Herbolzheim Sein Ziel: Drei Weltrekorde aufstellen

Vergangenes Jahr knackte André Weinand in Herbolzheim den Weltrekord für die meisten Stufen auf dem Treppensteiger innerhalb von 24 Stunden. Im November will er diesen Rekord verbessern und noch zwei weitere obendrauf setzen. Foto: Decoux-Kone

Herbolzheim - 125 819 Stufen in 24 Stunden auf dem Treppensteiger ("Stair Climber"): Das ist der Weltrekord, den André Weinand 2019 im Herbolzheimer Fitnessstudio "Get Fit" aufgestellt hatte – und der bislang ungebrochen ist. "Allerdings hatten es ein paar versucht, ihn zu knacken und kamen nah dran.

Deshalb habe ich mich entschlossen, die Messlatte höher zu legen", berichtet der Sulzer der Lahrer Zeitung. Den eigenen Weltrekord zu überbieten, damit will sich der Extrem-Sportler aber nicht zufrieden geben.

Vom 6. bis zum 8. November will er dieses Mal noch zwei weitere aufstellen: zum einen den für die meisten Stufen innerhalb von 48 Stunden auf dem Treppensteiger, zum anderen den für die längste Zeit auf dem Treppensteiger am Stück.

Herr Weinand, welche Strategie haben Sie sich zurechtgelegt, um alle drei Weltrekorde auf einmal zu knacken?

In den ersten 24 Stunden werde ich richtig Gas geben, um ein möglichst gutes Ergebnis für den ersten Weltrekord – die meisten Stufen auf dem Treppensteiger an einem Tag – zu erzielen. Danach kann ich es etwas ruhiger angehen lassen, denn für die 48 Stunden gibt es noch keinen Rekord. Und für den dritten Weltrekord ist ja ohnehin die Zeit entscheidend.

50 Stunden am Stück auf einem Sportgerät, wie läuft so etwas ab?

Ähnlich wie bei meinem 24-Stunden-Weltrekord-Versuch vergangenes Jahr. Ich laufe immer eine Stunde am Stück durch und überprüfe dann, wie gut ich mit meiner Stufenzahl in der Zeit liege. Wenn es gut läuft, kann ich so alle zwei, drei Stunden maximal fünf Minuten Pause machen. Diese nutze ich auch, um den Treppensteiger zu verlassen und mich auf der Matte kurz zu dehnen oder massieren zu lassen.

Ideal wäre es, wenn ich nach 24 Stunden mal duschen könnte. Das letzte Mal waren sechs Helfer im Einsatz, um mich mit Essen, Trinken und Wechselkleidung zu versorgen. Dieses Mal werde ich mehr brauchen, da meine Betreuer ja nicht 50 Stunden mit mir wach bleiben müssen. Wie viele genau, muss ich aber noch abklären.

Sie werden mehr als zwei Tage in derselben Bewegung sein. Welche Muskelgruppen werden Ihnen danach am meisten Schmerzen bereiten?

In erster Linie die Waden und aufgrund der krummen Haltung, die man auf dem Treppensteiger einnimmt, sicher auch der Rücken. Beim normalen Treppensteigen geht es oft auch auf die Oberschenkel, wenn ich zwei Stufen auf einmal nehme, aber das ist beim Treppensteiger ja nicht möglich.

Was wird Ihnen mehr zu schaffen machen: die körperliche Anstrengung oder die Müdigkeit?

Ich weiß es noch nicht, weil ich mich dieser Herausforderung noch nie gestellt habe. Es ist definitiv auch eine mentale Herausforderung und irgendwann wird das Bedürfnis nach Schlaf groß werden. Da es immer der gleiche Bewegungsablauf ist, kann es auch geschehen, dass sich die Muskeln versteifen, wie es mir beim Weltrekord-Versuch vergangenes Jahr passiert ist.

Nachdem ich aber runter vom Gerät war und mich zehn Minuten hatte durchmassieren lassen, ging es wieder und ich konnte weitermachen.

Haben Sie schon mit dem Training begonnen? Wie werden Sie sich auf die Weltrekordversuche vorbereiten?

Seit sechs, sieben Wochen habe ich wieder mit dem Training angefangen. Aktuell trainiere ich zwei Stunden am Stück. So richtig losgehen wird es aber erst nächste Woche. Von Mitte September bis Oktober werde ich sechs Stunden und länger am Stück trainieren. Diese sechs Wochen werde ich dann nutzen, um mich gezielt auf den Wettkampf vorzubereiten. Dazu gehört auch, dass ich nachts trainieren werde.

Hatte die Corona-Zeit Auswirkung auf Ihren Rekordversuch und Ihr Training?

Ich habe die Auswirkungen ziemlich stark gespürt. Der Treppenmarathon im holländischen Landgraaf, an dem ich am Wochenende teilnehme, ist der einzige Wettkampf dieses Jahr, alle anderen wurden abgesagt. Ohne solche Herausforderungen, auf die man hinarbeiten kann, neigt man dazu, das Training schleifen zu lassen.

Ich habe vor sechs, sieben Wochen mit dem Training für den Wettkampf angefangen und merke schon, dass ich nicht so gut in Form bin wie vergangenes Jahr zu dieser Zeit.

Werden Ihre Freunde und Familie Sie beim Weltrekordversuch unterstützen?

Meine Familie und meine Freunde stehen voll hinter mir. Sie werden im November auch vor Ort sein, um mich anzufeuern.

Die  Fragen stellte  Julia Göpfert.

André Weinand nimmt am Samstag am Treppenmarathon in Landgraaf teil. Dieser gilt als der Härteste der Niederlande. Dabei geht es 508 Stufen die längste Treppe der Niederlande hoch, um dann wieder den Wilhelminaberg hinunterzulaufen und von vorne zu beginnen.

Eine Runde hat normalerweise 1,1 Kilometer, dieses Jahr sind es wegen coronabedingt geänderter Laufwege 900 Meter. Weinand hat den Wettbewerb bereits zwei Mal, 2017 und 2019, in der Kategorie "Last Man Standing" gewonnen. In dieser geht es darum, in neun Stunden so viele Runden wie möglich zu schaffen.

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