Herbolzheim Scheunenbrände: Feuerteufel ist Feuerwehrmann

Herbolzheim - Ein 20-Jähriger aus Herbolzheim hat gestanden, für die Scheunenbrand-Serie verantwortlich zu sein. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt. Der Mann war selbst Mitglied der Feuerwehr.

Die Menschen in und um Herbolzheim können wieder beruhigt schlafen, doch bis wieder Normalität in dem Städtchen im nördlichen Breisgau einkehrt, dürfte noch eine Weile vergehen. "Eine Herausforderung" komme auf die Stadt zu, so Bürgermeister Thomas Gedemer, denn "ein Albtraum" habe sich bewahrheitet: Die Brandserie, bei der seit Mitte Mai acht Scheunen in Herbolzheim und der südlichen Ortenau in Flammen aufgingen, wurde von einem Einheimischen gelegt.

Der 20-jährige sitzt in U-Haft, da Flucht- und Wiederholungsgefahr bestehe, so Oberstaatsanwalt Michael Mächtel bei der Pressekonferenz im Freiburger Polizeipräsidium. Der junge Mann stamme aus Herbolzheim und sei seit seiner Jugend bei der Feuerwehr aktiv. Bei den meisten Bränden habe der Verdächtige selbst anschließend bei den Löscharbeiten mitgewirkt, so Mächtel.

Motiv ist noch völlig unklar

Die acht Brandstiftungen sowie einen weiteren Tatversuch habe der Mann bei einer zweiten Vernehmung am Montag eingeräumt, nachdem er vergangene Woche bei einer Hausdurchsuchung die Taten noch bestritten hatte, so Ermittlungsleiter Nico Schuster. Bei der Durchsuchung habe man Belastungsmaterial sichern können, das aber nicht für eine Inhaftierung ausgereicht habe, berichtete der Kriminaloberrat. Dazu habe sich der junge Mann in Widersprüche verstrickt und man habe ihn weiter verhört, was schließlich zu seinem Geständnis geführt habe, bei dem der Mann stichhaltiges Täterwissen offenbart habe. Zuvor hatte die Polizei seit Mitte Juni schon "eine Vielzahl von Hinweisen" auf den Mann erhalten, die laut Schuster aber allesamt nicht konkret genug waren, um ihn zu verhaften. Die Aufklärung der Brandserie sei ein Erfolg "klassischer Ermittlungsmethoden" der Polizei gewesen.

Die Brandserie hatte Mitte Mai begonnen. Bereits nach dem zweiten Feuer wurde die Ermittlungsgruppe "Scheune" mit zunächst drei, später dann 29 Beamten eingerichtet, die bald 400 Spuren und Hinweise zu bearbeiten hatten. Mittlerweile, so Schuster, könne man "nahezu alle" der fraglichen neun Anschläge dem Verdächtigen auch objektiv zuordnen. Allerdings sei die Motivlage des 20-Jährigen noch völlig unklar. Der Gesamtschaden durch die Brandanschläge liege vermutlich bei mehr als einer Million Euro, so Mächtels erste Einschätzung. Mit der Autobrandserie in der Ortenau habe der Fall nichts zu tun.

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