Herbolzheim "T1tan" kämpft gegen Corona an

Wollen gemeinsam durch die Krise: Firmen-Chef Matthias Leibitz (links) und René Adler, Ex-Nationaltorhüter und "T1tan"-Gesellschafter. Foto: "T1tan"

Herbolzheim - Kein Fußball, kein Umsatz: Der Torwarthandschuh-Hersteller "T1tan" kämpft mit den Folgen der Corona-Pandemie. Von den aktuell schlechten Geschäftszahlen lässt man sich in Herbolzheim aber nicht unterkriegen – ganz im Gegenteil.

Torwarthandschuh-Hersteller mischt die Szene auf 

Das Start-up-Unternehmen "T1tan" (sprich Titan) hat in seiner noch jungen Geschichte schon einige Aufs und Abs erlebt. 2010 von Matthias Leibitz und seinem damaligen BWL-Studienkollegen Manuel Meier als Versuchsballon gegründet, mischte der mittlerweile in Herbolzheim beheimatete Torwarthandschuh-Hersteller schnell die Szene auf. Das kühne Versprechen, Amateurkeeper zum kleinen Preis mit Profiqualität auszustatten, ließ nicht nur die etablierten Marken aufhorchen, sondern auch zwei einstige Nationaltorhüter.

Der eine, René Adler, stieg 2017 bei "T1tan" ein und hält mittlerweile 25,1 Prozent der Anteile. Der andere, Oliver Kahn, war den Emporkömmlingen weniger gut gesonnen. In einem bundesweit beachteten, mitunter bizarren Namensstreits pochte der heutige FC-Bayern-Boss darauf, der einzig wahre Titan zu sein. Ende November kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich, über dessen Inhalte die Parteien Stillschweigen vereinbarten. Die wohl wichtigste Erkenntnis aus Firmensicht: "T1tan" schreibt immer noch "T1tan" auf seine Produkte. In letzter Zeit aber deutlich weniger häufig als Firmenchef Leibitz lieb ist.

Bisher schwerste Phase der Firmengeschichte 

"Seit der Amateurfußball Mitte März ruht, ist unser Absatz um 90 Prozent eingebrochen", berichtet der 36-Jährige im Gespräch mit der LZ. 2019 verkaufte "T1tan" knapp 70 000 Handschuhe und erwirtschaftete so einen Jahresumsatz von fast 3,5 Millionen Euro. Zahlen, die in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen sind, weiß Leibitz.

Ein Hobby-Keeper verschleißt pro Saison gut und gerne drei Paar Handschuhe. Jetzt, da keine Bälle mehr fliegen, nutzt sich freilich auch das Arbeitsmaterial der Torhüter nicht ab. "Momentan kaufen noch ein paar positiv Fußballverrückte, die zu Hause im Garten trainieren, ansonsten ist es mau", sagt Leibitz. "Schweren Herzens" hat er alle seine zehn Angestellten in Kurzarbeit schicken müssen. "Wir durchleben definitiv die schwerste Phase unserer zehnjährigen Firmengeschichte", resümiert der Geschäftsführer.

Neustart der Bundesliga gibt neue Hoffnung

Ein kleiner Lichtblick war der Neustart der Bundesliga vor zehn Tagen. Seitdem hechten wieder mehrere Erst- und Zweitliga-Keeper, die das Unternehmen von seinen Produkten hat überzeugen können, werbewirksam in "T1tan"-Handschuhen durch die Strafräume der Nation. Etwa Florian Müller von Mainz 05.

Aber ganz klar: Der Firmenfokus liegt auf dem Amateurbereich. "75 000 + ", heißt es auf der Homepage, kaufen regelmäßig im Online-Shop ein, wo mittlerweile auch T-Shirts, Bälle oder Trinkflaschen mit dem "T1tan"-Logo zu haben sind. Leibitz’ Hoffnungen ruhen auf weiteren Corona-Lockerungen, sodass – wie von den Fußballverbänden geplant – Anfang September wieder gekickt werden darf (siehe Info). "Geht man von einer Saisonvorbereitung von rund sechs Wochen aus, rechnen wir Mitte Juli wieder mit dem großen Ansturm."

Krise auch als Chance sehen

Bis dahin will man bei "T1tan", das in Pakistan und in der Ukraine produzieren lässt, die Lager voll haben – auch mit Neuem. "Wir sehen die Krise als Chance, konnten uns nun für die Dinge Zeit nehmen, für die wir sonst weniger Zeit haben."

So soll schon diesen Mittwoch ein 3 D-Konfigurator online gehen, mit dessen Hilfe sich Torhüter die Komponenten ihrer Handschuhe selbst zusammenstellen können. Diese seien dann zwar ein bisschen teurer als die Modelle von der Stange, die zwischen 60 und 70 Euro kosten. Dafür "ist dann jeder Handschuh ein Unikat". Kommende Woche soll es zudem die ersten Modelle für Kinder geben, und "T1tan" will ein Desinfektionsmittel auf den Markt bringen, das ohne Alkohol auskommt und deshalb nicht den Haftschaum des Handschuhs angreift.

Existenzängste, sagt Leibitz, habe er nie gehabt. Auch dank der Unterstützung von Ex-Profi Adler, der zu seinem Einstieg vor drei Jahren eine niedrige sechsstellige Summer überwies, könne man die Krisenzeit überbrücken. "Die Ungewissheit, wann es weitergeht, war anfangs das Schlimmste. Aber jetzt fiebern wir mit unseren Kunden auf den Moment hin, wenn endlich wieder der Ball rollt."

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