Herbolzheim Sorgen um eine Kulturlandschaft

Die Winzer im Breisgau sehen mit Bangen dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" entgegen. Sie fürchten um ihre Existenz, sollten Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten ganz verboten werden. Dabei helfen die Winzer der Natur jetzt schon.

Herbolzheim/Nördlicher Breisgau. Die Aktion klingt vernünftig und hat einen einfachen Namen: "Rettet die Bienen" lautet das Motto des Volksbegehrens, das von der Initiative "Pro Biene" angekurbelt wurde. Die Vorschläge sehen eine massive Verschärfung des Naturschutz- und des Landwirtschaftsgesetzes vor. So soll den Einsatz von Pestiziden weitgehend untersagt werden. Die Initiatoren müssen etwa 770000 Unterschriften zusammenbekommen, um erfolgreich zu sein. Winzer und Landwirte fürchten indes um ihre Höfe.

  Pro Biene und pro Wein – geht das? Die Winzer haben in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Wegen erreicht, dass die Menge von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduziert werden konnte. Die Diskussion um ein neues Gesetz, das den Einsatz dieser Mittel komplett in Schutzgebieten verbieten würde und vielen Winzern existenzgefährdend erscheint, kann durch Informationen für die Verbraucher versachlicht werden.   Welche Maßnahmen zum Pflanzenschutz sind im Weinbau notwendig? Größte Aufmerksamkeit beim Schutz der Reben muss der Winzer dem Pilzbefall, insbesondere dem echten und falschen Mehltau widmen. Zur Vorbeugung wird auf eine luftige Erziehung der Reben und gewissenhafte Laubarbeit geachtet. Die gesamte Wachstumsperiode vom Austrieb bis sechs Wochen vor der Lese ist der Einsatz von bienenunschädlichen Fungiziden notwendig.

Dabei sind die Winzer bemüht, so wenig Spritzmittel, wie möglich einzusetzen. Ganz im eigenen Interesse. Zum einen sind es die Bienen, die für auch im Weinbau zur Bestäubung der Reben unerlässlich sind und zum anderen sind Spritzmittel ein Kostenfaktor – je weniger, umso besser. Die Spritzmittel werden daher sparsam, in geringer Konzentration und nur bei Notwendigkeit eingesetzt. Würde die Behandlung der Reben nicht erfolgen, hätte dies zur Folge, dass Blätter und Beeren befallen werden bis hin zum Totalverlust.

Für einen verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzenschutzmittel sind die Winzer unter anderem verpflichtet, Schulungen im Umgang mit den Schädlingsbekämpfungsmitteln zu absolvieren.

Beim Pflanzenschutz wird ein Mindestabstand zu Feldrainen, Hecken oder Gehölzen eingehalten, um die dort lebenden Insekten, Vögel und andere Tiere nicht zu beeinträchtigen. Zum Standard des Rebschutzes in Baden gehört der Einsatz von Pheromonfallen, ein biotechnisches Verwirrungsverfahren gegen den Traubenwickler, das den Einsatz von Insektiziden gegen diesen Schädling erübrigt.

  Was tun die Winzer zum Schutz der Natur, der Insekten, auch der Bienen? Die Winzer achten aus Eigennutz auf die Erhaltung der Natur, die die Grundlage für ihre Existenz ist. Ihr Produktionsmittel, die Reben, steht inmitten der Natur vor der Haustür. Wachstum und Pflege erfolgen vor Ort und praktisch ohne Zulieferung von Rohstoffen und Materialien mit langen Transportwegen. Integrierter Pflanzenschutz, als Kombination von mechanischen, physikalischen, biologischen, biotechnischen und chemischen Methoden ist gängige Praxis. Denn "ein optimaler, in Umfang und der Menge reduzierter Pflanzenschutz mit weitestgehend bienenunschädlichen Mitteln ist Grundlage und zugleich Voraussetzung für einen erfolgreichen Weinbau", meint Georg Moosmann, Bereichsvorsitzender des Breisgaus. Die Winzer arbeiten zum gegenseitigen Nutzen auch mit Imkern zusammen, wie man gelegentlich an Bienenstöcken in den Rebanlagen sieht.

Die Winzer setzen heute weniger Spritzmittel als früher ein

Werden pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PiWi) wie Solaris, Regent oder Cabernet Carbon angebaut, erübrigt sich fast immer eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln gegen Mehltau und andere Pilzkrankheiten. Nur beschränkt sich die Nachfrage der Weinfreunde nicht auf diese Sorten.

Das Prognosesystem Vitimeteo unterstützt die Winzer per Internet. Damit können aktuelle ortsbezogen Daten abgerufen werden, die den Krankheits- und gegebenenfalls Schädlingsbefall aufzeigen und somit eine genaue Planung des Pflanzenschutzes erlauben.

Die Zeilen zwischen den Reben werden zunehmend begrünt. Dort finden Insekten Nahrung und Unterschlupf, die bei der Bekämpfung von eventuellen Schädlingen in den Reben nützlich sind, zum Beispiel Schlupfwespen, Florfliegen oder Raubmilben. Auf diesen Flächen zwischen den Reben wird der Einsatz von Herbiziden minimiert durch Mulchen zur Unkrautbekämpfung und zunehmend mechanische Unterstockbewirtschaftung. Manchmal reichen diese Maßnahmen nicht aus. Im Ergebnis ihrer langjährigen Anstrengungen haben die Winzer jedoch eine deutliche Reduzierung der chemischen Pflanzenschutzmittel erreicht und sind um stetige Verbesserungen bemüht.  Isabella Vetters Warnung: "Wenn ich gefragt werde, bin ich auch ›pro‹ Biene und nicht ›contra‹, natürlich wollen wir die Bienen retten. Die Landwirte machen dies, schon aus Eigeninteresse. Aber dieses Volksbegehren führt leider zu weitreichenden Folgen. Eine Aufklärung aller Bürger ist deshalb unbedingt notwendig", so die Geschäftsführerin der Breisgauer Wein GmbH. Weshalb die Winzer und Landwirte gegen das Volksbegehren sind werde klar, wenn man die Forderungen und ihre Folgen näher betrachtet: "Die Forderungen würden unter anderem dazu führen, dass Flächen brachliegen, viele Arbeitsplätze und Existenzen in der Landwirtschaft verloren gehen und durch Produktionsengpässe noch mehr Lebensmittel global eingekauft werden, die kaum auf chemische Rückstände überprüft werden und deren Transport sich schlecht auf die CO²-Bilanz auswirkt."

Leider lasse das Recht in Baden-Württemberg ein Nachverhandeln des Gesetzestextes nicht zu, so die Bleichheimerin. Deshalb sei es wichtig, nicht das Volksbegehren zu unterstützen, betont Vetter. Ansonsten würden die vorliegenden, selbst für die Biobauern katastrophalen Vorschriften umgesetzt. "Informieren Sie sich stattdessen beim Landwirt und Winzer vor Ort und machen Sie sich selbst ein Bild über das Summen und Brummen in unseren Weinbergen und Wiesen", so Vetters Appell.   Fazit: "Viele sehr gute Weinlagen sind in Schutzgebieten und wären nach der neuen Initiative nicht mehr anbaufähig", erläutert Moosmann. Damit müssten die Weinfreunde auf besonders gute, die Winzer auf für das Betriebsergebnis wesentliche Weine verzichten.

"Da Weinbau komplett ohne Pflanzenschutz nicht möglich ist, sollte dies in einem zukünftigen Gesetz im Ergebnis des Volksbegehrens ›Rettet die Bienen‹ Berücksichtigung finden", so Moosmann. Durch den gewissenhaften Umgang der Winzer mit Pflanzenschutzmitteln könnten die Verbraucher auch weiterhin unbedenklich Weine aus Baden trinken, und dies mit gutem Gewissen. Pro Biene und pro Wein können bei gutem Willen aller Seiten also Hand in Hand gehen.

  Baden ist mit über 15 000 Hektar Rebfläche das drittgrößte und zugleich südlichste Weinanbaugebiet Deutschlands. Fast 18 000 Betriebe bewirtschaften die badischen Rebflächen, viele Winzer im Nebenerwerb. Die Winzergenossenschaften sind mit über 70 Prozent der Rebfläche Schwerpunkt in der Erzeugungs- und Vermarktungsstruktur in Baden.

 In Herbolzheim werden auf rund 90 Hektar Reben angebaut. Über 100 Winzer mit ihren Familien erzeugen in der Winzergenossenschaft Herbolzheim, bei den Bleichtäler Winzern sowie in den Weingütern Holub Tutschfelden, Weingut Schaudt Wagenstadt, Weingut Ringwald Wagenstadt vielfach prämierte Weine. Mit dem Prognosesystem Vitimeteo kann der Pflanzenschutz zielgerichtet geplant, kann die Behandlung der Reben auf das Notwendigste begrenzt werden.

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