges Bestehen erst vor wenigen Wochen gefeiert wurde. Nach ihrer Inbetriebnahme 1867 versorgte sie die Arbeiter in den vier großen Steinbrüchen Tanzbühl, Rehbühl, Hirschhörnle und Goldbrunnen mit Werkzeugen. Wie heutzutage die Firma Nuvolin, die den einzigen noch aktiven Steinbruch Goldbrunnen betreibt, große Sandsteinblöcke herausbricht, erläuterte Reitzel direkt vor Ort: Senkrechte und waagerechte Bohrlöcher werden mit diamant­- bestückten Endlosseilen auf­-gesägt. In den Spalt werden flach zu Kissen aufeinander geschweißte Bleche eingeführt und so lange unter ex­trem hohem Druck mit Wasser befüllt, bis eine Steinsäule herausbricht. Beim Fallen wird sie durch Schutt abgefedert.

Wandern auf schmalen, naturnahen Pfaden

Die etwa siebeneinhalb Kilometer lange Tour durch Herbolzheimer, Kenzinger und Freiämter Wald führte immer wieder auf schmalen, naturnahen Pfaden. Unterwegs nutzte Co-Wanderführer Reinhold Hämmerle die Gelegenheit und informierte über Grenzsteine, die in Abständen von 50 bis 100 Metern einst die Trennungslinie römischer Diözesen markierten oder auch in späterer Zeit die Grenze zwischen dem vorderösterreichischen und dem markgräflichen Herrschaftsbereich.

Auf einem besonders schmalen Pfad, den Hämmerle und Reitzel erst am Vortag begehbar gemacht hatten, gelangte die Gruppe zu den steinernen Resten einer Arbeitsstätte am Goldbach, wo in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für kurze Zeit in aufwendiger Weise Hanfgarn hergestellt wurde. Als Antrieb der Maschinen diente Wasser, das in einem 250 Meter langen Hangkanal von der früheren Rossmühle hergeleitet wurde.

Nach dreieinhalb Stunden fand die informative und naturnahe Tour einen krönenden Abschluss: Am Ausgangspunkt, dem Goldbrunnen-Parkplatz, wartete bereits die frühere Badische Weinkönigin Isabella Vetter gemeinsam mit ihrer Mutter, um die Wanderschar mit Bleichtäler Winzerspezialitäten – mit und ohne Alkohol – zu erfreuen.

 INFO

Termine

> Samstag, 8. Juli, 18 Uhr: "Faustus & Clothilde begeben sich auf Spuren der Herbolzheimer Sagen und Geschichten", Treffpunkt: Torhaus

 > Dienstag, 31. Oktober, 16 Uhr: "Doctor Martinus Luther versus Magister Johannes Brysgoicus de Brokingen", Treffpunkt: Torhaus

> Samstag, 30. Dezember, 15 Uhr: "In der Rauhnacht zur Kirnburg", Treffpunkt: Rathaus Bleichheim

Alle Angebote enthält der Kulturführer 2017, der auf der Internetseite www.herbolzheim.de eingesehen und heruntergeladen werden kann. Auskünfte erteilt auch das Tourismusbüro im Torhaus, Telefon 0 76 43/9 35 90

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