Herbolzheim Vom Knoblauch geschützt

Mehr als 140 Wanderer – und damit mehr als je zuvor – wagten sich mit Thomas Reitzel und seinem Team in der Rauhnacht auf die Kirnburg. Knoblauchschnaps, Lieder und Klingeln sorgten dafür, dass ihnen böse Geister nichts anhaben konnten.

Bleichheim. Die erste Mutprobe erwartete die Wanderer gleich zu Beginn: Wer mitwollte, musste zuvor ein Glas von dem äußerst streng riechenden Knoblauchschnaps trinken – sonst sei es einfach zu gefährlich, erklärte Reitzel. Denn gerade in den Rauhnächten seien finstere Gestalten wie Elementare (düstere Gedankenfetzen), luftabschnürende Alps oder wilde Hexen besonders aktiv und suchten sich ihren Weg aus der Unterwelt. Da müsse man vorbereitet sein – und Knoblauch sei da das Abwehrmittel schlechthin.

Nur die Kinder bekamen stattdessen einen Zauberstab, dessen klingende Geräusche alles Unheimliche vertreiben sollten. Tauschwünsche von Erwachsenen wurden dabei nicht berücksichtigt. Und so hieß es dann "Verdammt ich trink Dich, ich trink Dich nicht..." wie die muntere Sängerschar rund um Reitzel den inneren Kampf zusammenfasste. Sie begleitete die mutigen Tourengäste auf ihrer Wanderung und fasste Reitzels Warnungen und Hinweise noch einmal musikalisch zusammen. Die Musiker hatte sich extra für diese Tour zusammengefunden und erst wenige Wochen zuvor mit der Probe begonnen – es klang aber, als würden sie schon immer gemeinsam singen.

In den Rauhnächten soll sich das Schicksal neu ausrichten

Die Rauhnächte, wie die Zeit zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar bezeichnet wird, sind eine "Übergangszeit, eine Niemandszeit", in der das Schicksal neu gesponnen werde. Deshalb sei es in dieser Zeit auch verboten, Hausarbeiten zu verrichten, da man Selbiges sonst durcheinander bringen würde.

Allerdings seien die Rauhnächte, aufgrund der engen Verbindung zwischen den Welten in dieser Zeit, besonders geeignet für Orakel aller Art. Reitzel gab davon auch gleich einmal eine Kostprobe: Beim Monatsorakel stehe jeder Tag der Rauhnächte für etwas anderes. Gutes Wetter am Tage der Wanderung, 30. Dezember, verheiße eine gute Obsternte – die beiden Jahre zuvor, wo es viel Sonnenschein gab, habe das immer gestimmt. Da der besagte Tag dieses Mal aber sowohl Sonnenschein als auch Nebel zu bieten hatte, darf man gespannt sein, wie das Wetter wird. Auch bestimmte Kräuter könnten das Schicksal entsprechend lenken, erklärte Reitzel. Welches Kraut genau was bewirkt, darüber gab der Chor einen Einblick mit dem Lied "99 Küchenkräuter" (frei nach Lenas "99 Luftballons"). Eingeräuchert von ein paar dieser Kräuter zog die Schar dann weiter zur Kirnburg. Dort warteten gute Geister, auf sie, die sie mit Essen und heißen munter machenden Getränken versorgten.

Thomas Reitzel gab dem Kurier einen Einblick in sein Geheimrezept des Knoblauchschnapses. Um diesen herzustellen, braucht man sehr viele Knoblauchzehen sowie Gewürznelken, Zimt, Kardamon, Pfeffer und Chilipfeffer. Auf keinen Fall fehlen darf dabei auch der Wodka aus dem Land der Weihnachtswichtel. Etwa vier Wochen muss das ganze stehen, bevor es abschließend mit Tannenhonig gesüßt getrunken werden kann. Und der Geschmack? "Verdammt der Schnaps, der riecht so schwer, doch schmecken tut er sehr", urteilte der Chor. Die Redakteurin dieses Artikels schließt sich dieser Meinung an. Zudem bot er einen guten Schutz vor bösen Geistern, denn alle Wanderer kamen gut auf der Kirnburg an.

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